Die Fans von Preußen Münster waren sich ihrer Sache sicher. Bevor am Sonn­abend Fuß­ball-Bun­des­li­gist Hertha BSC den Rasen im Preußen-Sta­dion betrat, hatten die Anhänger des Viert­li­gisten ein Rie­sen­trans­pa­rent in die Höhe gestreckt. Darauf stand: The time is now“.



Ja, es war für Hertha wohl an der Zeit, sich einmal ein wenig zu bla­mieren. An einer Kata­strophe schrammten die Ber­liner aber noch vorbei, weil Waleri Domowt­schiski und Raf­fael kurz vor Ende der Ver­län­ge­rung noch zwei Tore gelangen und Hertha so mit dem 3:1 (1:1, 1:0)-Sieg in Münster nach 120 Spiel­mi­nuten die das Schlimmste zum Pflicht­spiel­auf­takt noch ver­meiden konnte. Die Ber­liner haben die zweite Runde im DFB-Pokal erreicht. Ihr Trainer Lucien Favre war dar­über erleich­tert. Es war zwar schwierig, aber wir haben es uns ver­dient“, sagte der Schweizer.

Schon vor dem Anpfiff leis­teten die Müns­te­raner am Sonn­abend Erstaun­li­ches: So viele Fans wie vor dem Spiel der Preußen gegen Hertha sind ver­mut­lich selten zuvor mit dem Fahrrad zu einer DFB-Pokal­partie ange­reist. Beson­ders beein­dru­ckend war, wie viele radelnde Sym­pa­thi­santen des Regio­nal­ligsten in einer Hand noch geschickt ein – vor­rangig alko­hol­hal­tiges – Getränk balan­cierten.

Die Vor­freude auf das Spiel gegen die Ber­liner war groß. Seit 1993 haben sich nicht so viele Zuschauer wie am Sonn­abend im Preußen-Sta­dion gedrän­gelt. Die 18.200 Augen­zeugen sahen dann auch tat­säch­lich das ewig inter­es­sante Duell eines auf­müp­figen Außen­sei­ters gegen einen wack­ligen Favo­riten. Hertha fiel in den ersten Minuten gar nichts ein, im Spiel­aufbau nicht und in den Zwei­kämpfen auch nicht. Nach einer guten Vier­tel­stunde hatte jeder Ber­liner seinen Fehl­pass weg – aus­ge­nommen Artur Wich­niarek. Der Neu­zu­gang aus Bie­le­feld hielt sich dis­kret zurück, nur einmal flankte der pol­ni­sche Stürmer Müns­ters Tor­wart David Buch­holz in die Arme. Ansonsten pas­sierte im Müns­te­raner Straf­raum lange wenig, dafür sah Jaroslav Drobny den Gegner häu­figer vor seinem Tor auf­tau­chen, als er das hatte erwarten dürfen. Drobny hatte bald seine gute Laune ver­loren, beschwerte sich mehr­mals bei seinen Vor­der­leuten über zu viele Rück­pässe.

Einmal aber spielten die Ber­liner doch gekonnt nach vorne und mit etwas Glück und Hilfe von Tor­wart David Buch­holz gelang Raf­fael Mitte der ersten Halb­zeit aus halb­rechter Posi­tion das Füh­rungstor für Hertha. Müns­ters Tor­wart schien wohl geblendet durch plötz­li­chen Son­nen­ein­fall in das Sta­dion und lenkte den Ball unge­lenk ins eigene Tor. Kurz vor der Pause wurde ein Treffer von Raf­fael wegen Abseits nicht gegeben, nach der Pause dann gab Schieds­richter Frank Wil­len­borg aus Osna­brück einen Treffer von Wich­niarek aus glei­chem Grund nicht – diesmal aber wohl zu Unrecht.

Das Licht wurde schumm­riger

Pech für Hertha, denn wenig später lan­dete dann ein von Marc Lorenz aus 25 Metern geschla­gener Frei­stoß im Ber­liner Tor. Patrick Ebert hatte den Ball mit dem Kopf noch ein wenig tou­chiert, aber kaum bedeu­tend abge­fälscht. Der Ball lan­dete in der langen Ecke, Drobny konnte nur zuschauen.

Nun waren die Ber­liner in dem Spiel ange­kommen, in dem sie nicht landen wollten. Das Publikum an der Hammer Straße tobte, Hertha mühte sich, Ord­nung in das Geschehen zu bringen. Favre wech­selte Neu­zu­gang Nemanja Pejci­novic für Ebert ein – was noch mehr Unruhe ins Ber­liner Spiel brachte. Mit einem Fehler ermög­lichte der Serbe Müns­ters Stürmer Wojciech Pollok eine gute Tor­chance, Drobny wehrte aller­dings ab. Auf der anderen Seite ver­gaben Maxi­mi­lian Nicu und Pal Dardai gute Mög­lich­keiten, Hertha wurde gegen Ende der 90 Minuten doch etwas ener­gi­scher. Gojko Kacar und der ein­ge­wech­selte Waleri Domowt­schiski schei­terten am inzwi­schen sehr starken Buch­holz, danach konnte die Ver­län­ge­rung beginnen.

Das Licht wurde wegen des schwa­chen Flut­lichts schumm­riger, doch Hertha behielt mit Toren von Domowt­schiski und Raf­faels Tor den Über­blick. Bla­miert hatten sich die Ber­liner, aber das Schlimmste ver­mieden. So sah es auch Wich­niarek. Das mit der Ver­län­ge­rung war natür­lich bitter“, sagte der Pole. Aber gut oder schön gibt es im Pokal nicht, Haupt­sache wir sind weiter.“