Seite 2: Ein Berufseinsteiger ist verantwortlich für den Umbruch

Doch seit 2017 wirkt der Rekord­meister zuneh­mend unbe­holfen. Wäh­rend Borussia Dort­mund, der größte Liga­kon­kur­rent, heim­lich still und leise einen cle­veren Transfer nach dem anderen fix macht und sich all­mäh­lich zum Meis­ter­schafts­fa­vo­riten mau­sert, hört man beim FC Bayern von geschei­terten Ver­hand­lungen, von ver­dienten Spie­lern, denen öffent­lich ein Abgang nahe­ge­legt wird, von unzu­frie­denen Talenten, die nur darauf warten, den Verein zu ver­lassen, und von dem Streit zwi­schen U17-Trainer Miroslav Klose und Sali­ha­midzic. Zwi­schen­zeit­lich sorgte die Ernen­nung von Sebas­tian Hoeneß, Sohn von Dieter Hoeneß, als U23-Trainer bei den Fans für Unmut.

Opti­mis­ti­sche Bay­ern­fans, die noch zu Beginn der Trans­fer­pe­riode dachten, dass hinter der Hoeneß-Aus­sage im Winter mehr als nur simple Kraft­meierei, ja, ein aus­ge­klü­gelter Plan steckte, die dürften spä­tes­tens durch das Zurück­ru­dern von Uli Hoeneß anfang der Woche eines Bes­seren belehrt worden sein. Ich muss ehr­lich sagen, langsam geht mir das auf die Nerven, dass man sich nur noch über Käufe defi­niert. Wir haben gerade zwei Titel gewonnen und wir sollten jetzt erst mal alle feiern, sagte Hoeneß bei der Meis­ter­feier der Bayern-Bas­ket­baller. Doch schon der Transfer von Mats Hum­mels zu Borussia Dort­mund war ein Hin­weis auf diese Plan­lo­sig­keit. Der Ver­tei­diger, der maß­geb­lich dafür ver­ant­wort­lich war, dass der FC Bayern in der Rück­runde seine Defen­sive in Griff bekam und mit langen Pässen für einen beacht­li­chen Teil der Offen­sive zuständig war, wurde ver­kauft, nachdem man ihm angeb­lich mit­ge­teilt hatte, dass er kein Stamm­spieler sein würde, egal wie gut seine Vor­be­rei­tung laufen würde. Ein wei­teres internes Gespräch, das an die Öffent­lich­keit gelangte.

Das Hoffen auf eine alte Spe­zia­lität

Nach dem end­gül­tigen Abschied von Franck Ribery, Arjen Robben und auch anderen wich­tigen, erfah­renen Spie­lern wie Raf­inha und nun Hum­mels, steuert der FC Bayern bis­lang planlos durch die wich­tigste Trans­fer­pe­riode der jün­geren Geschichte, bei der einen großen Teil Ver­ant­wor­tung ein Berufs­ein­steiger auf dem Posten des Sport­di­rek­tors trägt. Vor zwei Jahren war klar, dass genau zu diesem Zeit­punkt der end­gül­tige Umbruch der erfolg­reichsten Bay­ern­mann­schaft aller Zeiten anstehen würde, einer Mann­schaft, die dem Lebens­werk von Hoeneß und Rum­me­nigge die Krone auf­setzte. Ob sie diesen Umbruch noch gut hin­be­kommen ist der­zeit frag­lich. 

Am 8. Juli startet der FC Bayern seine Vor­be­rei­tung, am 3. August hat er sein erstes Pflicht­spiel – der Supercup gegen Borussia Dort­mund. Ob bis dahin der Kader schon steht ist mehr als frag­lich. Vier Trans­fers hatte Niko Kovac zuletzt gefor­dert. Keine leichte Auf­gabe, beson­ders wenn die Kon­kur­renz weiß, dass man unter Druck steht und die Preise dadurch steigen. Wie es aus­sieht, müssen sich die Münchner auf eine alte Fähig­keit ver­lassen, die sie in der Ver­gan­gen­heit immer wieder unter Beweis gestellt haben: Die Kunst des Last-Minute-Trans­fers. Arjen Robben, Mark van Bommel, Arturo Vidal, Thiago, Javi Mar­tínez – sie alle kamen, als das Trans­fer­fenster schon lange offen stand. Und viel­leicht schaffen sie es ja doch, durch die uner­war­tete Lan­dung eines pro­mi­nenten Pas­sa­giers am Flug­hafen Franz-Josef-Strauß die Presse und die Bayern-Anhänger in Auf­re­gung zu ver­setzen. Für alle, die es mit dem FC Bayern halten, gibt es in der Zwi­schen­zeit zumin­dest eine gute Nach­richt: Klose bleibt wei­terhin Trainer der U17. End­lich ein biss­chen Har­monie an der Isar.