Mister Sumner, kennen Sie den offi­zi­ellen EM-Song End­less Summer von Oceana?
BER­NARD SUMNER: Nein, habe ich noch nie gehört. Klingt irgendwie nach Teenie-Urlaubs­romanze. Wissen Sie, wel­chen Fuß­ball­song ich wirk­lich gerne mag: Back home (WM-Song der eng­li­schen Natio­nal­mann­schaft von 1970, d. Red.).

(Sumner fängt an zu singen): Back home, they’ll be thin­king about us. When we are far away. Back home, they’ll be really behind us. In every game we play.

Früher waren solche extra für die Natio­nal­mann­schaft ein­ge­spielten Songs ziem­lich populär.
STE­PHEN MORRIS: Sie waren teil­weise aber auch grau­en­voll (lacht).

SUMNER: Es geht dabei ja auch nicht um die Musik, son­dern um Fuß­ball. So ein Song soll die eigenen Jungs moti­vieren. Mehr nicht.

Für die WM 1990 in Ita­lien haben New Order World in Motion zusammen mit den eng­li­schen Spie­lern auf­ge­nommen.
MORRIS: Ich glaube, das haben wir ziem­lich gut hin­be­kommen. Dabei wollten die Spieler das eigent­lich gar nicht machen. Die fanden solche Fuß­ball­songs ein­fach nur scheiße und wollten damit nichts zu tun haben. Doch dann müssen sie irgendwie erpresst worden sein und haben es doch getan.

SUMNER: Ich kann mich erin­nern, als ich damals zur Auf­nahme ins Studio nach London kam. In der Nacht zuvor hatte ich einen Auf­tritt in Man­chester und war noch ziem­lich neben der Kappe. Ich musste mich lau­fend über­geben. Aber ich erin­nere mich noch daran, wie die Spieler plötz­lich mit Cham­pa­gner­fla­schen auf­tauchten. Paul Gas­coigne war natür­lich ganz vorn dabei.

Wieso hat er den berühmten Rap in World in Motion damals eigent­lich nicht gesungen?
SUMNER: Er wollte ja, einige andere auch. Wir haben sogar noch Auf­nahmen von den Proben damals. Mit John Barnes haben wir dann aber den Rich­tigen aus­ge­wählt. Er war wirk­lich ein cooler Typ.

MORRIS: Barnes hat richtig Spaß daran gefunden und wollte nach seiner Kar­riere sogar Pop­star werden. Das hat dann aber irgendwie nicht geklappt.

SUMNER: Gazza hat ja später auch noch gesungen. Fog of a Tyne, glaube ich. Nicht mal ich als Eng­länder hab da irgendwas ver­standen.

Das offi­zi­elle deut­sche WM-Lied 1990 kam von Udo Jür­gens, der zusammen mit den Spie­lern sang: Wir sind schon auf dem Brenner.

(Fass­ung­loses Gelächter der Band nach der Über­set­zung)

MORRIS: Schott­land hat zur WM 1978 diesen Song gemacht (singt Allys Tartan Army von Ally McLeod an): We’re on the march wi‘ Ally’s Army, We’re going tae the Argen­tine, And we’ll really shake them up, When we win the World Cup. Aber dann sind sie gleich in der ersten Runde aus­ge­schieden und haben statt­dessen Don’t cry for me Argen­tina gesungen.

(Alle lachen)

Gibt es den ulti­ma­tiven Fuß­ball-Song?
(Ange­strengtes Nach­denken)

SUMNER: Für mich ist es Back home (siehe oben, d. Red.)

Was ist mit Three Lions von The Light­ning Seeds zur EM 1996?
(All­ge­meine Zustim­mung)

GIL­LIAN GIL­BERT: Ja, Three Lions ist wirk­lich gut.

SUMNER: Bei dem Song muss ich immer lachen über die Text­zeile (singt): …30 years of hurt…, weil sie das ange­passt haben. Später hieß es dann 40 years of hurt und jetzt sind es bald 50.

Wird das Leiden für Eng­land viel­leicht bei dieser EM eine Ende haben?
MORRIS: Hof­fent­lich. Bisher haben sie die Erwar­tungen über­troffen. Trotz neuem Trainer. Sie haben groß­ar­tige Tore geschossen.

TOM CHAPMAN: Dieser Absatz­kick von Danny Wel­beck war wirk­lich fan­tas­tisch. Auch gegen die Ukraine waren sie stark.

Aber da war diese Szene mit dem nicht gege­benen Tor der Ukrainer…
SUMNER: Der Ball war nicht hinter der Linie. Das wurde wis­sen­schaft­lich nach­ge­wiesen.

MORRIS: Immer wenn so etwas pas­siert, wird über tech­ni­sche Hilfs­mittel debat­tiert. Aber die werden dann doch nie ein­ge­führt. Irgend­je­mand muss ein Inter­esse daran haben, dass alles so bleibt, wie es ist. Sogar in Wim­bledon haben sie inzwi­schen das Hawk-Eye.

Deutsch­land hatte 1966 in Wem­bley mit so einer Ent­schei­dung ja auch mal Pech…
CHAPMAN: Dafür haben sie dann 2010 das Tor von Frank Lam­pard gegen Deutsch­land nicht gegeben. Das hat den Spiel­ver­lauf kom­plett ver­än­dert.

Im Halb­fi­nale könnte es wieder gegen Deutsch­land gehen…
(Kol­lek­tives Oh no, no“)

PHIL CUN­NINGHAM: Deutsch­land ist richtig gut zur­zeit. Eigent­lich ist Deutsch­land immer richtig gut.

CHAPMAN: Ihr habt doch diesen großen Typen da vorne im Sturm, der all die Tore geschossen hat…

…Mario Gomez…
CHAPMAN …ja, genau. Auf den muss man richtig auf­passen.

Dafür hat Eng­land Wayne Rooney.
MORRIS (ernst): Ich glaube, Rooney ist sehr tief­gründig, in ihm schlum­mert ein miss­ver­stan­dener Phi­lo­soph.

(Betre­tenes Schweigen. Plötz­lich platzt es aus Sumner heraus)

SUMNER: GO-MEZ? Das klingt aber gar nicht Deutsch.

Er hat einen spa­ni­schen Vater.
SUMNER (immer noch ent­rüstet): Wie kann er da für Deutsch­land spielen? Dann könnten wir ja auch mit den ganzen Jungs aus Wales oder Schott­land antreten. Dann würden wir richtig weit kommen. (Pause). Aber das wäre natür­lich auch irgendwie ein großer Nach­teil für alle anderen Mann­schaften.

MORRIS: Des­wegen machen wir das ja auch nicht, weil wir Sports­männer sind und anderen Län­dern auch eine Chance lassen wollen.

Franz Becken­bauer hat 1990 nach dem WM-Titel für Deutsch­land mal was Ähn­li­ches gesagt. Wenn jetzt nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung dem­nächst auch noch all die Fuß­baller aus dem Osten dazu­kommen, dann wird Deutsch­land auf Jahre hinaus unschlagbar sein.

SUMNER: Und? Wart ihr unschlagbar?

Natür­lich nicht.
(Gelächter)

Im EM-Vier­tel­fi­nale trifft Eng­land am Sonntag auf Ita­lien…
CHAPMAN: Die sind gut, das wird ein schweres Spiel.

MORRIS: Mit New Order sind wir in den 80ern einmal durch Ita­lien getourt. Das war richtig cool. (Weh­mütig): Leider bin ich danach nie wieder in Ita­lien gewesen.

SUMNER: War das nicht die Tour, wo unser frü­herer Manager Rob Gretton unsere Gage aus dem Land schmug­geln musste? Oder war das Grie­chen­land?

MORRIS: Ich glaube, es war Grie­chen­land.