Drei Dinge im Leben sind sicher: der Tod, Steuern und die Gewiss­heit, dass Werder Bremen nicht zu früh und über­hastet seine Übungs­leiter ent­lässt. So oder so ähn­lich for­mu­lierte es einst Ben­jamin Fran­klin, und auf genau diese Maxime hoffen der­zeit auch viele Anhänger an der Weser.

Denn worauf soll man als Werder-Fan dieser Tage sonst seine Hoff­nung stützen? Nach den vielen und hohen Nie­der­lagen der ver­gan­genen Wochen, den ver­lo­renen Par­tien, in denen Werder nicht einmal mehr spie­le­risch über­legen war, son­dern durch völlig ori­en­tie­rungs­loses Auf­treten auch ver­dient zuhause gegen Teams wie Pader­born oder Mainz verlor, bleibt wenig Posi­tives. Wäh­rend es zu Sai­son­be­ginn noch so wirkte, als schenkte Werder aus reinem Pech rei­hen­weise Ergeb­nisse her und sei tat­säch­lich in der Lage, gegen min­des­tens zwei Drittel der Liga fuß­bal­le­risch auf Augen­höhe zu agieren, ist diese Moment­auf­nahme nach 16 Spiel­tagen passé: Nicht einmal gegen ver­meint­liche Abstiegs­kan­di­daten sind die Grün-Weißen mehr in der Lage, eine klare Spiel­phi­lo­so­phie umzu­setzen. Eine ohnehin schon anfäl­lige Abwehr ver­tei­digt inzwi­schen völlig kör­perlos und die seit Beginn der Spiel­zeit chro­ni­sche Stan­dard­schwäche hat sich eher ver­schlim­mert denn ver­bes­sert.

Fin Bar­tels ist ein schwa­cher Trost

Die Stim­mung ist am Tief­punkt an der Weser. Beim Halb­zeit­stand von 0:4 gab es am Diens­tag­abend Pfiffe, Hohn und Spott von vielen Zuschauern. Manch einer belei­digte jeden Spieler auf und neben dem Platz, wieder andere stimmten iro­ni­sche Euro­pa­pokal-Gesänge an. Trotzdem sind große Teile der Anhän­ger­schaft weiter mit scheinbar simplen Maß­nahmen zu begeis­tern: Als Claudio Pizarro nach seiner obli­ga­to­ri­schen Ein­wech­se­lung den ver­meint­li­chen Ehren­treffer erzielte, schien im Weser­sta­dion tat­säch­lich kurz Hoff­nung auf­zu­keimen – und das, obwohl Mainz auch in dieser Phase der Partie drü­ckend über­legen und einem 8:0 deut­lich näher war als Werder dem 1:4.

Als dar­aufhin auch noch Fin Bar­tels für Michael Lang auf den Rasen geschickt wurde, ging tat­säch­lich ein kurzes Raunen durch die Ost­kurve. Die Publi­kums­lieb­linge ziehen immer noch, der Pizarro kann ja schließ­lich immer einen Vie­rer­pack schießen – so wirkt das teils naive, teils erschre­ckend rea­li­täts­ferne Nar­rativ bei großen Teilen der Anhän­ger­schaft. Wenn man in der 80. Minute mit 0:4 zurück­liegt, könnte selbst Lionel Messi ein­wech­selt werden und es würde (ver­mut­lich) nichts mehr nützen. Vor allem aber, so möchte man diesen Zuschauern zurufen: Wenn man in der 80. Minute als eigent­li­cher Europa-League-Aspi­rant zuhause gegen Mainz mit 0:4 (!) zurück­liegt, ist es doch egal, wer noch für zehn Minuten rein­kommt. Denn dann läuft etwas grund­le­gend falsch. Dann ist es Zeit, mal richtig aus­zu­flippen, den Trainer, die Mann­schaft, oder auch sich selbst von Herzen anzu­schreien und wach­zu­rüt­teln. Dieses stoi­sche Ver­drängen von offen­sicht­li­chen Pro­blemen hat Werder ja schließ­lich erst in dieses Dilemma gebracht. Oder?