Seite 2: Keine Absicherung und ein richtig guter Gegner

3. Kon­ter­ab­si­che­rung? Ein Fremd­wort

Deutsch­land fehlten zwar die Impulse aus dem Spiel­aufbau. Das hin­derte die deut­schen Spieler aber nicht daran, extrem offensiv zu agieren. Kim­mich und sein Pen­dant Marvin Plat­ten­hardt stießen immer wieder in die vor­derste Linie, auch Thomas Müller und Julian Draxler boten sich ständig vor Mexikos Abwehr­kette an. Deutsch­lands Auf­bau­spiel war jedoch weder kreativ noch genau genug, die offen­siven Spieler zu finden. Statt­dessen pro­du­zierte Deutsch­land einige unnö­tige Ball­ver­luste.

Eine offen­sive Spiel­weise und unnö­tige Fehl­pässe sind eine kri­ti­sche Mischung. Explosiv wird es erst, wenn sich dazu noch ein schwa­ches Gegen­pres­sing gesellt. Genau das war im Spiel gegen Mexiko aber der Fall: Deutsch­land erlangte nach Ball­ver­lusten keinen Zugriff, gerade die Dop­pel­sechs aus Khe­dira und Kroos hechelte nur hin­terher. Die deut­schen Innen­ver­tei­diger Boateng und Mats Hum­mels waren ganz auf sich allein gestellt. Das hin­derte Hum­mels nicht daran, den­noch aggressiv her­aus­zu­rü­cken. Er wurde dabei wieder und wieder über­spielt. Deutsch­land ließ Mexiko im Kon­ter­spiel gewähren.

4. Mexiko kann Fuß­ball spielen

Auch andere Länder können Fuß­ball spielen. Das mag im Land der Welt­meister eine über­ra­schende Erkenntnis sein. Mexiko bewies, warum sie zu den Geheim­fa­vo­riten des Tur­niers zählen: Der tak­ti­sche Plan von Osorio mit der Mann­de­ckung auf Kroos ging exzel­lent auf. Mexiko hat zudem das Tempo und die tech­ni­sche Klasse, um einen Gegner wie Deutsch­land aus­zu­kon­tern. Stürmer Chicharito legte den Ball ab, die Außen­stürmer star­teten mit Wucht hinter Deutsch­lands Abwehr. Mit solch einer Leis­tung dürften sie nicht nur den Welt­meister ärgern.

5. Deutsch­land erar­beitet sich zu wenige sau­bere Abschlüsse

Am ehesten wackelte Mexiko in der letzten halben Stunde. Sie mussten dem hohen Tempo der ersten Halb­zeit Tribut zollen. Joa­chim Löws Wechsel brachten indes Tempo in das deut­sche Spiel: Marco Reus (60., für Sami Khe­dira) kur­belte das Spiel von der halb­rechten Seite an. Er drib­belte selbst Rich­tung Straf­raum oder legte den Ball raus zu Kim­mich. Später löste Löw sogar die Vie­rer­kette in der Abwehr auf und brachte mit Mario Gomez (80., für Plat­ten­hardt) und Julian Brandt (86., für Werner) wei­tere Stürmer. Vor allem Brandt zeigte sich gefähr­lich.

Deutsch­land drückte Mexiko nun weit hinten rein, diese zogen sich im 5−4−1 an den eigenen Sech­zehner zurück. Deutsch­land domi­nierte die Partie zwar, kam aber selten in gute Schuss­po­si­tionen. Das lag nicht zuletzt daran, dass für Kim­michs hohe Flanken ein Abnehmer im Straf­raum fehlte. Somit konnte sich Deutsch­land keine Tor­chancen mehr erar­beiten. Die Misere der Test­spiele setzt sich auch nach Tur­nier­start fort.