Das Enga­ge­ment der geheim­nis­vollen Trea­sure AG ist nicht der erste Ver­such eines Inves­tors, bei Tennis Borussia Berlin ein­zu­steigen. Kurz­fris­tigen Erfolg, aber auch unrühm­liche Bekannt­heit erlangte der Tra­di­ti­ons­verein Mitte der 90er Jahre, als der Finanz­dienst­leister Göt­tinger Gruppe“ den Klub über­nahm und von der Regio­nal­liga in den Euro­pa­pokal führen wollte.



Der Ein­stieg erfolgte zu einem denkbar güns­tigen Zeit­punkt – rund 8 Mio. DM Schulden plagten die Char­lot­ten­burger, als sich der dama­lige Prä­si­dent und Mäzen, Schla­ger­pro­du­zent Jack White, zurückzog. Dem Investor aus Nie­der­sachsen ging es aller­dings kei­nes­wegs um eine die eigene Eitel­keit strei­chelnde Image­kam­pagne, viel­mehr schmie­dete er einen kühnen Plan: Tennis Borussia sollte nichts anderes als eine pro­fi­table Toch­ter­firma der Göt­tinger Gruppe“ werden. Alle Inves­ti­tionen dienten einzig allein dem Zweck, den Verein an die inter­na­tio­nale Spitze zu führen, um dann dort die ent­spre­chenden Gewinne abzu­schöpfen. Für fuß­bal­le­ri­sche Sen­ti­men­ta­li­täten fehlte jeg­li­ches Gespür.

Melzig und Copado kamen

Um die eigenen Inter­essen jeder­zeit zu wahren, durch­drang der Investor die Gre­mien des Ver­eins und besetzte die ent­schei­denden Posten ent­spre­chend – GG“-Chef Erwin Zacha­rias saß dem Auf­sichtsrat vor, GG“-Vorstandsmitglied Kuno Konrad wurde zum TeBe-Prä­si­denten bestellt. Selbst die Pres­se­ar­beit wurde nach Göt­tingen aus­ge­la­gert. Beim einst klammen Klub spielte Geld keine Rolle mehr – es war ein­fach da. Bun­des­liga-Kickern wie Jens Melzig oder Fran­cisco Copado wurde die Regio­nal­liga mit fürst­li­cher Ent­loh­nung schmack­haft gemacht.

Tennis Borussia wurde damit zuneh­mend zur Pro­jek­ti­ons­fläche aller Ängste vor einer Kom­mer­zia­li­sie­rung des Fuß­balls. Tenor: Spieler kann man kaufen, Fans nicht“.

Zwar fanden tat­säch­lich nicht viele Fans den Weg ins Momm­sen­sta­dion, die wenigen, die kamen, bil­deten aber zuneh­mend die größte Oppo­si­tion zur Göt­tinger Gruppe“. Sie erkannten, dass ihr Verein gegen die Wand gefahren und das Image kom­plett rui­niert wird. Vor allem im Osten der Repu­blik wurde TeBe massiv ange­feindet und zum Inbe­griff des Bösen gemacht. Anti­se­mi­ti­sche Beschimp­fungen und tiefe Griffe in die Kli­schee­kiste waren an der Tages­ord­nung, so dass Aus­wärts­spiele zum Spieß­ru­ten­lauf mutierten. TeBe wurde zum idealen Feind­bild: der neu­reiche Verein aus West-Berlin, der see­lenlos durch die Regio­nal­liga pflügt und den ost­deut­schen Tra­di­ti­ons­klubs keine Chance lässt. Grund genug für die kleine Fan­szene, enger zusam­men­zu­rü­cken und den Anfein­dungen (selbst-)ironisch ent­ge­gen­zu­treten. Ein Geist, der sich bis heute erhalten hat und sich wohl­tuend vom Sauf- und Rauf­ethos vieler anderer Fan­kurven abhebt.

Die Inves­ti­tionen aus Göt­tingen sorgten rasch für sport­li­chen Erfolg: 1998 gelang der Auf­stieg in die 2. Liga, der direkte Durch­marsch im Jahr darauf wurde nur knapp ver­passt. Für die Göt­tinger Gruppe“ Anlass, das Rad immer weiter zu drehen. Die Lizenz­mann­schaft wurde aus dem Verein aus– und in eine KGaA (Kom­man­dit­ge­sell­schaft auf Aktien) ein­ge­glie­dert. Heute ein nor­maler Vor­gang, im Jahre 1999 aber noch ein Tabu­bruch. Offensiv wurde der Anspruch for­mu­liert, mit­tel­fristig am Euro­pa­pokal teil­zu­nehmen. Zuvor ging es aller­dings erst einmal darum, in die Bun­des­liga auf­zu­steigen.

Schäfer für Ger­land

Dem beliebten Trainer Her­mann Ger­land wurde das nicht mehr zuge­traut, statt seiner wurde diese Mis­sion Win­fried Schäfer über­tragen. Mit dem bis dahin teu­ersten Zweit­li­gakader aller Zeiten, gespickt mit Uwe Rösler, Sergej Kir­jakow oder Jan Such­o­parek, schei­terte Schäfer gran­dios. TeBe fand sich im Abstiegs­kampf wieder und konnte erst am letzten Spieltag den Klas­sen­er­halt sichern. Auch die Göt­tinger Gruppe“ geriet ins Schlin­gern. Vor­würfe des Anla­ge­be­trugs wurden immer lauter. Im Lizen­zie­rungs­ver­fahren kam es zum großen Knall. Der DFB for­derte eine Mil­lio­nen­bürg­schaft, um TeBe die Lizenz erteilen zu können. Ein Bürge fand sich – aller­dings eine Bank, die der Göt­tinger Gruppe“ gehörte. Man wollte also für sich selbst bürgen. Das ließ der DFB natür­lich nicht zu und ver­wei­gerte die Lizenz für die fol­gende Zweit­li­ga­saison, so dass die Mann­schaft statt­dessen in der Regio­nal­liga antreten musste.

Die hoch­be­zahlten Spieler ver­ab­schie­deten sich. Zurück blieb eine nicht-kon­kur­renz­fä­hige Mann­schaft, die abge­schlagen auf dem letzten Platz lan­dete. Statt in der Cham­pions League fand sich Tennis Borussia in der Ober­liga wieder – die inzwi­schen insol­vente Göt­tinger Gruppe war man aber end­lich los.