Viktor Skripnik, Sie müssen heute zum Auf­takt als Außen­seiter beim FC Bayern antreten. Denken Sie nicht weh­mütig an Ihre aktive Spiel­er­zeit zurück, als Werder die Bayern noch regel­mäßig ärgern konnte?
Der Fuß­ball hat sich wei­ter­ent­wi­ckelt. Sport­lich und auch wirt­schaft­lich. Der Spruch, Geld schießt keine Tore, das ist vorbei. Aber ich habe kein Pro­blem damit, dass ist alles legitim. Carlo Ance­lotti hat mit seinem Kader genau den glei­chen Druck wie jeder andere Trainer. Nur die Erwar­tungen sind andere.

Denken Sie das wirk­lich? Sie gelten nach dem Poka­laus beim Dritt­li­gisten Lotte als einer der ersten Bun­des­liga-Trainer, die diese Saison für eine Ent­las­sung infrage kommen.
Als Trainer darf man das nicht zu sehr an sich her­an­lassen. Das Geschäft funk­tio­niert nun mal so. Selbst Pep Guar­diola stand immer wieder in der Kritik – nach drei Meis­ter­schaften in drei Jahren.

Ist es tat­säch­lich so ein­fach, alles abzu­schüt­teln?
Nein, aber es hilft, authen­tisch zu bleiben… Wenn du merkst, dir gefällt etwas nicht, musst du das sagen. Ich bin auch emo­tional. Von außen sieht es bei mir meist ruhig aus, aber in mir brennt es.

Wie gehen Sie mit der Kritik an Ihnen per­sön­lich um?
Mit sach­li­cher Kritik bin ich bereit, mich aus­ein­an­der­zu­setzen. Das bringt jeden weiter. Aber direkt nach dem Spiel, da wird oft alles schwarz oder weiß gesehen. Das ist mir zu ein­fach.

Ver­gan­gene Saison steckten Sie mit Werder fast 34 Spiel­tage lang im Abstiegs­kampf. Wie hoch ist da die men­tale Belas­tung als Trainer?
Das kommt darauf an, wie man mit der Situa­tion umgeht. Wenn man anfängt, hek­tisch zu werden und gegen die eigent­li­chen Über­zeu­gungen ent­scheidet, ist ein kri­ti­scher Punkt erreicht. Gerade in schwie­rigen Momenten muss man einen kühlen Kopf bewahren. Sach­lich bleiben. Tat­säch­lich sind es oft nur kleine Dinge, die man kor­ri­gieren muss und nicht gleich alles infrage stellen.