Seite 2: Einheimische Journalisten? Nein, danke

Einer der wenigen, die in inten­siven Kon­takt mit den Ein­hei­mi­schen traten, war Citys CEO“ Ferran Soriano. Der Spa­nier hielt einen 90-minü­tigen Vor­trag vor Fach­be­su­chern. Der Titel: City Foot­ball Group: Die Schaf­fung eines wahr­haft glo­balen Fuß­ball-Fuß­ab­drucks“. Der Inhalt: Wie Man­chester City den chi­ne­si­schen Spon­soren und (VIP-)Fans künftig auf mög­lichst ein­fache Weise mög­lichst viel Geld aus den Taschen zu ziehen gedenke. Dass die Zuhörer – vor­rangig chi­ne­si­sche Spon­soren und (VIP-)Fans – am Ende eher nach­denk­lich drein­blickten, wen wun­dert’s?

Die Arro­ganz und die Igno­ranz dieses Auf­tritts dürfte manch einen Chi­nesen mit Geschichts­bil­dung an die Zeiten der euro­päi­schen Kolo­ni­al­herr­schaft über Teile des fern­öst­li­chen Reichs erin­nert haben. Auch damals ging es den Fremd­lingen aus Eng­land, Frank­reich oder Deutsch­land nicht um zwi­schen­mensch­liche Bezie­hungen auf Augen­höhe oder um kul­tu­rellen Aus­tausch – son­dern einzig darum, die Ost­asiaten und ihr weites Land wirt­schaft­lich abzu­melken.

Ein­hei­mi­sche Jour­na­listen? Nein, danke

Dass rund 150 Jahre später chi­ne­si­sche Sport­re­porter in Shanghai und andern­orts von Man­City wie Medi­en­partner zweiter Klasse behan­delt wurden, erwies sich jedoch als Eigentor. Als die ein­hei­mi­sche Jour­naille vor Inter­view-Ses­sions mit den City-Assen Rodri und Olek­sandr Zin­chenko jeweils aus dem Raum kom­pli­men­tiert wurde, damit die mit­ge­reisten bri­ti­schen Kol­legen unge­stört ihre Fragen stellen konnten, sorgte sogar für einen offenen Eklat. Citys Pres­se­mann begrün­dete die Ungleich­be­hand­lung etwas unbe­holfen mit Anwei­sungen von ober­halb meiner Ebene“.

Schon der Start von Citys China-Mis­sion war gründ­lich in die Hose gegangen – auch wenn nie­mand bei Man­chester City etwas dafür konnte. Gleich zweimal musste der Flug in einer noblen Pri­vat­ma­schine abge­sagt werden. Grund waren inter­na­tio­nale Kom­pe­tenz­strei­tig­keiten über die Regu­lie­rung des aus­ufernden som­mer­li­chen Flug­ver­kehrs welt­weit. Letzt­lich musste Pep Guar­diola sein Team auf zwei Lini­en­ma­schinen umbu­chen, um dann mit 48-stün­diger Ver­spä­tung, leicht roten Augen und äußerst mür­ri­schem Gesicht am Zielort Shanghai ein­zu­treffen.