Seite 2: Kündigung wegen BVB-Fahne

6.
Auch Leh­mann spielte mal auf Schalke und gewann als einer der Euro­fighter“ 1997 den UEFA-Cup. Im Dezember 1997 standen sich dann UEFA-Cup-Sieger Schalke und Cham­pions-League-Gewinner Dort­mund im Derby gegen­über. Als wäre das noch nicht genug Spek­takel, musste Leh­mann noch einen drauf­setzen. 34 Bun­des­li­ga­sai­sons waren gespielt, fast 33.000 Tore gefallen. Und dann machte Leh­mann aus­ge­rechnet im Derby Sekunden vor Schluss per Kopf das erste Tor­wart-Tor aus dem Spiel heraus, ret­tete Schalke ein 2:2 und sagte anschlie­ßend: Irgendwie kam der Ball dahin. Ja und dann stand ich da.“ Das Kunst­stück konnten bis heute nur zwei Keeper nach­ma­chen. BVB-Chef Gerd Nie­baum war es egal: Da kommt so ein Weih­nachts­mann daher und bringt uns um den Erfolg“, wet­terte er in Anspie­lung auf den Schieds­rich­ter­as­sis­tenten, der fälsch­li­cher­weise auf Ecke für Schalke ent­schieden hatte. Frohes Fest.

7.
Die erste Meis­ter­schaft seit 49 Jahren zum Greifen nahe, Tabel­len­füh­rung, die Chance, am vor­letzten Spieltag beim Erz­ri­valen vor­zeitig Meister zu werden – und dann ver­lierst du mit 0:2 und der Titel geht flöten? So geschehen am 12. Mai 2007, als Dort­mund durch Tore von Alex Frei und Ebi Smo­larek nach nur einem Sieg aus den 18 vor­an­ge­gan­genen Derbys die Schalker Meis­ter­schaft ver­baute. In seinem letzten Spiel für den BVB und drei Jahre vor seinem Schalke-Wechsel berei­tete Chris­toph Met­zelder beide Tore vor. Mit Sebas­tian Kehl und Roman Wei­den­feller ließ er T‑Shirts dru­cken: Meister der Her­zens­bre­cher – zwei­zunull“. Die Dort­munder Fans char­terten ein Flug­zeug, dass ein Banner über Gel­sen­kir­chen zog: Ein Leben lang keine Schale in der Hand“. Kom­mentar eines BVB-Fans zum WDR: Da haben wir die ganze Saison drauf gewartet, dass wir die Schalker mal ordent­lich schrubben können. Hat geklappt. Hat mich gefreut. Schöner Der­by­sieg, Schalke in die Meis­ter­suppe gepisst. Wie sich das gehört.“ Lassen wir mal so stehen.

8.
Schalke sann auf Rache – und bekam sie schon im nächsten Derby. Am zweiten Spieltag der Fol­ge­saison endete die Begeg­nung mit Schalkes 500. Bun­des­li­ga­sieg 4:1. Grund zur Auf­re­gung gab es den­noch: Gerald Asa­moah beklagte eine ras­sis­ti­sche Belei­di­gung durch Roman Wei­den­feller. Der Dort­munder Tor­wart wurde zu einer Geld­strafe und drei Spielen Sperre ver­ur­teilt. Sein Klub ver­suchte ihn mit dem Hin­weis darauf zu ver­tei­digen, Wei­den­feller habe schwules Schwein“ gesagt. Und jetzt wissen wir auch nicht mehr.

9.
Das Derby in der Hin­runde 2017/18 wird ver­mut­lich noch lange in Erin­ne­rung bleiben. Nach 25 Minuten führt Dort­mund zu Hause 4:0. Doch Schalke kommt in der zweiten Hälfte zurück, Burg­staller, Harit und Cali­giuri haben bis zur 86. Minuten den Anschluss her­ge­stellt. In der vierten Minute der Nach­spiel­zeit kommt Naldo zum Kopf­ball ange­flogen. Der Rest ist Geschichte. Es war aber nicht die erste Auf­hol­jagd im Revier. 2008 war es umge­kehrt: Schalke führte nach 54 Minuten 3:0, war 20 Minuten später nach Platz­ver­weisen gegen Ernst und Pander aber nur noch zu neunt. Eine Minute vor Schluss glich Alex Frei zum 3:3 aus. Heiko Wes­ter­mann sprach anschlie­ßend von den kurio­sesten 90 Minuten, die ich je erlebt habe.“ Neun Jahre später sollte Naldo die Mess­latte höher­legen.

10.
Ein­fach nur das kaputte Dach der Arena auf Schalke von der Schnee­last befreien sollte ein Mit­ar­beiter im Winter 2010. Gesagt, getan: Er klet­terte hinauf, machte seinen Job – und pflanzte eine BVB-Fahne in das ver­blie­bene Weiß. Kann man machen, kam auf Schalke aber nicht gut an. Resultat: Kün­di­gung. In Sachen Fahnen steht es also quasi Unent­schieden, seitdem Schalker Fans über der Süd­tri­büne zwei Schalke-Banner hissten. Sport­lich kann Königs­blau heute eben­falls gleich­ziehen: Aktuell stehen 33 Dort­munder Bun­des­liga-Der­by­siegen 30 Unent­schieden und 32 Schalker Erfolge gegen­über.