Majes­tä­tisch thronen die weißen Renais­sance­giebel der Orthen­burg über der Baut­zener Alt­stadt, die von der Sonne beleuch­teten Kreuze auf den beiden Kirch­türmen erstrahlen in hellem Gold. Am Fuße der alten Stadt­mauer, von den rot­ge­zie­gelten Dächern der mit­tel­al­ter­li­chen Häuser gesäumt, bahnt sich die Spree ihren geschwun­genen Weg um den pit­to­resken Stadt­kern der säch­si­schen Klein­stadt.

Hach, könnte es schön sein, hier in Bautzen, der mit rund 40.000 Ein­woh­nern zweit­größten Stadt der Ober­lau­sitz. Genau, könnte“. Kon­junktiv II. Irrealis. Denn in der jün­geren Ver­gan­gen­heit machte das poli­ti­sche und kul­tu­relle Zen­trum der Sorben vor allem Schlag­zeilen als rechtes Nest. Und das leider zu recht.

Eine bren­nende Unter­kunft und Hetz­jagden auf Geflüch­tete

Etwa zwei Kilo­meter süd­öst­lich des Stadt­kerns liegt das ehe­ma­lige Hotel Am Husa­renhof“. Als im Zuge der soge­nannten Flücht­lings­krise“ Zehn­tau­sende auf der Flucht nach Deutsch­land kamen, sollten 600 von ihnen hier unter­ge­bracht werden. Kurz vor dem Einzug im Februar 2016 brannte der Dach­stuhl, das Haus war unbe­wohnbar. 

Schau­lus­tige zeigten unver­hoh­lene Freude“, notierte die Polizei, ein Dach­de­cker kom­men­tierte die Folgen des Brandes in einem selbst­ge­drehten Han­dy­video mit Kame­raden, Sieg Heil. Gute Arbeit geleistet“. Die Ver­ur­sa­cher sind bis heute nicht gefunden. Die Geflüch­teten zogen in andere Unter­künfte in der Stadt ein. Und im Herbst machten zwei Mal bis zu 80 Rechte nach gegen­sei­tigen Pro­vo­ka­tionen Jagd auf über­wie­gend junge, männ­liche Geflüch­tete, hetzten sie über meh­rere Kilo­meter durch die Stadt. Im Dezember ver­fehlten meh­rere Molotow-Cock­tails nur knapp das ehe­ma­lige Spree­hotel, das heute als Unter­kunft dient.

Der Vize-Landrat Baut­zens, Udo Wit­schas (CDU), traf sich mehr­fach mit NPD-Funk­tio­nären. Später wurde öffent­lich, dass er auch Insider-Infos an den Ex-NPD-Kreis­chef wei­tergab. Zusam­men­ar­beiten mit Neo­nazis? In Bautzen kein Ein­zel­fall, wie der SV Bautzen beweist. Und damit zum Fuß­ball.

Ein rechtes Klei­dungs­ge­schäft als Tri­kot­sponsor

Am 9. November 2017 ver­öf­fent­lichte der Kreis­ober­li­gist auf seiner Face­book­seite ein Foto. Darauf: die erste Mann­schaft in neuen Tri­kots mit der Auf­schrift NRDLND“, die erste Reihe hält ein Trans­pa­rent mit dem selben Logo und den Zeilen O‑Lausitzer Store“, sowie Street & Sports­wear“ in der Hand. Der SV Bautzen hatte einen neuen Tri­kot­sponsor gefunden.

An sich keine große Nach­richt, würde der NRDLND-Shop nicht Street & Sports­wear“ von ein­schlä­gigen rechten Marken wie der Baut­zener Yakuza, von Label23 oder Thor Steinar ver­treiben. Letz­tere ist in vielen Fuß­ball­sta­dien, im säch­si­schen Landtag und im Bun­destag ver­boten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass der Post aus­ge­rechnet an einem Gedenktag für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lismus ver­öf­fent­licht wurde.

Eben­falls mit der Mann­schaft auf dem Foto ist Markus Rose, Inhaber des O‑Lausitzer Store und damit neuer Haupt­sponsor des SV Bautzen. Rose ist kein Unbe­kannter. Im Gegen­teil. In der Ver­gan­gen­heit trat er bei ver­schie­denen Neo­nazi-Auf­mär­schen in Erschei­nung, er spielt in einer National Socia­list Black Metal-Band und bewegte sich im Umfeld der Kame­rad­schaft Sturm 24. Die ist dem inter­na­tio­nalen Neo­nazi-Netz­werk Blood & Honour“ zuzu­ordnen und wurde vom Ver­fas­sungs­schutz beob­achtet.