Max Eberl, wir gehen davon aus, dass Sie am Fern­seher Zeuge des Gala-Auf­tritts der Bayern in Rom gewesen sind – ist Ihnen ange­sichts der Form, in der sich die Spieler von Pep Guar­diola trotz WM-Stra­pazen schon wieder befinden, nicht Angst und Bange geworden?
Nein. Das Spiel gegen Rom war nur eine Bestä­ti­gung dafür, dass der FC Bayern eben zu den besten Mann­schaften der Welt zählt. Irgend­wann würden die Bayern wieder richtig in Fahrt kommen, das war doch klar. Dass es so schnell gegangen ist, über­rascht viel­leicht den einen oder anderen. Aber wenn ein Klub das schafft, dann der FC Bayern Mün­chen.
 
Auch Bremen ist mit 0:6 unter die Räder gekommen.
Ich hoffe und gehe auch mal davon aus, dass unsere Spieler nicht in Ehr­furcht erstarren. Man muss davon aus­gehen, dass wir wohl ver­lieren werden, wenn das Bayern-Team eine Top-Leis­tung auf den Platz bringt. Aber wenn anders­herum wir eine richtig gute Leis­tung zeigen, können wir den dem FC Bayern die Sache min­des­tens sehr schwer machen.
 
Ihr Trainer Lucien Favre kann mit dem Titel Bayern-Jäger“ nichts anfangen.
Das geht uns allen im Verein so. In der Bun­des­liga gibt es 17 Bayern-Jäger. Der FC Bayern wird in jedem Spiel gejagt – seit Jahr­zehnten schon.
 
Glad­bach, Hof­fen­heim und Mainz – dieses Trio hätte man eigent­lich nicht auf den Plätzen zwei bis vier erwartet. Sind Sie auch über­rascht?
Es kann immer sein, dass eine der Topp-Mann­schaften schwä­chelt. Aber diesmal sind mit Dort­mund und Schalke gleich zwei von diesen Klubs betroffen. Und Wolfs­burg und Lever­kusen sind auch nicht so in die Gänge gekommen. Von daher ist das schon ein biss­chen über­ra­schend. Aber Hof­fen­heim hat sich klug ver­stärkt, Mainz hat schon in der ver­gan­genen Saison über­zeu­gend gespielt und wir haben in den ver­gan­genen Jahren eben­falls eine sehr gute Ent­wick­lung genommen. Die momen­tane Tabel­len­si­tua­tion ist zudem der Aus­druck dafür, wie dicht alles in der Bun­des­liga zusammen ist.
 
Als Sie vor sechs Jahren Sport­di­rektor bei Glad­bach wurden, war von der Europa- oder gar Cham­pions League noch nicht die Rede. Es ging um den Klas­sen­er­halt.
Ich bin seit 16 Jahren im Verein und wusste, dass ein langer Weg vor uns liegen würde. Der Fast-Abstieg in der Saison 2010/20111 wirkte dann noch­mals wie ein rei­ni­gendes Gewitter. Es sind damals einige gute Ent­schei­dungen getroffen worden, zum Bei­spiel die Ver­pflich­tungen von Dante, Reus, Stranzl und Hanke.
 
Und die von Lucien Favre, der für Michael Front­zeck in der Rück­runde kam – ein Glücks­fall, wie sich her­aus­stellen sollte.
Dabei wurde die Ver­pflich­tung in der Öffent­lich­keit anfangs skep­tisch gesehen. Warum ein Stra­te­gie­trainer, die brau­chen doch einen Feu­er­wehr­mann? In den Ver­eins­gre­mien gab es keine Dis­kus­sionen. Lucien Favre war zwar seit ein­ein­halb Jahren arbeitslos gewesen. Trotzdem waren wir uns sicher, dass Lucien Favre sowohl der rich­tige Mann ist, um den Klas­sen­er­halt zu schaffen als auch für die Zeit danach, wenn es darum gehen würde, eine Mann­schaft mit jungen Spie­lern auf­zu­bauen. Favre passt zu Glad­bach, und Glad­bach passt zu Favre, weil er mit jungen, hung­rigen Spie­lern arbeiten will.
 
Auch bei den Spie­ler­trans­fers haben Sie bis­lang als Manager häufig ein glück­li­ches Händ­chen bewiesen. Es heißt, Sie würden dafür akri­bisch Infor­ma­tionen sam­meln.
Das ist sehr wichtig, um abschätzen zu können, ob ein Spieler wirk­lich zum Verein passt oder nicht. Dafür braucht man vor allem ein funk­tio­nie­rendes Netz­werk mit Men­schen, von denen man gute, ver­trau­liche Infor­ma­tionen bekommen kann. Es geht aber nicht nur darum, bei einer Ver­pflich­tung als Sport­di­rektor selbst ein gutes Gefühl zu haben, das muss auch der Spieler haben. Man muss ihn von einem Verein über­zeugen.
 
Das Wissen um Aus­stiegs­klau­seln in den Ver­trägen ist auch von Vor­teil, wenn es darum geht inter­es­sante Spieler für ver­hält­nis­mäßig wenig Geld zu bekommen – wie die Bei­spiele André Hahn und Max Kruse zeigen.
Auch das gehört zur Infor­ma­ti­ons­suche. Ich wusste bei­spiels­weise, dass Max Kruse in seinem Ver­trag mit St. Pauli eine Aus­stiegs­klausel stehen hatte. Da lag der Schluss nahe, dass so etwas auch im Ver­trag mit Frei­burg stehen würde. Aber Sie können davon aus­gehen, dass ich die Spieler nicht nach Aus­stiegs­klau­seln aus­suche – sie si

nd manchmal eine glück­liche Fügung.
 
Spielt auch das Bauch­ge­fühl bei Transfer-Ent­schei­dungen eine Rolle?
Ja, schon auch. Ich weiß noch, wie Hans Meyer vor der Ver­pflich­tung von Marco Reus mich gefragt hat: Max, meinst du nicht, dass 800.000 Euro für einen Zweit­liga-Spieler, der gerade mal drei Tore geschossen hat, nicht ein biss­chen viel Geld ist? Wenn ein Hans Meyer so etwas sagt, dann könnte man schon unsi­cher werden. Aber ich war von Marco total über­zeugt. Mein Gefühl hat mir gesagt, dass wir hier Poten­zial kaufen würden, auch wenn 800.000 Euro damals für Glad­bach wirk­lich sehr viel Geld waren.