Immer einen Pass im Ärmel

Das größte Gut eines Ama­teur­trai­ners ist nicht etwa eine gleich­blei­bend hohe Trai­nings­be­tei­li­gung oder eine Mann­schaft, die auch nach dem Dorf­fest pflicht­be­wusst zum Spiel­be­ginn erscheint. Nein, was man als Trainer in der Kreis­liga wirk­lich braucht: eine reich­hal­tige Spie­ler­pass­mappe. In dieser Mappe findet sich nicht nur der alte Veteran, die schon seit fünf Jahren die Fuß­ball­schule an den Nagel gehangen hat, son­dern auch der viel­ver­spre­chende A‑Jugendliche, der ein Spiel in der Zweiten gemacht hat, aber schon seit fünf Jahren in Berlin stu­diert und seitdem nie wieder gesehen wurde. Aus­nahmslos jeder Trainer hat immer noch einen Pass im Ärmel. So auch der Trainer vom Duis­burger FV 08 Canip Yül­maz­türk, der schrieb an einem Spieltag den B‑Jugendlichen Seyman Ömer Celik aufs Pro­to­koll. Blöd nur, dass dieser am Montag darauf in der Schule auf seine Tät­lich­keit und die resul­tie­rende lange Sperre ange­spro­chen wurde, sich aber nicht erin­nert konnte, über­haupt in der Nähe des Sta­dions gewesen zu sein, geschweige denn in dieser Saison auch nur einmal trai­niert zu haben. Klarer Fall von Kar­tei­leiche in der Pass­mappe – der Joker unter den Pässen. Viel­leicht hätte Trainer Yül­maz­türk den tat­säch­lich ein­ge­setzten Spieler ein wenig zur Mäßi­gung rufen sollen, dann wäre der Schwindel nie auf­ge­flogen, doch so muss sich der Trainer des Duis­burger FV 08 reu­mütig zeigen: Ich nehme die Scheiße auf meine Kappe!“ Die Strafe ist den­noch happig: fünf Jahre Sperre. Da muss sein geschätzt 51-köp­figer Spie­ler­kader eine ganze Weile ohne den Trainer aus­kommen.

Trainer-Duo wech­selt sich selbst ein

Die Ver­eins­ge­schichte des Rheydter SV ist tur­bu­lent. In den 90er Jahren kratzte der Klub mal an der zweiten Liga und wurde anschlie­ßend kon­ti­nu­ier­lich run­ter­ge­reicht. Bis zwei Ex-Profis das Ruder über­nahmen. Rene Schnitzler, bekannt aus seiner Zeit beim FC St. Pauli, heu­erte bereits 2013 als Spieler bei seinem Jugend­verein wieder an – 2014 über­zeugte er auch Law­rence Aidoo (früher: Glad­bach, Nürn­berg, Cottbus) vom Ama­teur­fuß­ball. Dabei lief es sport­lich erstmal nicht so rosig. In den Sai­sons 2013/2014 und 2014/2015 stieg der RSV zweimal in Folge ab. Doch dann über­nahmen die beiden Ex-Profis die Trai­ner­po­si­tion. Jetzt stehen sie an der Spitze der Bezirks­liga Nie­der­rhein und peilen den Auf­stieg in die Lan­des­liga an. Klarer Fall von: Die haben doch mal höher­klassig gespielt!“

Ach­tung! Der Chef schaut zu.“

Ob Bun­des­liga oder Kreis­liga, Co-Trainer leiden bis­weilen unter Auto­ri­täts­pro­blemen. Das Freund­schafts­spiel der SG Unter­rath gegen den SV 09/35 Wer­mels­kir­chen am ver­gan­genen Wochen­ende war ein Bei­spiel dafür, denn bis zu 79. Minute stand es unter der Lei­tung des Unter­ra­ther Co-Trai­ners noch 0:2. Dann traf Che­frainer Vilson Gegic ein und das Spiel wurde binnen drei­zehn Minuten auf 4:2 gedreht. Sich seiner eigenen Wir­kung bewusst, sagte Gegic nach der Partie im fussball.de-Interview: Mein Co-Trainer hatte mir am Telefon schon gesagt, dass die Jungs nur Schön­wet­ter­fuß­ball spielen.“