Seite 2: Eine durchchoreographierte Demonstration radikaler Außenbahnpower

Die eigent­liche Stärke dieser Flü­gel­zange besteht – neben der spek­ta­ku­lären Physis und den beein­dru­ckenden tech­ni­schen Fer­tig­keiten – in einer Qua­lität, die direkt auf den Ein­fluss ihres Trai­ners zurück­zu­führen ist. Alex­ander-Arnold und Robertson bewegen sich in ihrer Rück­wärts- und Vor­wärts­be­we­gung so syn­chron, dass Klopps Vie­rer­kette – gesteuert und abge­si­chert von den Zwei­kampf­gi­ganten Lovren und van Dijk – wie eine Flut­welle über den Gegner her­ein­bricht, wenn der in seinem Offen­siv­drang einen Ball­ver­lust pro­du­ziert. Eine per­fekt durch­cho­reo­gra­phierte Demons­tra­tion radi­kaler Außen­bahn­power war das, was beide gegen City zeigten.

Dabei pro­fi­tiert das Doppel von seiner Geschwin­dig­keit, vor allem aber von seiner Ent­schluss­freu­dig­keit und der Fähig­keit, Pässe über 50 Meter so ziel­genau an die Mit­spieler zu ver­teilen, wie es man es vor einigen Jahren nur von Gestal­tern aus der Spiel­mitte bewun­dern konnte. Im gest­rigen Spit­zen­spiel waren es sage und schreibe 21 lange Bälle, die Alex­ander-Arnold und Robertson zum Spiel­aufbau bei­trugen, derer sieben waren es bei den Kon­tra­henten Kyle Walker und Ange­liño und wer mag, darf diesen Ver­gleich gerne als wich­tigsten Grund nennen, warum Liver­pool und nicht Man­chester am Ende als Sieger vom Platz ging.

Die Speer­spitzen von Klopps Voll­gas­fuß­ball

Dass diese Bälle in der Regel Fuß­baller wie Sadio Mané, Mo Salah oder Fir­mino fanden, hat mit dem End­re­sultat natür­lich auch zu tun, doch sind ihre Fähig­keiten schon oft genug besungen worden. Sie sind die Speer­spitzen in diesem System des Klopp­schen Voll­gas­fuß­balls, der am Sonn­tag­abend für berau­schende 90 Minuten gesorgt und mal wieder unter Beweis gestellt hat, auf was für einem Niveau der Spit­zen­fuß­ball inzwi­schen ange­kommen ist. Die Trieb­werke hat Klopp auf seinen Außen instal­liert. Zeit­weise konnte man sich nicht ganz sicher sein, ob das jetzt wirk­lich ein echtes Fuß­ball­spiel war oder die Über­tra­gung einer hoch­klas­sigen E‑S­port-Ver­an­stal­tung, so nim­mer­müde rasten die Figuren über den Rasen, so kühl berechnet fanden Pässe, Flanken oder Tor­schüsse ihr Ziel. 

Am Ende dieser denk­wür­digen Demons­tra­tion eines Fuß­balls ohne Pause, nach unge­zählten Tem­po­ge­gen­stößen, die nicht nur die Nacken­mus­ku­latur der Kame­ra­männer auf eine harte Probe stellte, standen die beiden Haupt­dar­steller gemeinsam vor der Kamera, gaben brav ihre Ant­worten und wischten sich dabei syn­chron den Schweiß von der Stirn. Nie­manden hätte es gewun­dert, wenn sie anschlie­ßend im Gleich­schritt nach Hause gelaufen wären.