Bis zu 1.000 Fans des 1. FC Mag­de­burg sollen es gewesen sein, die am Mon­tag­nach­mittag zu einem Test­spiel ihres Ver­eins im eng­li­schen Bolton auf­schlugen und dabei für Stim­mung sorgten, wie man sie in dor­tigen Sta­dien nicht mehr oft zu hören bekommt. Dabei wurde das Spiel noch drei Tage vor Anpfiff abge­sagt – nur damit der FCM seinen Anhän­gern den Gefallen tun und außer­plan­mäßig anreisen konnte.

Rück­blende: In den ver­gan­genen Jahren war für die Mag­de­burger Fan­szene oft das Mat­thias-Pape-Gedächt­nis­tur­nier, kurz: der Pape-Cup, ein inter­na­tio­nales U15-Hal­len­tur­nier, das allei­nige Win­ter­pausen-High­light gewesen. Tau­sende Fans hatten beim Buden­zauber der Nach­wuchs­ki­cker mit ihren stimm­ge­wal­tigen Auf­tritten für Auf­sehen gesorgt. Seit 2017 ver­sagen sich die blau-weißen Anhänger aber diesem Spek­takel. Man wolle den Jugend­mann­schaften nicht die Show stehlen und fühle sich zu sehr in den Mit­tel­punkt gerückt, erklärte der Block U, die Dach­or­ga­ni­sa­tion der Mag­de­burger Ultras.

Hiobs­bot­schaft

In diesem Jahr sollte den Fans trotzdem Abwechs­lung in der tristen Win­ter­pause geboten werden. Mitte Oktober kün­digte der Club an, zur Rück­run­den­vor­be­rei­tung ins Kurz­trai­nings­lager nach Eng­land zu fahren und dabei zwei Test­spiele zu bestreiten. Am 7. Januar sollte es gegen den Dritt­li­gisten Fleet­wood Town gehen, trai­niert vom ehe­ma­ligen Mag­de­burger Uwe Rösler. Tags darauf war ein Spiel gegen Zweit­li­ga­ver­treter Bolton Wan­de­rers, rund 20 Kilo­meter nörd­lich von Man­chester, geplant. Fei­ertag für leid­ge­prüfte Club­fans! Hun­derte buchten sogleich Flüge und Unter­kunft – so schnell würde der Euro­pa­po­kal­sieger von 1974 und aktu­elle Tabel­len­führer der 3. Liga schließ­lich nicht mehr inter­na­tional spielen. Und damit begann eine regel­rechte Trai­nings­la­ge­ro­dyssee für den FCM und seine Anhänger.

Die Chro­no­logie der Ereig­nisse: Eine erste Hiobs­bot­schaft erreichte die Club­fans kurz vor dem Jah­res­wechsel. Auf­grund von Sicher­heits­be­denken wurde Test­kick Nummer Eins gegen Fleet­wood abge­sagt. Nicht unschuldig sollen daran auch Fans von Han­nover 96 gewesen sein, die im ver­gan­genen August für den Abbruch des Freund­schafts­spiels ihres Teams gegen Burnley FC gesorgt hatten. Die bri­ti­sche Polizei, nicht gerade für ihre Zim­per­lich­keit bekannt, nahm die Mag­de­burger Anhänger kur­zer­hand in Kol­lek­tiv­haf­tung – ärger­lich, aber es blieb ja immerhin noch ein zweites Spiel gegen Bolton, das unter allen Umständen statt­finden sollte.

Nur der Glinker fährt mit dem Auto

Voller Vor­freude war auch Tor­wart Jan Glinker. Dieser wan­delt gewis­ser­maßen auf den Spuren der Arsenal-Legende Dennis Berg­kamp, soll heißen: er wei­gert sich beharr­lich, ein Flug­zeug zu betreten. Seit Jahren bildet er des­halb mit Ver­eins­zeug­wart Heiko Horner ein Duo, das dem Team vor­aus­reist. In der 3. Liga stellt das selten ein Pro­blem dar, inter­na­tional muss man da aber natür­lich schon früher los. Bereits am 4. Januar ging es für die beiden mit Auto und Fähre über den Ärmel­kanal, um recht­zeitig mit der Mann­schaft in Nord­eng­land ein­zu­treffen, die zwei Tage später am Samstag anreisen sollte.