Das Wun­der­land ist nur einen Stein­wurf ent­fernt. Hangar 7 nennt sich das Gebäude im Salz­burger Stadt­teil Max­glan, wo Red-Bull-Chef Diet­rich Mate­schitz neue Sport­arten erfindet, die XRow oder Manny Mania heißen. Sie haben ihn zum reichsten Mann Öster­reichs gemacht. Vor ein paar Jahren schätzten Experten sein Pri­vat­ver­mögen auf fünf Mil­li­arden Dollar. Andere glauben, er habe 5,5 Mil­li­arden Euro. Aber eigent­lich ist das auch egal.
 
In Blick­weite dieses gol­denen Brause-Palastes steht also das Sta­dion des SV Aus­tria Salz­burg, es fasst 1566 Zuschauer und sieht aus wie ein bes­serer Dorf­platz. Mate­schitz fährt täg­lich daran vorbei und ver­mut­lich hat er mit­be­kommen, dass es in den ver­gan­genen Jahren sport­lich ganz ordent­lich für die Aus­tria läuft. Im Sommer stieg die Mann­schaft in Öster­reichs Zweite Liga auf, es war der größte Erfolg der jungen Ver­eins­ge­schichte.

Man muss sich Sorgen um den Verein machen“

Trotzdem, und auch das wird Mate­schitz wissen, so richtig gut geht es den kleinen Quäl­geis­tern nicht. Es fehlt Geld an allen Ecken und Enden. Zuletzt mussten zwei Sta­dien – das myPhone-Aus­tria-Sta­dion in Max­glan und die Arena im 60 Kilo­meter vor Salz­burg gele­genen Schwa­nen­stadt – bun­des­li­ga­taug­lich gemacht werden. Dazu kamen Strafen der öster­rei­chi­schen Bun­des­liga und feh­lende Ein­nahmen aus zwei Geis­ter­spielen. Ins­ge­samt klafft in den Büchern eine Lücke von knapp einer Mil­lion Euro. Aus­tria-Manager Ger­hard Stöger sagte unlängst: Ja, man muss sich Sorgen um den Verein machen.“
 
Man wolle nun neue Spon­soren akqui­rieren und Freund­schafts­spiele gegen nam­hafte Gegner“ orga­ni­sieren. Die Fans haben zugleich die Initia­tive Save AS“ gegründet, in der sie schreiben: Bitte hilf mit deinem Bei­trag, dass das vio­lett-weiße Mär­chen noch nicht zu Ende ist.“
 
Das Mär­chen begann vor zehn Jahren. Und wenn man es genau nimmt begann es nur, weil der Mann, der in diesem omi­nösen Hangar 7 sitzt, ihren alten Verein über Nacht ein­fach aus­ra­dierte.
 
Diet­rich Mate­schitz hatte in den Jahren kurz vor der WM 2006 den Plan gefasst, im Fuß­ball aktiv zu werden. Da er nicht wusste, wie man das anstellt, bat er Freunde und Experten um Hilfe, etwa Franz Becken­bauer. Der Kaiser sollte ihm zeigen, wie man einen Fuß­ball­klub führt. Also erklärte Becken­bauer es ihm, nur der Unter­nehmer ver­stand es nicht.
 
2012 fuhren wir nach Salz­burg, um die außer­ge­wöhn­liche Geschichte von Aus­tria Salz­burg zu erzählen. Neben Manager Ger­hard Stöger trafen wir auch den dama­ligen Prä­si­denten Walter Win­disch­bauer. Ein gemüt­li­cher Mann, 54 Jahre damals, Voll­bart. Am Revers seines Tweed­sakko trug er einen kleinen vio­letten Anste­cker. Win­disch­bauer, stu­dierter Jurist und Aus­tria-Fan, sagte damals, dass Red Bull zunächst als potenter Geld­geber eines dar­benden Ver­eins begrüßt wurde.

Sport­lich erfolg­reich, wirt­schaft­lich desas­trös

Finanz­pro­bleme plagten Aus­tria Salz­burg seit bei­nahe zwei Jahr­zehnten, sogar in Zeiten des sport­li­chen Erfolgs. 1994 erreichte der Klub das Uefa-Cup-Finale, im Ach­tel­fi­nale besiegten die Vio­letten Spor­ting Lis­sa­bons Star­ensemble um Luis Figo und Kras­simir Balakow. End­lich floss etwas Geld in die Kassen, hofften die Fans. Tat­säch­lich standen aber schon damals zahl­reiche Gläu­biger direkt hinter den Ticket­häus­chen und schich­teten die Ein­nahmen noch am Abend in ihre Geld­kas­setten um.
 
Als Red Bull im Sommer 2005 bei Aus­tria Salz­burg anklopfte, war Obmann Walter Win­disch­bauer, trotz der anfäng­li­chen Freude über neue Ein­nahmen, auch etwas ver­wun­dert, schließ­lich war Diet­rich Mate­schitz nie als großer Fuß­ballfan auf­ge­fallen. Viele Jahre zuvor hatte die Aus­tria Red Bull selbst einmal um Hilfe gebeten. Der Klub benö­tigte für eine Halb­zeitshow einen Hub­schrauber, also rief der junge Win­disch­bauer, damals noch Stu­dent, beim gut betuchten Mate­schitz an. Unter Salz­bur­gern hilft man sich, dachte der Stu­dent. Der Red-Bull-Boss hörte sich die Idee an. Dann sagte er: Herr Win­disch­bauer, wir haben zwar viele Heli­ko­pter. Doch bei mir sind Sie falsch: Unser Gebiet ist der Extrem­sport. Mit Fuß­ball wollen und werden wir nichts zu tun haben. Das ist für uns ein abso­lutes No-Go.“

Win­disch­bauer legte den Hörer auf die Gabel und dachte über diesen Aus­druck nach, den er noch nie zuvor gehört hatte: No-Go.