Islands neue Stärke

2002 gab es in Island nur eine einzige Fußballhalle

Das findet auch Geir Thorsteinsson. Der 52-Jährige ist seit 2007 KSI-Präsident und absolviert derzeit seine fünfte Amtszeit. Thorsteinsson war 1992 als kleiner Bürovorsteher eingestellt worden, stieg 1997 zum General Manager auf und begann bald darauf, biberfleißig für die Zukunft zu bauen. Island, mit seinen fußballfeindlichen klimatischen Bedingungen, brauchte besondere Maßnahmen, damit der Sport hier gedeihen konnte. Heute ist die Insel bestens versorgt mit modernen, halbwegs windgeschützten Stadien und riesigen Fußballhallen, damit auch während des endlosen Winters auf Spielfeldern mit offiziellen FIFA-Maßen gekickt werden kann. »Das hat sich bezahlt gemacht«, sagt Thorsteinsson nüchtern.

Anfang 2002 gab es in Island nur eine einzige Fußballhalle. Heute sind es bereits acht, finanziert mit Geldspritzen von der FIFA sowie aus Steuermitteln. Thorsteinsson könnte sich feiern lassen. Doch er will die vorhandene Infrastruktur ausbauen. Ein beträchtlicher Teil der 14 Millionen Euro EM-Prämie, die Island von der UEFA kassiert, soll in entsprechende Maßnahmen fließen. Ein weiterer Teil geht in die Verbesserung der Trainerausbildung und in die Vernetzung des Verbandes mit den Sportschulen im Land. »Wir haben noch viel zu tun und wichtige Pläne«, sagt der Boss.

»EA kann nächstes Jahr wieder anrufen«

Auch ein mächtiger Wirtschaftsgigant bekam unlängst zu spüren, dass Thorsteinsson sein Geschäft versteht: Als EA Sports in den Rechte-Verhandlungen für »FIFA 17« nur schlappe 15.000 Dollar für Islands Nationalteam bot, sagte der Verbandsboss: Nein, danke! Der ehemalige Schiedsrichter wollte die Offerte nicht einmal verhandeln, so indiskutabel fand er sie: »Wir haben eine richtig gute Mannschaft, die viele Konsolen-Spieler gern auswählen würden. Aber EA wollte uns quasi gratis haben. Sie können nächstes Jahr erneut anrufen und für die 2018er-Edition ein besseres Angebot abgeben.«

2018 ist schließlich WM. Die Welt sollte sich an den Gedanken gewöhnen, dass es auch in Russland wieder heißt: »Huh!«