Martin Stranzl, wegen einer leichten Ver­let­zung können Sie beim Pokal­spiel gegen St. Pauli nicht mittun. Sind Sie viel­leicht sogar ein wenig erleich­tert des­wegen?
Quatsch, wieso das denn?

Weil sich Glad­bach in den letzten Jahren gegen klei­nere Gegner immer mal wieder schwer getan hat. Vor zwei Jahren gegen Darm­stadt flogen Sie in der ersten Runde raus.
Die Zweit- und Dritt­li­gisten fangen früher mit der Saison an und haben immer schon zwei, drei Pflicht­spiele bestritten. Das kann schon mal schwierig werden, wenn man selber gerade aus der Vor­be­rei­tung kommt. Aber letztes Jahr hat es eigent­lich ganz gut geklappt, wir kamen bis ins Vier­tel­fi­nale.

Gibt es denn im durch­kom­mer­zia­li­sierten, modernen Fuß­ball noch so etwas wie ein spe­zi­elles Pokal-Fee­ling?
Das geht mitt­ler­weile leider ein wenig unter. Die Stim­mung in den Sta­dien ist zwar meist immer noch toll, aber einen rich­tigen Unter­schied zu anderen Spielen merkt man nicht mehr. Heut­zu­tage gibt es ja jeden Tag ein Live­spiel im Fern­sehen. Bun­des­liga, Zweite Liga, dann Europa und Cham­pions League. Das war früher anders, wes­wegen so ein Pokal­spiel auch mehr Bedeu­tung hatte. Wobei man gerade bei Spielen gegen ver­meint­liche Under­dogs schon merkt, dass das Publikum ein wenig mehr mit­fie­bert als sonst und die Spieler anders zur Sache gehen als im Ligaalltag.

Dres­dens Dennis Erd­mann ver­suchte letztes Jahr, Dort­munds Ciro Immo­bile mit Trash Talk aus dem Kon­zept zu bringen. Ist Ihnen das bei einem Underdog auch schon pas­siert?
Nein, eigent­lich herrscht auf dem Platz immer ein gewisser Respekt. Als ich jung war, gab es mal die ein oder andere Aus­ein­an­der­set­zung, aber das hat sich gelegt. Gegen unter­klas­sige Gegner darf man sich auch nicht auf so etwas ein­lassen. Meist stellt sich der Underdog hinten rein, kämpft und ackert und wartet auf seine Chance durch Stan­dards oder Konter. Als Pro­fi­mann­schaft muss man dann cool bleiben und abwarten, bis der Gegner irgend­wann kon­di­tio­nell nicht mehr mit­halten kann. Und dann schlägt man zu.

Und die Mär von den kalten Duschen, wenn man als Profi im Pokal bei einem kleinen Klub antritt?
Bisher haben die Duschen glück­li­cher­weise immer funk­tio­niert. Aber klar, auch ich habe mich schon auf Holz­bänken umge­zogen, wenn der Gegner eben nur ein kleines Sta­dion hat. Aber Profi hin oder her, so etwas stört einen ja nicht.

Ist Ihnen der Pokal eigent­lich wich­tiger als die Liga?
Wie kommen Sie darauf?

Den DFB-Pokal zu gewinnen dürfte ein­fa­cher sein, als Meister zu werden. Sie warten noch auf Ihren ersten Titel.
Das sehe ich anders. In der Liga hat man ein ganzes Jahr Zeit und kann auch mal eine Schwä­che­pe­riode haben. Wenn man sich die im Pokal leistet, ist man raus und darf wieder ein Jahr warten. Ich will in allen Wett­be­werben mög­lichst viel errei­chen, mein Fokus liegt aber ganz klar auf der Liga. Denn dar­über können wir uns für die Cham­pions League qua­li­fi­zieren.