Islands neue Stärke

»Wir können und werden uns noch steigern«

Dennoch schien Islands Höhenflug nach der EM zwangsläufig zu enden. Erfolgs-Coach Lars Lagerbäck (68) ging. Der alte Schwede, der den einstigen Fußballzwerg in Europas Top-Acht geführt hatte, wird ewig als Vater dieses Erfolges gelten. Doch sein ehemals »gleichberechtigter Assistent« Hallgrimsson betonte gleich nach der Übernahme: »Wir können und werden uns noch steigern. Wenn wir weiter Erfolg haben wollen, müssen wir in allen Bereichen besser werden.« Mit zahnärztlicher Präzision setzte der Doktor sogleich beim Thema Spielkontrolle an.

Während der EM konnte einem noch schwindelig werden ob der Leichtfertigkeit, mit der die Nordmänner die mühevoll erkämpfte Kugel wieder herschenkten. Unter Hallgrimsson zeigt sich das Team deutlich ballsicherer: Beim 3:2 gegen die Finnen lief man 50 Minuten lang einem 1:2-Rückstand hinterher und musste die Partie gestalten. Island spielte sich Chance um Chance heraus, die x-te nutzte Finnbogason zum Ausgleich (89.). In der Nachspielzeit ließ Ragnar Sigurdsson sämtliche Seismographen ausschlagen. Sein Siegtreffer war zwar regelwidrig, weil Torwart Lukas Hradecky beim Schuss die Hand auf dem Ball hatte – aber wen interessierte das?

»Die Zukunft sieht hell aus«

Beim 2:0 gegen die Türken bewies Island nach Treffern von Leverkusens Ömer Toprak (42./Eigentor) und Finnbogason (44.), dass es neuerdings auch die seriöse Ergebnisverwaltung beherrscht. Verglichen mit den Zitterpartien bei der EM, ist das ein weiterer riesiger Fortschritt.

Dass der Fußball auf der Vulkaninsel immer besser wird, ist nicht zuletzt einem Ex-Herthaner zu verdanken. Eyölfur Sverrisson, der auch für den VfB Stuttgart spielte, ist seit 2009 U21-Auswahltrainer seines Heimatlandes. In dieser Funktion liefert »Jolly« zuverlässig feine Fußballer und respektable Resultate. 2011 führte er Island zur U21-Europameisterschaft, viele aktuelle A-Nationalspieler reiften unter ihm zu Topleuten. In der Qualifikation zur EM 2017 lag Sverrisson mit seinen Youngstern vor dem letzten Spieltag (11. Oktober) auf Platz eins – trotz bärenstarker Gruppengegner wie Frankreich, Ukraine, Mazedonien oder Schottland. »Die Zukunft sieht hell aus«, strahlt der 48-Jährige.