Seite 3: Wer spielt schon unter Knappi?

In dieser Ver­eins­gast­stätte, benannt nach Ver­eins­le­gende und Vize­welt­meister Hans Til­kowski, steht Knappi jetzt. Er will anpa­cken. So gehe es mit dem Til­kowski wirk­lich nicht weiter. Schau dir das doch mal an, Peter“, sagt er und zeigt auf aus­ran­gierte Stühle im Gast­stät­ten­in­neren. Hier will doch nie­mand sitzen.“ Peter, der Wirt, der höchs­tens mal den war­tenden Müt­tern am Trai­nings­platz ein paar Kaffee ver­kauft, ist unsi­cher ange­sichts der Lounge-Pläne, die Knappi gerade in den Raum zeichnet. Til­kowski und die alten Geschichten, die wolle keiner mehr hören in Herne. Aber der, sagt Peter, gehöre doch zu Herne. Nein, eine Shisha-Bar, das sollten sie machen, meint Knappi. Dann bliebe auch mal die Mann­schaft. Ich sag’ ja immer“, sagt Knappi, Wir bräuchten eine eSports-Abtei­lung.“

Teu­fels­kerl, der hat Visionen!

Die Spieler lieben solche Visionen. Der Knappi, der hat was vor mit dem Verein“, sagt Felix Fuchs, wäh­rend er sich nach dem Duschen eine dünne Sil­ber­kette um den Hals legt. Er ist Innen­ver­tei­diger, hatte vor der Saison noch einen Verein gesucht, der für seine Qua­li­täten ein wenig bezahlt. Als ihn ein Bekannter auf West­falia Herne auf­merksam machte, war er sich unsi­cher: Unter Knappi spielen? Da könnte der Ruf auch rui­niert sein. Aber dann habe ich mich mit ihm getroffen. Teu­fels­kerl, der hat Visionen! Der hat nicht auf­ge­hört zu reden.“ Fuchs wollte bleiben.

Ruhig ist es geworden in der Kabine von West­falia Herne. In den Weich­spü­ler­ge­ruch des Kabi­nen­trakts hat sich Schweiß unter­ge­mischt. Halb­zeit, und es steht noch immer 1:0. Ungläubig kauen sie auf ihren Müs­li­rie­geln, Geschmack: Erd­beer-Joghurt. Knappi beschwört sie: Ich ver­spreche es euch: Das wird so ein geiles Gefühl, hier nach dem Spiel rein­zu­kommen, wenn wir gewonnen haben.“

Knappmann 11 Freunde Arne Piepke RZ

Geile Gefühle in der Herner Kabine.

Arne Piepke

Das Schönste am Fuß­ball­spielen? Gewinnen, egal wie“, sagt Knappi, da hab’ ich nen Nagel im Kopp.“ Wäh­rend Trainer sonst Ruhe ins Spiel bringen wollen, pfeift er auf Weis­heiten. Und erhebt not­falls das Chaos zum Prinzip.

Wenn ich die Tonne treffe“, ver­han­delt der Trainer mit einem Spieler am Frei­tag­abend, dann musst du ver­län­gern. Vier Jahre.“ Knappi trägt seriös schwarze Adidas. Doch die Schuh­zunge hat er bis zur Pike gezogen. Eine War­nung: Ich könnt’s noch, wenn ich müsste. Es ist Abschluss­trai­ning, der Spieler lacht. Dann zielt Knappi – und trifft. Vier Jahre“, ruft er auf­ge­regt und dreht jubelnd ab. Wenn Knappi lacht, schieben sich seine Backen wie kleine Polster unter die Augen. Dann run­zelt er seine Stirn, als würde er sich selbst wun­dern, wie wun­der­schön die Welt sein kann. Das gute Bin­nen­klima ist unüber­sehbar.

1:3 – Herne bricht zusammen

Murre, ich bring dich um“, kreischt es von der Trai­ner­bank. Es ist nicht zu fassen! Es läuft die 60. Minute, und West­falia liegt 1:3 zurück. Murre, der zweite groß­ge­wach­sene Innen­ver­tei­diger hat einen zu kurz gera­tenen Rück­pass gespielt, dann geht alles ganz schnell. Herne bricht zusammen. Jetzt droht Knappis hei­sere Stimme mit dem Tod. Wenn das so bleibt, dann dreht er heute wirk­lich durch.