Beginnen wir mit etwas Fuß­ball­all­ge­mein­wissen. Denn natür­lich wisst ihr, dass mitt­ler­weile etliche Mann­schaften die einst legen­däre HSV-Serie von 36 unge­schla­genen Spielen zwi­schen Januar 1982 und Januar 1983 gebro­chen haben. Zum Bei­spiel der FC Arsenal mit 49 Spielen ohne Nie­der­lage zwi­schen Mai 2003 und Oktober 2004. Der FC Bayern mit 53 Spielen zwi­schen November 2012 und April 2014. Der FC Levadia Tal­linn mit 61 Spielen zwi­schen Mai 2008 und November 2009. Unan­ge­foch­tener welt­weiter Rekord­halter ist laut der Super­sta­tis­tik­freak-Seite rsssf​.com der ASEC Abidjan. Zwi­schen 1989 und 1994 blieben die Ivorer in 108 Spielen unge­schlagen, bis sie gegen Société Omnisports de l’Armée ver­loren, was sie so wütend machte, dass sie ihren nächsten Gegner 11:0 aus dem Sta­dion schossen. (Anm. für die Super­su­per­sta­tis­tik­freaks: Bis heute ist nicht geklärt, ob es sich bei Abid­jans Serie aus­schließ­lich um Liga­spiele gehan­delt hat.)

Wie auch immer: Der FC Liver­pool ist noch weit ent­fernt vom Abidjan-Wun­der­team der frühen Neun­ziger. Aber zumin­dest die Serien des FC Arsenal und Levadia Tal­linn sind in Sicht­weite. Außerdem sind die Reds“ mit dem jüngsten Sieg gegen Shef­field United in dem Unge­schlagen-Ran­king an der HSV-Superelf der frühen Acht­ziger vor­bei­ge­zogen.

Aber ist der FC Liver­pool 2019/20 wirk­lich besser als der HSV 1982/83? Zeit für den ulti­ma­tiven Direkt­ver­gleich.

Alisson Becker vs. Uli Stein
Nie­mand guckte die Schüsse der geg­ne­ri­schen Stürmer so schön am Tor vorbei wie Uli Stein. Selbst wenn der Ball nur um Mil­li­meter am Pfosten vor­bei­flog, hob Seher Stein jovial die Hand, als wollte er eine Kin­der­chor­gruppe auf der Haupt­tri­büne grüßen. Und wenn doch mal echte Gefahr aufkam, holte er die Bälle mit dem aus­ge­streckten Mit­tel­finger aus dem Winkel. Auf Groß­wild­jagd, so viel ahnt man, hätte er Löwen, Ele­fanten oder Kobras per Faust­schlag erle­digt. Glück­li­cher­weise ist Stein aber ein Tier­freund. Gut, Alisson hat die Wahl zum Welt­tor­hüter gewonnen, werden einige Schlau­meier behaupten. Aber Uli Stein war mal Co-Show­master in der 9Live-Show Supertor“. Klarer Punkt für den HSV.

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Virgil van Dijk vs. Ditmar Jakobs
Auch Virgil van Dijk ist ein deko­rierter Spieler und amtie­render Europas Fuß­baller des Jahres“. Glück­wunsch dazu. Jakobs, das wissen die Wenigsten, war Welt­fuß­baller der Herzen. In Diego Mara­donas Kin­der­zimmer hing ein Poster von Jakobs, Pele nannte seine Kinder Ditmar und Jakob, Cris­tiano Ronaldo schläft heute noch in Ditmar-Jakobs-Bett­wä­sche. DJ Bobo benutzt Ditmar Jakobs‘ Initialen als Vor­namen, und Michael Wendler hat ihm mit Sie liebt den DJ“ sogar einen Song geschrieben. Klarer Punkt für den HSV.

Trent Alex­ander-Arnold vs. Manni Kaltz 
Manni, der Außen­ver­tei­diger. Schlug Flanken, bei denen sich selbst Roberto Carlos die Füße ver­knotet hätte. Und er gab Inter­views, die kürzer waren als der Name von Trent Alex­ander-Arnold. Fol­ge­richtig sein Spitz­name: Schwätzer“. Ein Bei­spiel aus dem Jahr 1978, als ihn ein BILD-Reporter besuchte:

BILD: Willi Schulz hat Ihnen beschei­nigt, dass Sie kein Libero wären, wie ihn die Natio­nalelf braucht.“
Kaltz: Hat er das?“
BILD: Man kann nicht bestreiten, dass er ein Fach­mann ist.“
Kaltz: Ist er das?“

Klarer Punkt für den HSV. Ist das so? Ja, ver­dammt!

Geor­ginio Wij­naldum vs. Jürgen Groh
Jürgen Groh kickte in der Jugend bei einem Klub mit dem groß­ar­tigen Namen FC Star­ken­burgia Hep­pen­heim. Nach seiner Kar­riere arbei­tete er als Brief­träger. Sein Spitz­name ist Joschi. Und Wij­naldum? Machte von Anfang an auf dicke Hose. Klemmte sich ein ‑inio an den gewöhn­li­chen Vor­namen Georg. In seiner Jugend spielte er für Feye­noord Rot­terdam, danach wurde er Profi beim PSV Eind­hoven, jetzt ist er in Liver­pool. Nach der Kar­riere, so viel ist sicher, wird er nicht als Brief­träger arbeiten, son­dern die kom­plette nie­der­län­di­sche Post kaufen und sich selbst täg­lich gol­dene Steaks im gepols­terten Umschlag schi­cken. Warum? Weil er es kann. Objektiv: Punkt für Liver­pool. Aber ganz ehr­lich: Nie­mand mag Angeber! Also: Klarer Punkt für den HSV.

Andrew Robertson vs. Bernd Weh­meyer
Bernd Weh­meyer trägt den Spitz­namen Fummel“ und ist der Inbe­griff von Stall­ge­ruch. Hängt seit Ende der Sieb­ziger am Volks­park rum. War Spieler und Sport-Direktor. Heute ist er Klub-Manager. Fans hat er auf der ganzen Welt. In Eng­land haben sie ihm einst sogar eine Hymne geschrieben: You’ll Never Walk Alone“. Ein Chant, der irgend­wann auch von Fans des FC Liver­pool adap­tiert wurde. Kläg­li­cher Anbie­de­rungs­ver­such. Klarer Punkt für den HSV. 

Joel Matip vs. Wolf­gang Rolff
Wolf­gang Rolff wurde am 2. Weih­nachtstag 1959 geboren. Er war schon Trainer in Aser­bai­dschan, Kuwait, China und Meppen. Erfand außerdem Anfang der Acht­ziger den Vokuhila. Trug dazu keine weißen Cow­boy­stiefel, hätte sie aber tragen können. Sound­track zu seinem Spiel: Poison, Mötley Crüe und Ratt. Und jetzt kommst du, Joel! Klarer Punkt für den HSV.

James Milner vs. Jimmy Hartwig
Hartwig, geboren und auf­ge­wachsen in Offen­bach, konnte die Gegner tot­bab­beln. Wie das klingt? Stell dir vor, du wür­dest über den Platz laufen und Bade­salz würden dir 90 Minuten Geschichten über Fleisch oder Indianer ins Ohr schreien. Zu der legen­dären Sie­ges­serie des HSV sagte er mal: Unsere Spie­ler­frauen wussten immer, dass sie am Mon­tag­morgen mit der Sieg­prämie shoppen gehen können. Ich hab manchmal gesagt: ›Schatz, kannst dir den Pelz­mantel heute schon kaufen, wir gewinnen sowieso.‹ Nach dem furiosen Jahr hatte sie einige Mäntel im Schrank.“ Nach der Kar­riere wurde Hartwig Schau­spieler. Er hätte aber auch NASA-Astro­naut, sowje­ti­scher Schach­groß­meister oder Lite­ra­tur­no­bel­preis­träger werden können. Und Milner? Trai­niert viel und trinkt keinen Alkohol. Der bis­lang klarste Punkt für den HSV.