Es ist nun knapp ein Jahr her, dass Luuk de Jong erst­mals die Kata­komben im Mön­chen­glad­ba­cher Borussia Park betrat, um sich auf einer Pres­se­kon­fe­renz den Medi­en­ver­tre­tern zu prä­sen­tieren. Es war der Transfer, der nicht nur Sport­di­rektor Max Eberl, son­dern auch ganz Glad­bach wochen­lang in Atem hielt. Dem­entspre­chend groß waren Blitz­licht­ge­witter und Emp­fangs­ko­mittee. Umso kon­trast­rei­cher fiel dagegen das Auf­treten des damals erst 21-jäh­rigen Nie­der­län­ders aus. Obwohl er die Borussia die Rekord­summe von geschätzten zwölf Mil­lionen Euro gekostet haben soll, wirkte sein Auf­treten ganz und gar nicht wie das eines heiß begehrten Super­stars, den sämt­liche euro­päi­sche Top-Klubs auf ihrem Ein­kaufs­zettel stehen hatten. Auf selbst­be­wusste Ansagen eines Stür­mers, der in der ver­gan­genen Spiel­zeit noch für Twente Enschede 25 Tore in 31 Spielen erzielt hatte, war­teten die Jour­na­listen ver­ge­bens. Viel­mehr zeigte er sich etwas pein­lich berührt über das große Inter­esse an seiner Person. 

Im Straf­raum fallen die Tore“

Dass es bei seiner ersten Spiel­zeit in der Bun­des­liga nur zu sechs Tref­fern reichte, war jedoch weniger dem man­gelnden Selbst­be­wusst­sein geschuldet, son­dern der äußerst defen­siven Grund­aus­rich­tung der Borussia und einer län­geren Ver­let­zungs­pause. Im Straf­raum fallen die Tore“, sagte er, als er auf die geringe Tor­aus­beute in der abge­lau­fenen Saison ange­spro­chen wurde. Und dort war seine Mann­schaft nur äußerst selten zu finden.

Was wie eine abge­dro­schene Phrase klingt, beschreibt gleich­zeitig die große Qua­lität des inzwi­schen 22-Jäh­rigen. De Jong ver­kör­pert den Pro­totyp eines Stür­mers, der im tra­di­tio­nell nie­der­län­di­schen 4 – 3‑3-Sys­tems groß geworden ist. Gelingt es seiner Mann­schaft den tech­nisch ver­sierten Angreifer, der eben­falls über ein her­vor­ra­gendes Kopf­ball­spiel ver­fügt, im Straf­raum in Szene zu setzen, herrscht für den Gegner höchste Alarm­be­reit­schaft. 

Was machen die Fans vor dem U‑21-Duell Deutsch­land – Hol­land »>

Er ist aller­dings auch selbst­kri­tisch genug, um sich eigene Unzu­läng­lich­keiten ein­zu­ge­stehen. So hatte er vor allem zu Sai­son­be­ginn mit der Defen­siv­ar­beit zu kämpfen, die ihm sein neuer Trainer Lucien Favre abver­langte. De Jong war dadurch noch weniger im Straf­raum zu finden und konnte dadurch auch dem­entspre­chend weniger glänzen. Doch er ist keine Sturm-Diva der Kate­gorie Balo­telli, die sich bereits in jungen Jahren als form­voll­endet betrachtet. Eine Eigen­schaft, die ihm wohl auch seine Eltern vor­ge­lebt haben dürften. Beide waren zwei überaus erfolg­reiche Leis­tungs­sportler, die im schwei­ze­ri­schen Aigle ihren Lebens­un­ter­halt mit Vol­ley­ball ver­dienten. Dort kamen auch Luuk und sein nur ein Jahr älterer Bruder Siem zur Welt. Erst im Alter von fünf bezie­hungs­weise sechs Jahren zogen die de Jong Brüder in die Heimat ihrer Eltern.

Die Familie und ins­be­son­dere der Bruder sind bis heute wich­tige Fix­punkte im Leben des Nie­der­län­ders, bei denen er gerade in sport­lich schwie­rigen Zeiten Halt und Rat sucht. Ins­ge­heim träumen Siem und Luuk sogar von einer Ver­brü­de­rung im Sport. Denn auch Siem ist ein überaus erfolg­rei­cher Fuß­baller, der sich als Mit­tel­feld­re­gis­seur beim hol­län­di­schen Meister Ajax Ams­terdam bereits einen Namen gemacht hat.

Bei der U‑21-Euro­pa­meis­ter­schaft in Israel muss Luuk aller­dings wieder einmal ohne den älteren Bruder aus­kommen, da dieser die Alters­grenze von 23 Jahren bereits über­schritten hat. Nichts­des­to­trotz ver­folgt er große Ziele bei diesem Tur­nier, bei dem am Ende nicht nur der Titel für die Nie­der­lande her­aus­springen soll, son­dern auch ein per­sön­li­ches Aus­ru­fe­zei­chen. Die letzte Saison lief nicht so, wie ich mir das vor­ge­stellt hatte. Ich will in Israel eine gute Leis­tung ablie­fern, damit andere sehen werden, was ich kann“, ließ er des­halb unge­wöhn­lich forsch im Vor­feld des Tur­niers ver­lauten.

Elftal als Top­fa­vorit

Die Vor­aus­set­zungen für dieses Unter­fangen könnten jeden­falls nicht besser sein. Die Elftal gilt neben Spa­nien als Top-Favorit und ver­fügt über einen Kader, mit ins­ge­samt zwölf Spie­lern, die bereits in der A‑Nationalmannschaft gespielt haben. De Jong dürfte vor allem die klas­sisch offensiv aus­ge­rich­tete Spiel­weise der Hol­länder zu Gute kommen. Mit Ola John, der mit ihm schon bei Twente Enschede ein überaus erfolg­rei­ches Sturmduo bil­dete, ver­fügt er zudem über einen kon­ge­nialen Partner.

Große Bri­sanz ver­spricht gleich das Auf­takt­duell in der Grup­pen­phase. Denn dort trifft der Nie­der­länder auf die deut­sche Aus­wahl, die neben Patrick Herr­mann und Tony Jantschke auch seinen direkten Sturm­kon­kur­renten Peniel Mlapa auf­bieten wird. Dieser hatte ihm zuletzt in der Bun­des­liga den Rang abge­laufen. Auch wenn beide laut eigenen Angaben ein freund­schaft­li­ches Ver­hältnis pflegen, dürfte diese Kon­stel­la­tion bei de Jong für eine kleine Extra­mo­ti­va­tion sorgen. Denn sein Trainer Lucien Favre wird diese Partie mit großem Inter­esse ver­folgen und anspre­chende Leis­tungen des Nie­der­län­ders auf inter­na­tio­nalem Par­kett, würden seine Aus­gangs­lage im Verein sicher nicht ver­schlech­tern.