Joa­chim Hopp, am 18. Februar 1994…
Joa­chim Hopp: …ja, Frei­tag­abend, 19.30 Uhr, Flut­licht­spiel. Ich kann mich noch daran erin­nern, als wäre es ges­tern gewesen, bin erst vor kurzem wieder zwei Mal in Duis­burg darauf ange­spro­chen worden. Wir haben gegen Werder Bremen 1:0 gewonnen und sind an die Tabel­len­spitze gestürmt.

Was ging nach Spiel­schluss in der Stadt ab?
Joa­chim Hopp: Ich fuhr mit Peter Közle mit dem Auto nach Hause. Wir haben damals zusammen in Duis­burg-Beeck gewohnt. Als wir an einer roten Kreu­zung hielten, stand neben uns eine Stra­ßen­bahn voller Fans. Als die uns erkannt haben, hätten die bei­nahe die Stra­ßen­bahn umge­worfen. Es war eine Stim­mung in der Stadt – phä­no­menal!

Der MSV Duis­burg auf Platz eins der Bun­des­liga. Und das mit einem nega­tiven Tor­ver­hältnis.
Joa­chim Hopp: Das war ver­rückt, das hatte es bis dahin auch noch nicht gegeben. Wir haben dar­über auch noch drei, vier Tage nach dem Spiel unsere Sprüche gemacht.

Sie standen einen Punkt vor dem FC Bayern Mün­chen, der 19 Treffer im Plus lag. Wie erklären Sie sich das?

Joa­chim Hopp: Unsere Spiel­weise war damals defensiv aus­ge­richtet. Wir haben nicht viele Tore geschossen. Es waren immer sehr knappe Spiele, die oft in der Schluss­phase ent­schieden wurden. Auch gegen Bremen hat Peter Közle das 1:0 erst eine Vier­tel­stunde vor Schluss erzielt. Oft ging es gut. Aber es gab eben auch die Spiele, in denen wir richtig auf den Sack bekommen haben, zum Bei­spiel beim 1:7 gegen den 1. FC Kai­sers­lau­tern am 30. Spieltag.

Nach dem Sieg gegen Werder Bremen sagte Tor­hüter Jürgen Roll­mann: Ich hätte nichts dagegen, wenn wir Meister werden und keiner bekommt es mit.“ War der Titel plötz­lich das Ziel?
Joa­chim Hopp: (lacht) Nein, nein. Jürgen hatte einen tro­ckenen Humor. Er hat diese Zeit genauso genossen wie jeder von uns. Wir haben damit über­haupt nicht gerechnet. Das Ziel war wirk­lich wei­terhin der Klas­sen­er­halt.

Eine Woche später gas­tierten sie bei den Bayern. Schon zur Pause hatte der End­stand Bestand – 0:4 aus MSV-Sicht. Was lief schief?
Joa­chim Hopp: Das war ein ganz kurioses Spiel. Im Ruhr­ge­biet war es die Woche über arsch­kalt gewesen. Und in Mün­chen herrschte Föhn. Warme Luft, 20 Grad, richtig schwül. Dazu kam, dass Franz Becken­bauer die Bayern kurz­fristig über­nommen und Erich Rib­beck abge­löst hatte. Die waren moti­viert. Wir fuhren den­noch mit richtig breiter Brust nach Mün­chen, wollten dem Spiel unseren Stempel auf­drü­cken. Dann sind wir raus aus der Kabine, die warme Luft kam uns ent­gegen, wir haben Pud­ding in die Beine bekommen und sind richtig auf die Schnauze gefallen. Uner­klär­lich. Ich hatte auch nicht den aller­besten Tag. Mein Gegen­spieler war Adolfo Valencia, der das 4:0 schoss.

Hört sich so an, als hätten Sie ihre eigent­liche Aus­rich­tung, defensiv zu stehen und auf ein spätes Tor zu warten, für dieses Spiel über den Haufen geworfen.
Joa­chim Hopp: Wir wollten bestimmt nicht arro­gant auf­treten in Mün­chen. Aber unser Ziel war es, sich nicht zu ver­ste­cken. Bayern hat uns dann in der ersten Halb­zeit eis­kalt aus­ge­kon­tert. Wenn wir etwas defen­siver gespielt hätten, wäre es viel­leicht anders aus­ge­gangen.

Danach ging es bergab, der MSV fiel in der Tabelle bis zum Sai­son­ende auf Platz neun zurück, das Tor­ver­hältnis lau­tete letzt­lich 41:52. Mit zwei Zäh­lern Rück­stand auf den fünften Platz, der in den Uefa-Cup geführt hätte. Eine ver­tane Chance?
Joa­chim Hopp: Wir hatten alle Spaß an der Tabel­len­spitze, wussten das aber ein­zu­ordnen. Ein Platz unter den ersten Zehn war irgend­wann gegen Sai­son­ende unser Ziel. Das haben wir erreicht und auch gefeiert. Und ein paar Jahre später haben wir uns über die Bun­des­liga ja immerhin auch nochmal für den UI-Cup qua­li­fi­ziert und gegen den AJ Auxerre gespielt. (Der MSV schied gegen Auxerre nach einem 0:0 zu Hause und einem 0:2 aus­wärts aus, d. Red.)

Han­nover 96 hat das Duis­burger Modell kopiert. Die 96er stand in der Vor­saison nach 22 Spiel­tagen auf Platz vier, der­zeit sind sie Fünfter, jeweils mit einem nega­tiven Tor­ver­hältnis. Haben Sie noch einen Tipp für die Han­no­ve­raner?
Joa­chim Hopp: Nein. Ich sehe ja viele Spiele von Han­nover in der Europa League. Mirko Slomka ist jetzt zwei Jahre da und seitdem ist dort etwas zusam­men­ge­wachsen. Das geht natür­lich nur, wenn im Verein Ruhe herrscht. Aber ich glaube nicht, dass Han­nover in der Defen­sive so anfällig ist wie wir es damals in einigen Spielen waren.