Flo­renz, Gäs­te­block, 55. Minute – der Moment als Lars Stindl knapp 4.000 mit­ge­reiste Glad­ba­cher Fans end­gültig wach­küsst. Ein simpler Frei­stoßtrick lässt alle Dämme bre­chen und sorgt für einen bra­chialen Tor­jubel: Flache Frei­stoß-Her­ein­gabe von Jonas Hof­mann von der rechten Seite in den Rück­raum, Direkt­ab­nahme Stindl. Tor, 3:2, Spiel gedreht, Gän­se­haut pur.

Diver durch den Block

Was die Glad­bach-Fans da noch nicht wissen: nur fünf Minuten später erhöht Andreas Chris­tensen auf 4:2. Dieses Mal wird aus erlö­sendem Jubel abso­lute Ekstase. Men­schen diven in bester Klins­mann-Manier freu­de­trunken meh­rere Reihen durch den Block, wild­fremde Anhänger liegen sich in den Armen. Ältere Kut­ten­träger tän­zeln auf ihren Sitzen, Ultras zünden ben­ga­li­sche Feuer. Kappen, Brillen, Handys, Becher und Kon­fetti fliegen durch die Luft. Es sind die emo­tio­nalen Glanz­mo­mente einer unfass­baren Partie, die Höhe­punkte einer magi­schen Nacht: Will­kommen im Wahn­sinn!

Statt Hoch- eher Kater­stim­mung

Noch in der ersten Halb­zeit hatte wohl kaum ein Glad­bach-Fan an dieses Wunder geglaubt. Der frühe 0:2‑Rückstand, die Unsi­cher­heit der eigenen Spieler, die Häme der ita­lie­ni­schen Fans rochen schwer nach einem gebrauchten Tag – typisch Glad­bach eben, würden viele alles­fah­rende Borussen sagen. Statt Hoch- eher Kater­stim­mung. 

Woran es dann genau lag, dass Glad­bach das Spiel letzt­lich noch drehte? War es der Muss-Nicht-Elf­meter zum 1:2‑Anschlusstreffer? War es der Mythos vom Sieg des Nicht-Auf­ge­bens? Waren es die Fans, die trotzdem wie eine Wand hinter ihren Jungs standen? Wohl auch das macht im Nach­hinein die Unfass­bar­keit dieses Spiels aus: So richtig erklären kann es nie­mand.

Eins plus eins plus eins macht 4:2

Der 4:2‑Sieg der Borussia in Flo­renz ist die Krö­nung einer ohnehin gran­diosen Aus­wärts­tour. Schon die Rah­men­be­din­gungen hätten für den Nie­der­rheiner bzw. Rhein­länder besser kaum sein können: Am kar­ne­va­lis­ti­schen Hochtag Wei­ber­fast­nacht mit dem eigenen Verein in der Europa League in Ita­lien – und das auch noch in einer der schönsten Städte des Landes. Flo­renz, das ita­lie­ni­sche Athen. Gran­dios!

Dort fei­erten viele Glad­ba­cher wie schon so häufig schon vor dem Spiel in der Stadt eine schwarz-weiß-grüne Party – in den kleinen Gassen der Alt­stadt, den unzäh­ligen char­manten Vino­theken und natür­lich in zahl­rei­chen Pubs, den Wohn­zim­mern aus­wärts­fah­render Fuß­ball­fans. Fried­lich, ohne grö­ßere Zwi­schen­fälle. Sogar einige der in Ita­lien nicht wirk­lich zim­per­li­chen Poli­zisten sparten nicht mit Lob.