Man kann mit Bestimmt­heit vor­aus­sagen“, schreibt die Ber­liner Fuß­ball-Woche“ im Juli 1930, dass es vor annä­hernd 100.000 vor Span­nung und Anteil­nahme zer­sprin­genden Zuschauern einen der übli­chen, völlig aus­ge­gli­chenen Kämpfe zwi­schen Uru­guay und Argen­ti­nien gegeben hat, der ent­weder 1:0 oder 2:1 für die eine Partei oder gar unent­schieden aus­ge­gangen ist.“ Ein Fan­tasie-Bericht, denn das erste WM-Finale der Fuß­ball-Geschichte war da längst gespielt. Wie auch der Rest der deut­schen Sport­presse war die FuWo“ zu Hause geblieben. Und ver­passte damit den 4:2‑Erfolg des Gast­ge­bers aus Uru­guay. 

Vier Monate Anreise auf See? Die Deut­schen sagen lieber ab

Was konnte man den deut­schen Jour­na­listen schon vor­werfen? Lang und beschwer­lich wäre die See­reise nach Süd­ame­rika geworden, selbst die deut­sche Mann­schaft hatte die Ein­la­dung von FIFA-Prä­si­dent Jules Rimet aus­ge­schlagen. Offi­ziell, um den Ama­teur­ge­danken nicht durch die Teil­nahme an einem Tur­nier zu gefährden, das von Profi-Spie­lern nur so durch­setzt gewesen wäre. Inof­fi­ziell dürften Trainer, Spieler und Funk­tio­näre aller­dings von der vier­mo­na­tigen Welt­reise abge­schreckt worden sein. Zu viel Auf­wand für ein – nach euro­päi­schem Maß­stab – ohnehin unin­ter­es­santes Tur­nier.

Und die Deut­schen waren wahr­lich nicht die ein­zige Mann­schaft, die Bes­seres zu tun hatte, als auf einem Dampfer über die Welt­meere zu schip­pern. Von den 41 Mit­glieds­staaten hatten sich nur neun zurück­ge­meldet – die erste Welt­meis­ter­schaft drohte in einem pein­li­chen Fiasko zu enden. FIFA-Prä­si­dent Rimet machte sich auf und trat als Bitt­steller bei den Fuß­ball-Nationen auf die Matte: Ohne Erfolg.

Einige Nationen for­derten Antritts­gelder in Höhe von 60.000 D‑Mark – eine Ohr­feige für die Uru­gu­ayer, die zwei Jahre zuvor noch für die Hälfte des Geldes zu den Olym­pi­schen Spielen nach Ams­terdam gereist waren. Dass die Nie­der­lande, deren trübes olym­pi­schen Fuß­ball­tur­nier eben von Uru­guay auf­ge­hübscht worden war, eben­falls nicht der Ein­la­dung zur WM gefolgt waren, half auch nicht gerade die Laune der uru­gu­ay­ischen Orga­ni­sa­toren zu ver­bes­sern.