Eigent­lich hätte es KAA Gent gar nicht mehr geben dürfen. 1999 hatte der Klub aus der zweit­größten Stadt Bel­giens umge­rechnet 23 Mil­lionen Euro Schulden. Bei einem Jah­res­um­satz von etwa sechs Mil­lionen Euro eine unge­heure Summe. Der Verein war de facto pleite.

Doppel-A-Gent

Heute spielte das Doppel-A-Gent in der Cham­pions League-Grup­pen­phase gegen den unge­schla­genen Tabel­len­führer Zenit St. Peters­burg. Gent reicht ein Sieg gegen Zenit oder eine gleich­zei­tige Nie­der­lage Valen­cias gegen Olym­pique Lyon, um ins Ach­tel­fi­nale ein­zu­ziehen. Mög­lich wäre auch, dass dar­über die große Rech­nerei ent­scheiden muss. 

Wie auch immer: 16 Jahre nach der Bei­nahe-Pleite hat KAA Gent die große Mög­lich­keit, in die Runde der besten 16 Mann­schaften Europas ein­zu­ziehen. Wie konnte das nur pas­sieren?

Der Erfolg der Bel­gier hat zwei Namen. Da ist Prä­si­dent Ivan de Witte, Jahr­gang 1947, ein Unter­nehmer, der seit den neun­ziger Jahren in ver­schie­denen Funk­tionen für KAA arbeitet. Der Mann mit dem klo­bigen Gesicht und dem weißen Haar­kranz schaffte es in mühe­voller Klein­ar­beit, den rie­sigen Schul­den­berg nach und nach zu ver­klei­nern.

Phönix aus der Asche

Im Juli 2015 erzählte er davon im 11FREUNDE-Inter­view: Wir haben den Klub mit Hilfe der Bank, die auch unser Sponsor ist, saniert. Wir konnten das Sta­dion an die Stadt ver­kaufen und einige Spieler mit Gewinn trans­fe­rieren. Im Sommer 2013 waren wir schul­den­frei.“ Zeit­gleich bezog der Klub seine neue Heim­stätte, die Ghel­amco Arena, Bel­giens modernstes Sta­dion. Phönix war mal wieder der Asche ent­stiegen.

Sport­lich“, hat de Witte im Inter­view gesagt, ist unser Trainer Hein Van­ha­e­zeb­rouck der Faktor Nummer eins.“ Der zweite Vater des gegen­wär­tigen Erfolgs. Van­ha­e­zeb­rouck, ein 1,89 Meter großer Klei­der­schrank mit Amboss-Optik, der als Spieler zwi­schen zweiter und erster Liga pen­delte, ver­diente sich seine Sporen als Trainer beim KV Kor­trijk. Ein kleiner Verein, den Van­ha­e­zeb­rouck 2006 über­nahm und zwei Jahre später in die erste Liga führte. 2009 ver­suchte er sich kurz beim deut­lich grö­ßeren KRC Genk, schei­terte aber und arbei­tete nach dem ein­jäh­rigen Inter­mezzo bis 2014 erneut für Kor­trijk.

Von 800.000 auf 20 Mil­lionen

Seinen Ruf als exzel­lenten Tak­tiker und Trainer mit visio­närem Spiel­stil hatte er sich da längst erar­beitet. 2014 bot KAA Van­ha­e­zeb­rouck den nächsten Kar­rie­re­schritt an. Der wil­ligte ein und brachte gleich vier Spieler mit, die einst unter ihm in Kor­trijk gear­beitet hatten. Rami Gershon, einen kan­tigen Innen­ver­tei­diger, den umsich­tigen Mit­tel­feld­lenker Sven Kums, sowie die Offen­siven Benito Raman und Brecht Deja­e­gere. Dazu den bis dato unbe­kannten Lau­rent Depoitre, einen 1,91 Meter großen Stürmer, sowie in der Win­ter­pause Moses Simon.

Für den damals 19-jäh­rigen Nige­rianer zahlte Gent 800.000 Euro an den slo­wa­ki­schen Klub AS Trencin – wenige Monate später taxierte Gents Sport­di­rektor seinen Markt­wert auf 20 Mil­lionen Euro. Was viel zu hoch sein mag, aber ein gutes Bei­spiel für das Trans­fer­ge­schick von Hein Van­ha­e­zeb­rouck ist. Alle genannten Ein­käufe spielen auch heute noch eine wich­tige Rolle in Van­ha­e­zeb­roucks Kader.