Hans Joa­chim Faber hat ver­mut­lich die auf­re­gendsten Wochen seines Lebens hinter sich. Der gerade 43 Jahre alt gewor­dene Arminia-Fan wollte sich eigent­lich nur ein biss­chen mehr im Verein enga­gieren und fand sich Anfang Juli plötz­lich als Prä­si­dent des strau­chelnden ost­west­fä­li­schen Tra­di­ti­ons­klubs wieder. Mitt­ler­weile hat Arminia Bie­le­feld ein neues Prä­si­dium um den Apo­theker Jörg Zil­lies gewählt und Hajo Faber hat seine Ruhe zurück. Wir spra­chen mit ihm über die Zeit am Rande des Ner­ven­zu­sam­men­bruchs.

Hajo Faber, Ihre Zeit als Inte­rims-Prä­si­dent von Arminia Bie­le­feld ist zu Ende. Froh, dass alles vorbei ist?

Hajo Faber: Richtig froh wäre ich, wenn wir all­mäh­lich anfangen würden, Punkte zu sam­meln. Aber es ist schon ange­nehm, nicht mehr in der Ver­ant­wor­tung zu stehen.


Würden Sie es wieder tun?

Hajo Faber: Klar, für Arminia immer. Wenn ich meinem Verein damit helfen kann.

Inwie­weit konnten Sie helfen?

Hajo Faber: Es war exis­ten­ziell, dass wir die Fan­an­leihe auf den Weg bringen. Das wäre ohne Unter­schrift eines Prä­si­diums nicht mög­lich gewesen. Da wir damals keines hatten, brauchten wir eines. 

Das heißt, es ging vor allem darum, die Insol­venz abzu­wenden?

Hajo Faber: Darum geht es ja immer.

Was war der schlimmste Moment Ihrer zwei­mo­na­tigen Amts­zeit?

Hajo Faber: Als vier Fünftel des Ver­wal­tungs­rates zurück­ge­treten sind, weil sie glaubten, dass die Mit­glieder ohnehin keine Macht über die Ent­schei­dungen im Verein haben. Ich kann diese Sicht zwar nach­voll­ziehen, aber damals fühlte ich mich im Stich gelassen.

Gab es auch gute Momente?

Hajo Faber: Die Leute auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung waren positiv über­rascht von meinen rhe­to­ri­schen Fähig­keiten. Ich galt ja immer als der Nette, Harm­lose, aber danach haben mir viele gesagt, dass mein Auf­tritt im Ver­gleich zu den Ver­samm­lungs­lei­tern der letzten zwanzig Jahre ein Quan­ten­sprung gewesen sei.

Hat Ihnen das Amt am Ende mehr genutzt oder geschadet?

Hajo Faber: Da bin ich mir nicht so sicher.

Arminia ist zwar im Moment ein Verein am Abgrund, aber man sagt ja immer: Any pro­mo­tion is good pro­mo­tion.“

Hajo Faber: Im Moment bin ich noch dabei, die Stapel uner­le­digter Sachen in meiner Rechts­an­walts­kanzlei zu sor­tieren. Und was den Spruch angeht: Ich habe mal mit dem inzwi­schen ehe­ma­ligen Geschäfts­führer Schnitz­meier über dieses Thema gespro­chen. Damals sagte er: Popu­la­rität zahlt sich immer aus.“ Nach seiner Bor­dellaf­färe, die ihn den Job gekostet hat, ist er inzwi­schen mög­li­cher­weise auch anderer Mei­nung.

Gibt es eine Moral von der Geschicht‘, die Sie aus den letzten Wochen und Monaten mit­nehmen?

Hajo Faber: Anfangs hatte ich ja meine Befürch­tungen, doch so schlimm war es letzt­end­lich nicht. Ich hatte großen Rück­halt im engeren Kreis des Ver­eins, von den Fans und sogar von der Presse. Eigent­lich sind alle sehr ordent­lich mit mir umge­gangen.

Und wie geht es weiter? Sie sind kein Prä­si­dent mehr, aber nach wie vor im Ehrenrat des Klubs enga­giert.

Hajo Faber: Das kann ich jetzt die nächsten 30 Jahre machen. Die Alters­grenze liegt bei 73 Jahren.

Und Prä­si­dent?

Hajo Faber: Da ist mit 68 Schluss. Man kann mich also in 15 oder 20 Jahren gerne noch mal fragen.

Sind Sie zufrieden mit Ihren Nach­fol­gern?

Hajo Faber: So wie ich sie ken­nen­ge­lernt habe, machen sie einen guten Ein­druck. Ich war erleich­tert, dass sie die Kon­se­quenzen aus der schlechten sport­li­chen Lage gezogen und rasch einen Trai­ner­wechsel ver­an­lasst haben. Da war etwas, was wir mit unserem Not-Prä­si­dium nicht auch noch tun wollten, nachdem wir bereits einen Geschäfts­führer beur­lauben mussten. Ansonsten gehe ich davon aus, dass ein pro­mo­vierter Wirt­schafts­wis­sen­schaftler als Schatz­meister für den Verein nur ein Glücks­fall sein kann. Seit den Zeiten von Rüdiger Lamm in den Neun­zi­gern hat nie­mand mehr so richtig das Wirken von Armi­nias Geschäfts­füh­rern durch­schaut. Viel­leicht ändert sich das ja in Zukunft.

Arminia Bie­le­feld steht nicht nur finan­ziell, son­dern auch sport­lich mit dem Rücken zur Wand. Glauben Sie noch an den Klas­sen­er­halt in der 3. Liga?

Hajo Faber: Ich bin nach wie vor der Mei­nung, dass diese Mann­schaft gut zusam­men­ge­stellt ist und wesent­lich besser spielen kann, als sie es bisher getan hat. Eine Plat­zie­rung um Rang 8 sollte immer noch drin sein. Den Auf­stieg müssen wir aber sicher um ein Jahr ver­schieben.

Auf Ihre Fuß­ball­ge­dichte im Lokal­radio unter dem Titel Lyrik in Leder“ haben Sie als Klub­prä­si­dent ver­zichtet. Gibt es die jetzt wieder?

Hajo Faber: Aber ja. Nach dem letzten 0:4 gegen Saar­brü­cken gab es eines unter dem Titel Tor­hunger gestillt“.