Seite 2: Erinnerungen an Viktor Skripnik

Schließ­lich könnte man fast meinen, die jet­zige Situa­tion ist Teil der immer glei­chen Ent­wick­lung in der großen und viel­zi­tierten Wer­der­fa­milie. Ein Übungs­leiter mit Stall­ge­ruch“, also ein Trainer der schon lange im Verein tätig und im besten Fall früher selbst mal als Spieler bei Werder aktiv war, über­nimmt eine aus­ein­an­der­fal­lende Truppe. Euphorie kommt auf und in der Anschluss­saison wird die Europa League nur knapp ver­fehlt. Danach folgt der Ein­bruch, ein neuer ver­eins­in­terner Trainer muss her und der Kreis­lauf startet von vorne. So war es unter Viktor Skripnik, so blieb es bei Alex­ander Nouri und so ent­wi­ckelte es sich im Laufe dieser Hin­runde auch mit Flo­rian Koh­feldt.

Nun weiter am lieb­ge­wor­denen Übungs­leiter fest­zu­halten, um diesen im abso­luten Not­fall nur durch den nächsten U23-Coach zu ersetzen, könnte also wie ein wei­teres Befeuern dieser kon­stanten Mis­s­ent­wick­lung ver­standen werden. Hätte Bremen wie manch anderer Klub beim ersten Anzei­chen einer ver­stärkten Krise reagiert und einen Aus­hilfs­trainer à la Markus Gisdol, Bruno Lab­badia oder Mirko Slomka ver­pflichtet – ver­mut­lich wäre Werder jetzt bereits (ergeb­nis­tech­nisch) im Auf­wärts­trend und würde sich zum Sai­son­ende zwi­schen Platz 9 und 13 ein­pen­deln.

Werder hat wieder ein Profil

Das ist aber nicht der Fall. Flo­rian Koh­feldts Ver­trag wurde noch vor der Saison bis zum Jahr 2023 ver­län­gert und selbst nach der Klat­sche am Dienstag sprach Frank Bau­mann seinem Übungs­leiter eine wei­tere Job­ga­rantie aus. Selbst im Falle einer Nie­der­lage im von Bou­le­vard­me­dien hoch­ge­jazzten End­spiel“ in Köln werde Flo­rian Koh­feldt weiter im Amt bleiben. Da gibt es keine Dis­kus­sionen“, unter­strich der Sport­di­rektor seine Linie auch nach der deut­li­chen Nie­der­lage nach­drück­lich. Das Ver­trauen sei weiter gren­zenlos“.

Und damit tut die Bremer Füh­rung genau das Rich­tige. Denn obwohl die Aus­gangs­lage Par­al­lelen zu den vor­he­rigen Jahren auf­weist, hat Flo­rian Koh­feldt im Gegen­satz zu seinen Vor­gän­gern dem SVW wieder ein Profil gegeben. Nicht nur das eigene elo­quente Auf­treten, son­dern vor allem das durch ihn instal­lierte ball­ori­en­tierte und spiel­freu­dige System hat den Grün-Weißen inner­halb von zwei Jahren einen nach­hal­tigen Wie­der­erken­nungs­wert beschert. Spieler wie Davy Klaassen oder Maxi Egge­stein, die in Nor­mal­form auch für deut­lich stär­kere Ver­eine auf­laufen könnten, wurden nicht durch die Aus­sicht auf über-die-Zeit-geret­tete Unent­schieden geholt und gehalten. Sie wurden durch das Selbst­ver­ständnis über­zeugt, stets aktiv auf Sieg zu spielen.