André Voigt, du warst ges­tern beim Län­der­spiel zwi­schen Deutsch­land und Ser­bien…
… Stimmt. Ich hatte meinen Eltern die Karten zu Weih­nachten geschenkt. Und so bin ich mit ihnen und meiner Familie zum Spiel gegangen. Wir hatten gedacht: Bei einem Län­der­spiel, da müssen wir uns keine Sorgen machen, dass es unvor­her­sehbar Stress gibt.

Aber es gab Stress?
Aller­dings. Hinter uns saßen drei Typen, die waren ein­fach … voll. Schon in der ersten Halb­zeit haben die ziem­lich viel Mist erzählt. Dass die Mann­schaft scheiße wäre, dass Joa­chim Löw scheiße wäre. Zwi­schen­durch wollten sie sich gegen­seitig auf die Schnauze hauen. Es war kaum aus­zu­halten.

In einem Video, das du nach Spiel auf­ge­nommen hast, sprichst du von ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen gegen Leroy Sané und Ilkay Gün­dogan.
Ja, das begann in der zweiten Halb­zeit. Gün­dogan war der Türke“. Irgend­wann hatten sich die Typen auf Sané ein­ge­schossen, bezeich­neten ihn als Neger“. Immer wieder: Neger, Neger …“. Ich habe gespürt, dass das Adre­nalin langsam hoch­steigt und zu meiner Frau gesagt: Sorry, Ich muss da jetzt was zu sagen.“ Dann habe ich mich umge­dreht und mal gefragt: Seid ihr alle drei Nazis?“ Und dann ging es richtig los.

Was ist pas­siert?
Ich habe sie darauf auf­merksam gemacht, dass das blanker Ras­sismus sei. In ruhiger Ton­lage, auch wenn ich am zit­tern war. Aber die Jungs sagten, anders könne man ihn doch schließ­lich nicht bezeichnen. Er sei doch der Neger“. Die hielten gar nichts davon, Sané ein­fach beim Namen zu nennen. Er sei der Neger“. Es war nicht aus­zu­halten. Ab diesem Augen­blick saß ich natür­lich auf dem Prä­sen­tier­teller. Erst war ich nur lächer­lich“, dann ein Antifa-Anhänger, der in Ham­burg Autos anzündet“. Es wurde immer schlimmer. Irgend­wann haben sie sich an einer pein­li­chen Hitler-Par­odie ver­sucht, einer sagte auch Heil Hitler!“.

Wie reagierten die umsit­zenden Zuschauer?
Ich habe mich völlig alleine gefühlt. Es gab nie­manden, nicht einmal zu diesem Zeit­punkt, der mich unter­stützt hätte. Im Gegen­teil: Eine unbe­tei­ligte Frau pflich­tete dem einen Kra­wall­ma­cher noch bei, dass man heut­zu­tage ja nicht einmal mehr Zigeu­ner­schnitzel“ sagen dürfe. Als ob es darum ginge. Kein anderer Zuschauer sagte den Jungs ein­fach mal: Haltet die Schnauze! Es reicht.“