Seite 2: „Bielsa wäre der Wahnsinn, aber es ist unmöglich!"

In Leeds aller­dings lief es anfangs nicht so gut. Vor seiner ersten Saison ver­pflich­tete Orta 30 Spieler, nur fünf schafften es ins erste Team. Zwei Trainer ver­schliss er, am Ende lan­dete die Mann­schaft auf einem ent­täu­schenden 13. Platz der Cham­pionship.

Er sagt, er habe Fehler gemacht. Dem Portal The Ath­letic erklärte er das mal so: Nor­ma­ler­weise sind von fünf Neu­zu­gängen drei gut und zwei schlecht. Das ist die Quote. Überall. Sogar bei meinem Mentor Monchi. Denn Spieler sind Men­schen.“

Und auch Sport­di­rek­toren sind Men­schen. In einer Szene in Take us home“ – einer Doku-Serie, die Leeds United von der Cham­pionship zurück in die Pre­mier League begleitet – sieht man Orta in sich zusam­men­ge­sunken, den Tränen nah. Leeds war nicht abge­stiegen und hatte auch kein wich­tiges Finale ver­loren. In letzter Minute war aber der Transfer von Daniel James geschei­tert, dabei hatte er schon den Medi­zin­check an der Elland Road absol­viert.

Im Laufe der Jahre wurde Ortas Quote besser, auch weil das Scou­ting-System aus­ge­feilter wurde. Dem Pod­cast Trai­ning Ground Guru“ erklärte er, dass er es mit 70 Pro­zent mensch­li­chem Auge und 30 Pro­zent Daten“ pro­biere. Ich arbeite mit zwei Algo­rithmen, die per­fekt auf uns zuge­schnitten sind. Anhand von etwa 80 Sta­ti­siken treffen wir eine Aus­wahl.“

Vor der lau­fenden Pre­mier-League-Saison holte Leeds punk­tuell wich­tige
Ver­stär­kungen. Neben Koch kamen zum Bei­spiel Rodrigo vom FC Valencia oder Raph­inha von Stade Rennes. Spieler, die lukra­tive Ange­bote von Klubs hatten, die zuletzt erfolg­rei­cher waren, ent­schieden sich für den Pre­mier-League-Auf­steiger. Und das wie­derum hat natür­lich sehr viel mit Ortas bester Ver­pflich­tung zu tun.

Er hatte bereits zehn Leeds-Spiele gesehen und kannte jeden Spieler“

Victor Orta

Es war irgend­wann im Sommer 2018, kurz nach der Ent­las­sung von Trainer Paul Hecking­bottom. Victor Orta und Klub­eigner Andrea Rad­riz­zani fuhren gemeinsam im Auto durch die Stadt. Rad­riz­zani fragte, wel­chen Trainer sie holen könnten, und Orta ant­wor­tete: Ich glaube, Mar­celo Bielsa wäre der Wahn­sinn, aber es ist unmög­lich.“ Rad­riz­zani ant­wor­tete: Ruf ihn jetzt an!“

Orta war schon lange Fan des Argen­ti­niers, ein Biel­sista, bevor diese Bezeich­nung populär wurde. 2004 war Orta bei den Olym­pi­schen Spielen in Athen als Reporter und ver­folgte vor allem Argen­ti­niens Natio­nal­mann­schaft, die unter Bielsa Gold gewann. 3000 Kilo­meter nörd­lich stieg Leeds aus der Pre­mier League ab. Nun also, im Sommer 2018, sollten sie zusam­men­kommen.

Aber Bielsa nahm nicht ab. Also hin­ter­ließ Orta eine Nach­richt.

Am nächsten Tag klin­gelte das Telefon bei Orta. Bielsa war dran. Er hatte bereits zehn Leeds-Spiele gesehen und kannte jeden Spieler. Orta flog nach Buenos Aires, sie unter­hielten sich bis in den späten Abend, Bielsa stellte aller­hand For­de­rungen auf, vor allem wollte er Ver­bes­se­rungen auf dem Trai­nings­platz. Wenn ihr das alles macht, bin ich dabei!“, sagte er.

Am 14. Juni 2018 setzte er seine Unter­schrift unter den Ver­trag.