Stefan Reuter, wir errei­chen Sie der­zeit nur sehr schwer. Ent­stehen auf ihrem Schreib­tisch bereits die inten­siven Vor­be­rei­tungen für die neue Saison?
Die Vor­be­rei­tungen ent­stehen ja nicht nur auf dem Schreib­tisch. In dieser Phase sind gene­rell viele Gespräche zu führen.

Den Klas­sen­er­halt sicherte sich der FC Augs­burg sen­sa­tio­nell im letzten Spiel. Dabei begann die Partie gegen die SpVgg Greu­ther Fürth denkbar schlecht…
Sie spre­chen den Elf­meter an, der zunächst ver­wan­delt, dann wie­der­holt und schließ­lich von Alex­ander Man­ninger gehalten wurde. Wenn wir da in Rück­stand geraten, kann das Spiel eine andere Wen­dung nehmen.

Ist Ihnen beim Elf­me­ter­pfiff das Herz in die Hose gerutscht?
Wir konnten den Pfiff über­haupt nicht nach­voll­ziehen, da Ragnar Klavan den Ball gespielt hat. Daher war es viel­leicht aus­glei­chende Gerech­tig­keit, dass Alex den Straf­stoß gehalten hat.

Sascha Möl­ders sagte: Wenn wir am 34. Spieltag unser großes Ziel erreicht haben, trinke ich eine Woche durch“. Wann mussten Sie Sams­tag­nacht die Mann­schaft vom Tresen holen oder sitzt sie dort immer noch?
Tat­säch­lich hat sich die Mann­schaft am Sonn­tag­morgen bereits um 9.00 Uhr wieder getroffen und sich dann in den Urlaub ver­ab­schiedet. Es soll aber Per­sonen gegeben haben, die nach der Feier direkt beim Mann­schafts­treffen auf­ge­schlagen sind.

A propos Sascha Möl­ders. War er der wich­tigste Faktor für den Klas­sen­er­halt?
Der wich­tigste Faktor war die Mann­schaft, der Team­geist, die Lei­den­schaft, mit der unser Team auf­ge­treten ist. Wir waren erfolg­reich, weil die Ein­zel­in­ter­essen hinter den Inter­essen der Mann­schaft standen.

Sie sind zur Rück­runde für Jürgen Roll­mann als Geschäfts­führer ein­ge­setzt worden. Zu diesem Zeit­punkt hatte der FCA neun Punkte und einen Sieg auf dem Konto. Wie tief hingen bei ihrem Amts­an­tritt die Köpfe an der Donau­wör­ther Straße?
Wir haben uns in der Win­ter­pause zusam­men­ge­setzt und die Zeit im Trai­nings­lager genutzt, um zu bespre­chen, wie wir die Rück­runde angehen werden. Der Glaube an die eigene Stärke und die Chance, dass wir unser Ziel errei­chen können, war inner­halb der Mann­schaft immer da. Mit dem Auf­takt­sieg in Düs­sel­dorf und den anschlie­ßenden Erfolgen wuchs das Selbst­ver­trauen und der Glaube immer mehr.

Mit einer wahn­sin­nigen Auf­hol­jagd haben Sie den Abstieg ver­hin­dern können. Gab es im Sai­son­ver­lauf ein Spiel oder einen Moment, bei dem Sie sich sichern waren: Jetzt packen wir es!“?
Wie gesagt, der Glaube war immer da. Die Mann­schaft hat sich auch von Rück­schlägen nicht aus der Bahn werfen lassen, son­dern immer kon­se­quent an seinem Ziel gear­beitet. Es ist toll, dass wir am Ende sogar mit dem direkten Klas­sen­er­halt belohnt worden sind.

Gepackt haben Sie es per­sön­lich vor 16 Jahren im Cham­pions-League-Finale mit Borussia Dort­mund. Sind die Emo­tionen bei Königs­klasse und Klas­sen­er­halt über­haupt mit­ein­ander zu ver­glei­chen?
Es sind beides groß­ar­tige Erfolge, die ich aber über­haupt nicht mit­ein­ander ver­glei­chen möchte.

Sie gewannen im Finale mit 3:1 gegen den Titel­ver­tei­diger Juventus Turin. Ihr ita­lie­ni­scher Ex-Klub galt vor dem Anpfiff als Favorit. Haben sie sich mann­schafts­in­tern auch als Außen­seiter gesehen?
Wir haben damals auch an unsere Chance geglaubt. In einem sol­chen Spiel ist alles mög­lich. Das haben nicht nur wir damals bewiesen.

Lars Ricken meinte, dass die Turiner sehr selbst­si­cher auf­ge­treten wären, als seien sie die sicheren Sieger.
Auch ich habe es in meiner Kar­riere erlebt, dass man als Favorit auch Nie­der­lagen ein­ste­cken musste. Wenn man als sicherer Sieger in einem Finale stol­pert, ist es aber etwas bit­terer als in einem nor­malen Liga­spiel.

Das Finale fand aus­ge­rechnet in Mün­chen statt. Haben Sie – gerade als gebür­tiger Bayer – die Partie als Heim­spiel ver­standen?
Ja, das war für mich natür­lich ein beson­deres Erlebnis, zumal ich ja vorher mit dem FC Bayern im Olym­pia­sta­dion gespielt habe. Daher fühlte ich mich dort hei­misch.

Sind Sie als ehe­ma­liger Spieler des BVB und des FC Bayern zur Neu­tra­lität ver­pflichtet?
Ich habe zu beiden Ver­einen auch nach meiner aktiven Zeit einen sehr guten Draht. Daher drücke ich nicht dem einen mehr die Daumen als dem anderen.