Jede Saison ist ein Neu­an­fang. Dieses Motto lebt Ein­tracht Frank­furt seit einigen Jahren ganz beson­ders. Transfermarkt.de weist für die ver­gan­genen vier Spiel­zeiten für die Ein­tracht die fast unglaub­liche Zahl von über ein­hun­dert Zu- und Abgängen aus, ver­lie­hene Spieler nicht einmal ein­ge­rechnet. 

Diesen Sommer fiel der Umbruch beson­ders brutal aus: Mit Sébas­tien Haller, Luka Jović und Ante Rebić brach der gesamte Sturm der Ein­tracht weg. Trainer Adi Hütter muss seinen Spiel­stil kom­plett neu aus­richten. Ent­spre­chend wan­kel­mütig tritt die Ein­tracht aktuell auf. Vier Erkennt­nisse nach dem 2:2‑Unentschieden gegen Borussia Dort­mund:

1. Adi Hütter erfindet die Mann­schaft gerade neu

Haller, Rebić, Jović: Gleich alle drei Mit­glieder der Büf­fel­herde“ haben Frank­furt ver­lassen. Ver­gan­gene Saison erzielten sie wett­be­werbs­über­grei­fend 57 Tore. Aber nicht nur als Ver­werter fehlt das Trio: Sie beklei­deten sowohl im Spiel mit als auch gegen den Ball ent­schei­dende Funk­tionen. Gerade der Spiel­aufbau war stark darauf fokus­siert, mit langen Bällen den hoch­ge­wach­senen Haller zu füt­tern. Frank­furt spielte mehr lange Bälle als jedes andere Bun­des­liga-Team, bei keiner anderen Bun­des­liga-Mann­schaft war der Anteil hoher Bälle am Auf­bau­spiel so groß wie bei der Ein­tracht.

Die For­ma­tion hat Hütter zwar nicht ver­än­dert: Noch immer agiert die Ein­tracht aus einem 3−4−1−2 oder einem 3−1−4−2. Aber die Mann­schaft muss sich darin aber struk­tu­rieren. Bas Dost, der die Rolle als Ziel­spieler aus­füllen könnte, fehlt der­zeit die Fit­ness für die Startelf. Mit André Silva und Gonçalo Paciência agieren zwei spiel­stär­kere Akteure vorne drin, die Bälle in den Fuß benö­tigen. Ent­spre­chend stärker fokus­siert die Ein­tracht aktuell das Flach­pass­spiel: Der Anteil langer Bälle fiel von 17 Pro­zent auf 13 Pro­zent. Das ist eine merk­liche Stil­ver­än­de­rung.

2. Das Mit­tel­feld ist (noch) ein Pro­blem

Die leichte Umstel­lung des Spiel­stils betrifft vor allem das Mit­tel­feld­zen­trum. In der ver­gan­genen Saison waren hier vor allem Dynamik sowie Härte im Kampf um zweite Bälle gefragt. Nun ver­sucht Hütter, krea­ti­vere Spieler ein­zu­binden. Dji­bril Sow sowie der fein­fü­ßige Daichi Kamada erhielten zuletzt ver­mehrt Ein­satz­zeiten.

Noch gelingt es der Ein­tracht nicht, kon­se­quent über das Mit­tel­feld­zen­trum nach vorne zu spielen. Man­gels Ange­boten aus dem Mit­tel­feld geht der erste Pass noch immer häufig direkt zu den Stür­mern. Gegen Dort­mund hatte Stürmer Silva mehr Ball­kon­takte (58) als Sow (53) oder Sechser Gelson Fer­nandes (48). Silva war an mehr Tor­schüssen betei­ligt als jeder andere Ein­tracht-Spieler (acht), verlor aber auch mehr Bälle als jeder andere Spieler auf dem Feld (sechs).

Die erste Halb­zeit gegen Dort­mund legte zugleich ein anderes Pro­blem offen: Frank­furts neues Mit­tel­feld neigt bei­zeiten dazu, zu passiv zu agieren. Frank­furts Stärke der ver­gan­genen Saison war, über enge Man­n­ori­en­tie­rungen dem Gegner Zwei­kämpfe auf­zu­zwingen. Beson­ders in der ersten Halb­zeit stand die Ein­tracht jedoch zu weit vom Gegen­spieler ent­fernt, Dort­munds Spiel­ge­stalter Axel Witsel durfte frei schalten und walten. Weder defensiv noch offensiv greifen im Frank­furter Mit­tel­feld die Räd­chen der­zeit inein­ander.