Seite 4: Dudeks „Mutter aller Paraden“

Es kam alles anders. Wir spielten mit einem Mal sicherer und machten vorne end­lich die Dinger, Steven Ger­rard, Vla­dimir Smicer und Xabi Alonso drehten das Spiel in sechs Minuten. Man hätte annehmen können, dass die drei Treffer Milan das Genick bre­chen würden. Doch so war es nicht: Wäh­rend wir uns aus­ge­laugt über den Platz schleppten, hatten die Ita­liener Chancen im Über­fluss. Andrej Schewt­schenko wun­dert sich ver­mut­lich heute noch, wie Dudek seinen Kopf­ball und den Nach­schuss in der 117. Minute aus zwei Metern halten konnte. Die Mutter aller Paraden.

Elf­me­ter­schießen. Drin! Erleich­te­rung!

Dann das Elf­me­ter­schießen, ich war unser erster Schütze. Vor mir türmte sich dieser Riese Dida auf, 70 000 Augen­paare im Sta­dion, Mil­lionen vor dem Fern­seher, jetzt bloß nicht irri­tieren lassen. Ich wollte auf eine Bewe­gung von ihm warten und ihn dann ver­laden. Doch der Mann rührte sich nicht – also ab in die linke Ecke. Drin! Erleich­te­rung! Danach lief alles wie in Trance. Bei uns trafen noch Smicer und Cissé, Dudek hielt zwei Elfer – wir waren Cham­pions-League-Sieger.

Der größte Tri­umph, und wir waren sprachlos. Einige Spieler lächelten, doch sie waren zu erschöpft, um zu jubeln. Was war das denn?“, fragte Steven Ger­rard. Auch ich hing in den Seilen, dabei hatte ich 45 Minuten weniger gespielt. Ich lehnte mich an eine Wand im Dusch­raum und rauchte eine Ziga­rette. Langsam ver­stand ich.

Was mir Cam­pino sagte

Zurück in Liver­pool säumten die Fans unseren Weg, sie hingen an den Fens­tern oder ließen ihre Beine von den Dächern bau­meln. Ich konnte kaum hin­schauen, ohne dass mir schwin­delig wurde. Eine ganze Stadt in Rot. Mein Freund Cam­pino sagte später, die Ankunft habe der Heim­kehr der Beatles nach ihrer ersten US-Tour gegli­chen. Ich weiß nicht, wie die Heim­kehr der Fab Four war, ich dachte nur: So fühlt sich also Glück an.

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