Eigent­lich läuft alles bei den Nor­we­gern. Bei Olympia in Pye­ong­chang holten sie sich mal eben Platz eins im Medail­len­spiegel — obwohl so viele ihrer Ath­leten unter Asthma leiden (hüstel, hüstel). Auch wirt­schaft­lich zählen sie dank rie­siger Erdöl-Vor­kommen zur Welt­spitze. Nur fuß­bal­le­risch geht gar nichts: Die letzte Tur­nier-Teil­nahme von Nor­we­gens A‑Nationalmannschaft liegt sage und schreibe 18 Jahre zurück.

Damals, bei der EM 2000 in Hol­land und Bel­gien, gehörte noch ein gewisser Erik Mykland von 1860 Mün­chen zum Kader. Im euro­päi­schen Ver­eins­fuß­ball spielt nur Rosen­borg Trond­heim eine Rolle — wenn auch die eines Sta­tisten. Kein Wunder also, dass nor­we­gi­sche Fuß­baller nicht gerade ein Export­schlager sind.

Begleitet von Pri­vat­leh­rern

Dabei setzen sie doch alle Hebel in Bewe­gung, hoch oben im Norden. Das reichste Land Europas scheut seit Jahren kei­nerlei Kosten und Mühen, um auch im Fuß­ball end­lich eine Top­na­tion zu werden. Im ver­gan­genen Jahr führte Nor­we­gens Ver­band NFF sogar eine ein­glei­sige natio­nale Liga für U14-Kreis­aus­wahl-Teams ein — mit sage und schreibe 18 Mann­schaften.

Seither düsen 13- bis 14-Jäh­rige in Privat-Jets durch das rie­sige Land, um in Drammen, Bergen, Bodö oder Trond­heim Spiele zu bestreiten, die man­gels Leis­tungs­dichte häufig 7:1 oder 9:0 aus­gehen. Dafür ver­bringen die Talente nicht selten ein kom­plettes Wochen­ende auf Reisen, wes­halb manche Teams sogar von eigenen Pri­vat­leh­rern begleitet werden.

30.000 Euro Kurs­ge­bühr? Kein Pro­blem!

Doch damit nicht genug: Sobald einer der rund 360 Spieler in dieser Liga nur halb­wegs her­aus­sticht, wird er schon als 13-Jäh­riger regel­mäßig ins Luxus-Leis­tungs­zen­trum des natio­nalen Ver­bandes ein­ge­flogen. Dort, in der Haupt­stadt Oslo, darf er dann Lehr­gänge mit den besten Alters­ge­nossen aus dem ganzen Land bestreiten, auf beheizten Rasen­plätzen, hoch­mo­dernen Kunst­ra­sen­plätzen oder (falls doch mal zu viel Schnee fällt) in einer gigan­ti­schen Fuß­ball­halle mit Frei­luft-Spiel­feld­maßen.

Wäh­rend der langen Win­ter­pause werden die Hoch­be­gabten dann für einige Monate nach Süd­spa­nien ver­frachtet, um dort in einer pri­vaten Trai­nings-Aka­demie an ihren indi­vi­du­ellen tech­ni­schen Fer­tig­keiten zu feilen. Die Kurs­ge­bühr beträgt bis zu 30.000 Euro — pro Spieler. Doch Geld spielt scheinbar keine Rolle.

Ein kon­tra­pro­duk­tives Pro­gramm?

Der zur­zeit erfolg­reichste nor­we­gi­sche Trainer, Stale Sol­bakken vom däni­schen Meister FC Kopen­hagen, hält all das nicht nur für Ver­schwen­dung, son­dern sogar für kon­tra­pro­duktiv: Wenn Kids in diesem Alter ein ganzes Wochen­ende auf Aus­wärts­reise sind oder im Winter mona­te­lang allein im Aus­land hocken, können sie sich über­haupt nicht normal ent­wi­ckeln. 13‑, 14-Jäh­rige brau­chen doch neben dem Fuß­ball ein ver­trautes Umfeld – ihre Freunde, ihre Eltern und auch ein wenig Spaß.“

Sol­bakken fürchtet: Die Folge dieses Intensiv-Pro­gramms sind aus­ge­brannte Kids ohne jede Spiel­freude und Moti­va­tion. Das hilft doch dem nor­we­gi­schen Fuß­ball nicht weiter.“