Im Jahr 2000 gingen die Nie­der­lande und Bel­gien einen inno­va­tiven Weg. Zum ersten Mal rich­teten zwei kleine Länder gemeinsam ein großes Fuß­ball­tur­nier aus. Der Plan ging auf und hatte Vor­bild­cha­rakter: 2008 orga­ni­sierten die Schweiz und Öster­reich gemeinsam die EM, 2012 folgten Polen und die Ukraine. 

Geht es nach den 25 bel­gi­schen Pro­fi­klubs erfährt die 2000 erfolg­reich erprobte Zusam­men­ar­beit dem­nächst eine Renais­sance: Man will eine Nie­der­län­disch-Bel­gi­sche Liga ins Leben rufen. Der Plan: Gemeinsam hoch hinaus, wirt­schaft­lich und sport­lich aus zwei grauen Mäusen eine starke Allianz machen. Wie stellen sich die Nach­barn dieses Pro­jekt vor?

Aus zwei mach eins

Die Moti­va­tion ist klar: Zwei ver­gleichs­weise kleine Fuß­ball­na­tionen wollen mit gebün­delten Kräften Großes errei­chen. Neu sind die Ideen der Zusam­men­ar­beit übri­gens nicht. Bereits 2014 star­tete eine gemein­same Frauen-Liga, die nach drei Sai­sons aller­dings wieder ein­ge­stampft wurde. Zu groß waren die finan­zi­ellen Belas­tungen, heißt es. Eine wei­tere gemein­same Sport­liga gibt es noch: Die BeNe-League im Eis­ho­ckey. Dort che­cken sich seit 2015 Kufen­cracks aus Ant­werpen mit denen aus Eind­hoven. Indes sind beide Länder keine großen Eis­ho­ckey­na­tionen. Das führte zur selt­samen Blüte, dass das bis dato erfolg­reichste Team der Liga, die Til­burg Trap­pers, in den deut­schen Spiel­be­trieb gewech­selt sind und seitdem die Ober­liga domi­nieren.

Die aktu­ellen Pla­nungen für die gemein­same Fuß­ball­liga sehen 18 Mann­schaften vor, zehn aus den Nie­der­landen, acht aus Bel­gien. Ein Vor­teil der Reform könnte ein ver­ständ­li­ches Liga­system sein, bei dem aus­län­di­sche Fuß­ball­in­ter­es­sierte kein geis­tes­wis­sen­schaft­li­ches Stu­dium abschließen müssen, um es zu ver­stehen. Denn aktuell duel­lieren sich beide Ligen in wir­schen Sys­temen aus Play­offs, Tran­chen und Rele­ga­tionen, um Meis­ter­schaften, Euro­pacup-Start­plätze und Abstiege zu ver­teilen. Diese Sys­teme waren ein­ge­führt worden, um den beiden unat­trak­tiven Ligen mehr Span­nung ein­zu­trich­tern. In einer Liga, die auf­grund einer grö­ßeren Zahl an Top­klubs durchweg Attrak­ti­vität zu bieten hätte, dürfte es auch ein ein­fa­ches System mit Meister, Euro­pacup-Start­plätzen und gere­geltem Abstieg tun. Der Unterbau der neuen BeNe-League soll auf Län­der­ebene orga­ni­siert sein.

Ein Knack­punkt ist die Qua­li­fi­ka­tion für die euro­päi­schen Wett­be­werbe. Start­plätze werden nach einem Koef­fi­zi­enten berechnet. Wie dieser für die gemein­same Liga aus­sehen soll, ist noch unklar. In der aktu­ellen Saison schei­terte der Club Brugge an der Grup­pen­phase der Cham­pions League, war durch den dritten Platz aber in der Europa League und verlor im Sech­zehn­tel­fi­nale knapp gegen Dynamo Kiew. Ajax belegte eben­falls den dritten Platz in der Cham­pions-League-Grup­pen­phase, schlug sich aber besser und zog durch zwei Siege gegen Lever­kusen-Besieger Bern ins Vier­tel­fi­nale ein. Ein gestärkte trans­na­tio­naler Wett­be­werb, so die Hor­nungen der BeNeLeague-Befür­worter, würde die inter­na­tio­nale Wett­be­werbs­fä­hig­keit weiter stei­gern. 2019 zog Ajax ins Cham­pions-League-Halb­fi­nale ein, was einer Sen­sa­tion gleichkam. Kater­stim­mung machte sich jedoch breit, als sich sport­lich wie finan­ziell bes­sere Teams aus Europa an den Jung­stars des Kaders bedienten. Jetzt hat Ajax zwar ein stolzes Sümm­chen auf der hohen Kante liegen, adäquaten Ersatz für die Abgänge findet sich aber kaum. Ajax steckt wei­terhin als Aus­bil­dungs­ver­eins im Teu­fels­kreis fest, nach jeder bemer­kens­werten Saison quasi wieder bei Null starten zu müssen.

Hei­mat­ligen stärken, Stars binden?

Auch für die Natio­nal­spieler der beiden Länder soll die gemein­same Liga attrak­tiver werden. Die bel­gi­sche Natio­nal­mann­schaft ist so erfolg­reich wie lange nicht mehr. Top­stars wie Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Thibaut Cour­tois bilden die neue gol­dene Genera­tion der roten Teufel.

Für die aktu­elle Län­der­spiel­pe­riode nomi­nierte Trainer Roberto Mar­tinez nur fünf Spieler, die ihre Bröt­chen in der hei­mi­schen Liga ver­dienen. Die Nie­der­länder können in dieser Hin­sicht eine höhere Quote vor­weisen. Bondscoach Frank de Boer ver­traut hier auf neun Spieler aus der Ere­di­visie. Grund dafür ist aber wohl, dass sich das Team der Nie­der­lande im Umbruch befindet und das letzte fuß­bal­le­ri­sche Gouden Eeuw“, das gol­dene Zeit­alter, ein paar Jahre zurück­liegt. Wenn sich auch dort eine neue Natio­nal­mann­schaft her­aus­kris­tal­li­sieren sollte, die in der Welt­spitze mit­halten kann, werden Spieler ver­mut­lich wieder größ­ten­teils aus Eng­land oder Spa­nien zum Län­der­spiel nach Ams­terdam anreisen. Die Frage, die sich stellt, ist: Kann es gelingen, die natio­nalen Top­stars mit erhöhter Wett­be­werbs­fä­hig­keit und mehr Geld in den eigenen Landen zu halten?