Archie Thompson ist einer der wenigen Fuß­baller, der seinen Tor­welt­re­kord wohl für immer sicher hat, selbst vor Lionel Messi und Cris­tiano Ronaldo. Am 11. April 2001 kata­pul­tierte sich der aus­tra­li­sche Angreifer mit 13 Tref­fern beim legen­dären 31:0 gegen Ame­ri­ka­nisch Samoa in die Geschichts­bü­cher. Thompson, der Vater aus Neu­see­land, die Mutter aus Papua-Neu­guinea, sam­melte seine gesamte Kar­riere über Best­marken. So erzielte er 2012 bei einem 9:0 gegen Guam inner­halb von zehn Minuten nach seiner Ein­wechs­lung drei Treffer. Nur unter­schied­liche Zeit­an­gaben ver­hin­dern bis­lang die Aner­ken­nung als schnellster Län­der­spiel-Hat­trick. Dafür traf er im aus­tra­li­schen Meis­ter­schafts­fi­nale 2007 für seinen Verein Mel­bourne Vic­tory, dessen Rekord­tor­jäger er ist, fünf Mal gegen Ade­laide United. Auch das, man mag es erahnen, ein Rekord. Gründe genug, mit dem aus­tra­li­schen Tor­jäger zu spre­chen.

Hin­weis: Das Inter­view erschien erst­mals 2013. 

Archie Thompson, am 11.04.2001 haben Sie sich in die Geschichts­bü­cher geschossen. Erin­nern Sie sich eigent­lich noch an alle 13 Tore gegen Ame­ri­ka­nisch Samoa?
Nein, nein, nein. Um ehr­lich zu sein, habe ich anschlie­ßend nie wieder eine Auf­zeich­nung des Spiels gesehen. Nur ein, zwei Mal die Tore im Schnell­durch­lauf.

Sind Sie stolz auf den Rekord?
Schauen Sie, Sie müssen auf jeden Fall berück­sich­tigen, gegen wen wir da gespielt haben. Aber solche Spiele muss man trotzdem gewinnen, und ich bin halt fürs Tore­schießen zuständig. Für mich ist es natür­lich toll, mit einem Welt­re­kord in den Geschichts­bü­chern ver­ewigt zu sein, ist doch klar.

Wie war das eigent­lich auf dem Feld: Waren Sie gelang­weilt vom Tore­schießen?
Ja, irgend­wann kam ich an diesen Punkt. Die Spieler von Ame­ri­ka­nisch Samoa, dar­unter ja ein paar Jugend­liche, taten uns alle ein wenig leid. Aber für sie war es wie­derum eine große Ehre, gegen uns anzu­treten. Doch dieses Spiel ist genau der Grund, wes­halb wir uns nicht mehr über Ozea­nien, son­dern über Asien für die großen Tur­niere qua­li­fi­zieren. Wir wollen uns weiter ent­wi­ckeln. Auch auf die Gefahr hin, nicht bei der WM dabei zu sein.

War der Welt­re­kord für Ihre wei­tere Kar­riere eigent­lich eine Last?
Als ich im Sommer 2001 nach Bel­gien zu Lierse SK wech­selte, hatte offen­sicht­lich jeder von diesen 13 Toren gehört und erwar­tete große Wun­der­taten von mir. Am besten fünf, sechs Tore pro Spiel! (lacht)

Auch wenn es nicht fünf, sechs Tore pro Spiel waren, haben Sie regel­mäßig für Lierse getroffen und wurden schnell zum Publi­kums­lieb­ling. Warum sind Sie dann 2005 wieder zurück nach Aus­tra­lien gegangen, statt Ihre Kar­riere in Europa voran zu treiben?
In Lierse hätte ich auf jeden Fall bleiben können. Sie haben mir einen wei­teren Ver­trag ange­boten, aber meine Frau war mit unserem zweiten Kind schwanger, und das war der Haupt­grund, wieder heim­zu­kehren. Es passte natür­lich, dass gerade diese neue Liga in Aus­tra­lien (die A‑League, d. Red.) gestartet wurde, über die ich schon so viel gehört hatte. Ich wollte nach Hause, konnte auch noch pro­fes­sio­nell Fuß­ball spielen und das in Vic­toria, wo ich meine Kinder groß ziehen konnte. In Aus­tra­lien, dem meiner Mei­nung nach schönsten Land der Welt!

In Europa wird die A‑League meis­tens ins Spiel gebracht, wenn große Stars eine ange­nehme Abschluss­sta­tion für ihre Kar­riere suchen. Oder sie wird mal erwähnt, wenn hier geschei­terte Spieler down under auf­blühen. Wie hat sich die Liga aus Ihrer Sicht ent­wi­ckelt?
Ich habe diese Liga wachsen sehen, von der ersten bis zur jet­zigen achten Saison. Das Niveau des Wett­be­werbs ist gestiegen, es kommen mehr Zuschauer, die Spieler werden besser – und dabei helfen auch die nam­haften Spieler wie jetzt Ales­sandro del Piero, Emile Heskey oder Shinji Ono. Die mögen in der End­phase ihrer Kar­riere sein, aber sie wollen noch immer Meis­ter­schaften und Tro­phäen gewinnen. Aber vor allem pro­du­zieren wir auch einige groß­ar­tige aus­tra­li­sche Talente. In Deutsch­land seht ihr es ja aktuell mit Robbie Kruse.

Der spielt eine richtig ordent­liche Saison für For­tuna Düs­sel­dorf Düs­sel­dorf.
Er hat hier mit mir in Mel­bourne gespielt. Wir sind enge Freunde. In Mel­bourne war er für mich immer wie ein Sohn. Und jetzt bin ich ziem­lich stolz auf ihn.

Aus­tra­lien war zuletzt zwei Mal in Folge für eine WM qua­li­fi­ziert. Planen Sie fest für Bra­si­lien?
Wir tun uns schwer und spielen zur­zeit nicht allzu gut. (Nach fünf Spiel­tagen der vierten Qua­li­fi­ka­ti­ons­runde steht Aus­tra­lien auf Platz 3 der Gruppe 2, d. Red.) Doch wir haben es noch selbst in der Hand. Wir spielen nur noch zu Hause, außer gegen Japan, aber die sind ja schon so gut wie qua­li­fi­ziert. Und wir sind als Natio­nal­mann­schaft eigent­lich immer am stärksten, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen.

Vor­aus­ge­setzt, Aus­tra­lien schafft es – sehen wir Archie Thompson in Bra­si­lien?
Ich würde lie­bend gerne dort hin, das würde meine Kar­riere wirk­lich abrunden. Aber erst einmal möchte ich Teil der Mann­schaft sein, die sich für die Welt­meis­ter­schaft qua­li­fi­ziert.

Sie werden bald 35, es dürfte Ihre letzte Welt­meis­ter­schaft sein nachdem Sie in Deutsch­land 2006 zwar im Kader standen, aber nicht zum Ein­satz kamen.
Ich habe meine Rolle in der Natio­nal­mann­schaft immer ver­standen und mich richtig ein­zu­ordnen gewusst. Und meis­tens war ich eher Ergän­zungs­spieler …

… der in den Quali-Spielen ran durfte, wenn die Europa-Legio­näre nicht anreisen wollten?
Wir haben mitt­ler­weile so viele tolle Spieler, die in groß­ar­tigen Ligen spielen, da ist es für mich ein­fach eine Ehre, über­haupt die Chance zu haben, Teil der Natio­nal­mann­schaft zu sein.

Das heißt also, Sie haben noch keinen Rekord für die Welt­meis­ter­schaft geplant?
(lacht) Nein! Außerdem bin ich mir relativ sicher, dass sich Ame­ri­ka­nisch Samoa nicht für Bra­si­lien qua­li­fi­zieren wird.