Flut­licht, aus­ver­kauftes Haus und fan­tas­ti­sche Stim­mung. Eigent­lich war für den per­fekten Fuß­ball­abend im Olym­pia­sta­dion alles vor­be­reitet. Wäre da nicht diese unsäg­liche Münchner Domi­nanz, die seit Monaten jeden beson­deren Moment mit grauer Nor­ma­lität über­zieht.

Schon auf dem Weg zum Sta­dion will sich nie­mand so recht für den ebenso beein­dru­ckenden wie unaus­weich­li­chen Titel­ge­winn der Bayern inter­es­sieren. An einen Sieg der Hertha glaubt auch zu diesem Zeit­punkt keiner mehr. Selbst Nick, Her­thaner, zehn Jahre alt, gibt sich keinen Illu­sionen hin: Den Bayern die Party ver­sauen? Dit kannste ver­jessen.“

Ver­übeln kann es ihm keiner. Gast­ge­schenke waren zuletzt schließ­lich keine große Stärke des FC Bayern. Nach dem Spiel steht eine Serie von 19 Siegen Folge zu Buche. Ein Grund zum Trüb­sal­b­lasen ist das für Nick und die übrigen Ber­liner in der S‑Bahn aber nicht: Wenn keiner gegen die Münchner gewinnt, spielt es am Ende sowieso keine Rolle mehr.“ Kurz gesagt: Es ist uns völlig egal.“

Und im Sta­dion? Die Berlin-Fans schenken dem Abend nach dem 2:0 durch Mario Götze ihre ganz eigene Hymne. Auf die Melodie des Dante-Hits „… und Pokal auch“ grölen sie wieder und wieder Ihr gewinnt Meis­ter­schaft, und den Euro­pacup und den Pokal. Ist scheiß­egal.“ In der Wort­wahl über­spitzt, zeigt der Gesang doch auf erschre­ckende Weise, wie gelang­weilt alles und jeder außer­halb des blau-roten Uni­ver­sums zu sein scheint. Gleich­zeitig zollen sie dem FC Bayern den ver­dienten Respekt, wird doch nicht mal in Schmäh­ge­sängen noch die Unbe­sieg­bar­keit der Münchner in Frage gestellt.

Der FC Bayern reagiert so, wie es sich für den frü­hesten deut­schen Meister aller Zeiten gehört. Näm­lich gar nicht. Die Hertha wird seriös abge­früh­stückt. Pep Guar­diola ges­ti­ku­liert trotzdem bei jedem Stock­fehler seiner Pass­ma­schinen so wild, als stände nicht der Zeit­punkt son­dern die 24. Meis­ter­schaft an sich in Frage.

Die Jubel­szenen nach Abpfiff zeichnen sich jedoch leider auch durch eben diese Merk­male der Münchner Saison aus: pro­fes­sio­nell, seriös und ein­ge­spielt: Arme werden in den Ber­liner Nacht­himmel gereckt, das Team springt gemeinsam im Kreis, mar­schiert in die Kurve, Humba, Humba“. Vielen Dank und auf Wie­der­sehen. Ein biss­chen länger hätten sie schon mit uns feiern können“, beschweren sich nach dem Spiel zwei Bay­ern­fans die trotz win­ter­li­cher Tem­pe­ra­turen in kurzen Leder­hosen aus Mün­chen ange­reist sind.

Wäh­rend es aus dem gut gefüllten Münchner Block wieder und wieder Deut­scher Fuß­ball­meister“ schallt, machen die Spieler in den Kata­komben längst wieder das, was sie am besten können: pro­fes­sio­nell sein.

Bereit­willig lassen sie sich von Markus Hör­wick von Inter­view zu Inter­view schieben, auch wenn sich der Rede­be­darf selbst bei Show­ta­lenten wie Thomas Müller und Dante in Grenzen hält. Wurde ja eigent­lich letztes Jahr schon alles erzählt.

Einzig Xherdan Shaqiri, der den Rasen zum wie­der­holten Male nur beim Auf­wärmen zu sehen bekam und mit seiner Situa­tion beim deut­schen Meister durchaus unzu­frieden sein dürfte, legt einen Inter­view­ma­ra­thon zurück. Selbst dann noch, als die Kol­legen Neuer, Schwein­s­teiger und Co. längst im Kabi­nen­gang ver­schwunden sind.

Zu guter Letzt kommt Pep Guar­diola zu Wort. Nachdem er noch auf der Trai­ner­bank die tele­fo­ni­schen Glück­wün­sche seiner Frau ent­ge­gen­ge­nommen hat, lobt er bei der Pres­se­kon­fe­renz seine Spieler, den Verein, Uli Hoeneß sowie Jupp Heynckes und bedankt sich artig für die Chance, eine super, super“ Mann­schaft trai­nieren zukönnen.

Nur der Schluss­ak­kord des Spa­niers dürfte die Bayern-Kon­kur­renten auf die nächste Saison hoffen lassen. Wir sind sehr zufrieden“, fasst er den erfolg­rei­chen Abend zusammen. Wir warten hin­gegen schon auf die pas­sende Ant­wort von Mat­thias Sammer.