Seite 2: „Willst du uns alle umbringen?“

Im eigenen Land wurde Jovic kur­zer­hand zum Staats­feind erklärt. Willst du uns alle umbringen?”, titelte die Blik-Zei­tung. Wes­halb der Fall schnell eine poli­ti­sche Ebene ein­nahm. Regie­rungs­chefin Ana Brn­abic rügte in einer Ansprache das Ver­halten von Fuß­bal­lern, auch wenn sie auf Namen ver­zich­tete: Sie ver­dienen Mil­lionen und igno­rieren derart wich­tige Anwei­sungen.“ Prä­si­dent Alek­sandr Vucic rich­tete sich direkt und mit dras­ti­schen Worten an den Stürmer: Wenn er sein Appar­te­ment uner­laubt ver­lässt, wird er ver­haftet.” Und die Behörden legten noch einmal nach, als sie betonten, dass es für die ser­bi­sche Staats­an­walt­schaft keinen Unter­schied mache, wel­chen Job ein Straf­fäl­liger sonst nach­gehe.

Die Andro­hung von einer Gefäng­nis­strafe sorgte dann auch dafür, dass sich Jovics Vater an die Öffent­lich­keit wandte. Laut ihm habe sich sein Sohn sowohl in Spa­nien als auch in Ser­bien testen lassen – jeweils mit nega­tivem Ergebnis. Und auch habe er sich nicht in der Öffent­lich­keit auf­ge­halten, seine Freundin sei schließ­lich schwanger und müsse des­halb zuhause bleiben. Das Foto, das die beiden zur Ver­kün­dung der Schwan­ger­schaft ver­öf­fent­licht hatten, sei vor Wochen in Madrid ent­standen.

Eine letzte Äuße­rung

Und so wäre dieser Fall ver­mut­lich aus­er­zählt, irgendwo ver­sandet zwi­schen den unter­schied­li­chen Aus­sagen der Betei­ligten. Wer nun recht habe, wer abends noch eine Apo­theke oder doch einen Schnaps brauchte – alles unge­wiss, aber wird schon nicht wieder vor­kommen. Wäre da nicht Luka Jovic selbst. Der äußerte sich selbst gegen­über AS. Und sah seinen Fehler gar nicht ein, son­dern gab anderen Schuld: Einige Men­schen haben ihren Job nicht pro­fes­sio­nell gemacht und mir keine spe­zi­ellen Anwei­sungen gegeben, wie ich mich in einer Iso­la­tion ver­halten soll.”

Wes­halb man sich fragen darf, welche pro­fes­sio­nellen Anwei­sungen ein Fuß­ball­profi benö­tigt in einer Zeit, in der die ganze Welt still­steht. Weil Men­schen an einem Virus sterben. In Madrid, in Ser­bien und auf dem gesamten Globus. Und wes­halb man sich fragen darf, wie weit ein Fuß­baller vom Geschehen ent­fernt leben darf. Ob es nicht besser wäre, wenn er sich also in Zukunft und vorab die Augen­brauen rasiert. Und dann ein­fach ver­schämt zuhause bleibt.