Seit 2001 fand stets im Jahr vor einer Welt­meis­ter­schaft ein Vor­be­rei­tungs­tur­nier im Land des Gast­ge­bers statt: der Con­fe­de­ra­tions Cup. Die Gene­ral­probe vor der Groß­ver­an­stal­tung. Dass dieser Pokal 2017 mit Deutsch­land seinen aller­letzten Sieger gefunden hat, ist nicht allen bewusst. Denn den Confed Cup gibt es nicht mehr. Was auch kaum jemand weiß: Seit Ende November geht ein neu geschaf­fenes Tur­nier am Per­si­schen Golf über die Bühne: der FIFA Arab Cup.

16 Mann­schaften aus dem ara­bi­schen Raum treten in vier Gruppen gegen­ein­ander an. Gespielt wird in sechs der acht WM-Sta­dien. Das Tur­nier gilt als Fort­set­zung des Ara­bi­schen Natio­nen­po­kals, der bis 2012 neunmal statt­fand. Und als Ersatz für den Confed Cup. 

Das Bild, das das Tur­nier bis­lang abgibt, ist wenig über­ra­schend: nicht gut. Ver­schlim­mert wird das Bild des WM-Gast­ge­bers oben­drein durch eine neu auf­kei­mende Debatte über Homo­se­xua­lität.

Die Sta­dien-Stra­tegie

Das gesamte Vor­be­rei­tungs­tur­nier folgt einer genauen Stra­tegie. Es geht um Nation Bran­ding, sprich Image­ar­beit. Städte wie Doha prä­sen­tieren sich, ent­wi­ckeln ein Image und die Sta­dien sind Teil dieser Kam­pa­gnen. Sie sollen kul­tu­relle und (mehr oder weniger) his­to­ri­sche Bezüge zum Land schaffen.

Das al-Bayt-Sta­dion bei­spiels­weise sieht aus wie ein Bedui­nen­zelt und ist im Bau von noma­di­schen Stämmen aus Katar und der Golf­re­gion inspi­riert. So wird von Seiten des Emi­rats immer wieder eine Ver­bin­dung der Ver­gan­gen­heit mit der Gegen­wart betont. Die ein­deu­tige Bot­schaft: Katar hat Geschichte! Ziel des Ganzen ist es, Attrak­tionen für aus­län­di­sche Tou­risten zu erschaffen und sie so zu Sport­ver­an­stal­tungen zu locken. Ein­hei­mi­sche Kataris ver­irren sich näm­lich kaum zu Ver­an­stal­tungen dieser Art. Auch der Arab Cup zieht nicht.

Bereits vor der Pan­demie berich­tete die Zeit, dass nur 1.800 Fans beim ent­schei­denden Spiel der kata­ri­schen Meis­ter­schaft zugegen waren. Der Fuß­ball hat im Emirat keine breite Fan­basis. Aber wie soll es die auch geben? Von etwa 2,5 Mil­lionen Ein­woh­nern besitzen nur 300.000 die kata­ri­sche Staats­an­ge­hö­rig­keit. Der Groß­teil der Bevöl­ke­rung sind Arbeiter aus Ban­gla­desh, Indien, Tibet und Paki­stan.

Und so ging der Start des Arab Cup fast klamm­heim­lich über die Bühne. Bei der Deut­schen Welle hieß es: Am Tag der Tur­nier-Eröff­nung war von Fuß­ball­stim­mung nichts zu spüren. Keine Fans mit kata­ri­schen Tri­kots, Fahnen oder Schals waren aus­zu­ma­chen. Es standen auch keine Fern­seher zum Public Viewing bereit.“

Eklat bei beIN-Sports

Mehr Schlag­zeilen lie­fert da schon die zeit­gleich wieder auf­kei­mende Debatte um den Umgang mit der LGBTQ-Com­mu­nity. Im Mit­tel­punkt steht Mohamed Abou­trika, ein ehe­ma­liger ägyp­ti­scher Natio­nal­spieler und heute einer der bekann­testen Sport­kom­men­ta­toren Katars. 

In einem gut zwei­mi­nü­tigen Monolog beschwerte sich Abou­trika bei dem Sender beIN Sports, der in Doha sitzt, über die Regen­bogen-Schnür­senkel-Kam­pagne der Pre­mier League und rief mus­li­mi­sche Spieler dazu auf, die Aktion zu boy­kot­tieren. Mit der Rainbow-Laces-Kam­pagne“ sollte in Eng­land ein Zei­chen gegen Homo­phobie gesetzt werden – auch der Muslim und Lands­mann Abou­trikas Mohamed Salah vom FC Liver­pool betei­ligte sich an der Aktion.

Mohamed Abou­trika bezeich­nete Homo­se­xua­lität als ein Phä­nomen, das gegen die mensch­liche Natur“ sei. Der Sender beIN ließ den 43-Jäh­rigen mit seiner Rede gewähren. Homo­se­xua­lität sei mit dem Islam nicht ver­einbar, sagte er. Viel­mehr sei es eine gefähr­liche Ideo­logie, die immer schlimmer wird, weil sich die Men­schen nicht mehr dafür schämen.“

Unter Todes­strafe

Auf Homo­se­xua­lität steht in Katar eine sie­ben­jäh­rige Gefäng­nis­strafe und sogar die Ver­hän­gung einer Todes­strafe ist nach isla­mi­schen Recht mög­lich. Der Geschäfts­führer von Qatar 2022, Nasser al-Khater, sagte kürz­lich bei CNN, dass Mit­glieder der LGBTQ-Gemein­schaft bei der WM will­kommen seien. Eine öffent­liche Zur­schau­stel­lung von Zunei­gung“ werde es aller­dings nicht geben.

Mohammed Jaham al-Kuwari, der neue kata­ri­sche Bot­schafter in der Schweiz, erklärte, die sexu­elle Ori­en­tie­rung werde zwar nicht geprüft, man muss sich jedoch an die Regeln halten“. Und außerdem: Auch in demo­kra­ti­schen Län­dern in Europa ist nicht alles akzep­tiert. Wenn Sie als Homo­se­xu­eller nach Ungarn gehen und sich auf der Straße küssen, was würde dann pas­sieren?“ Dass al-Kuwari diesen Ver­gleich zur Rela­ti­vie­rung her­an­zieht, sagt alles über das Welt­bild dieser Nation aus. Der Arab Cup gibt schon ein schräges Bild ab. Der Blick­winkel des Staates jedoch ist voll­kommen abschüssig.