Es war einer der schwär­zesten Tage in der Geschichte von Hel­sing­borgs IF. Am 20. November 2016 war der süd­schwe­di­sche Tra­di­ti­ons­klub abge­stiegen. Der Furor der Fans nach der ent­schei­denden Nie­der­lage gegen Halm­stads BK rich­tete sich vor allem gegen Jordan Larsson, den Sohn des dama­ligen Hel­sing­borg-Trai­ners Henrik Larsson. Eine Horde Ver­mummter riss dem 18-Jäh­rigen das rote Trikot vom Leib. Jordan Larsson war geschockt, den Tränen nahe und brachte anschlie­ßend kaum ein Wort heraus: Dar­über reden wir ein anderes Mal“, stam­melte er im Ange­sicht der Presse. Doch es gab kein anderes Mal mehr. Kurz darauf floh Larsson nach Hol­land, zu NEC Nij­megen.

Es ist ver­mut­lich nicht leicht, als Teen­ager die ton­nen­schwere Last der Erwar­tungen auf den eigenen schmalen Schul­tern zu spüren, weil der eigene Vater ein frü­herer Welt­star ist, der weit über 200 Liga­tore für Feye­noord, Celtic, Barca und ManU erzielt hat. Das spürte Jordan Larsson auch in Nij­megen, wo man sich wesent­lich mehr von ihm erhofft hatte als vier Treffer in 24 Liga-Ein­sätzen. Plötz­lich inter­es­sierte sich nie­mand mehr für den Stürmer mit dem viel­ver­spre­chenden Namen. Selbst Celtic Glasgow, der Klub, bei dem Papa Henrik bis heute als King of Kings“ ver­ehrt wird, winkte ab, als Larsson junior dort ange­boten wurde. Anfang 2018 lan­dete der Geschei­terte“ wieder in Schweden. Diesmal beim IFK Norr­köping, wo er eben­falls keine Bäume aus­riss (13 Treffer in 46 Liga­spielen).

Letzte Aus­fahrt Moskau

Hätte damals einer vor­her­ge­sagt, dass dieser Jordan Larsson zum schwe­di­schen Auf­gebot für die kom­mende Euro­pa­meis­ter­schaft zählen würde – er wäre ver­mut­lich aus­ge­lacht worden. Das weiß auch Larsson selbst, wenn er sagt: Nichts im Leben wird einem geschenkt, aber das macht den Reiz aus. Ich bin glück­lich und stolz, Schweden nun bei einem Tur­nier ver­treten zu dürfen.“ Dass er ledig­lich als Nach­rü­cker in den Kader rutschte, weil Zlatan Ibra­hi­movic sich am Knie ver­letzt hat, stört den 23-Jäh­rigen eher wenig: Ich bin ein­fach nur froh, hier zu sein. Nun will ich mein Bestes geben, so oft wie mög­lich spielen und der Mann­schaft helfen.“

Dabei drohte Jordan Larsson vor zwei Jahren end­gültig von der großen Fuß­ball­bühne zu ver­schwinden. 2019 wech­selte er von Norr­köping zu Spartak Moskau – ein letzter, fast schon ver­zwei­felter Ver­such, im Aus­land Fuß zu fassen. Mit sieben Tref­fern in 26 Ein­sätzen spielte er eine solide, aber kei­nes­falls groß­ar­tige erste Saison in der rus­si­schen Pre­mijer Liga. Doch Larsson hatte Glück, dass noch wäh­rend der Hin­runde ein neuer Trainer gekommen war: Dome­nico Tedesco. Der ehe­ma­lige Schalke-Coach sah wesent­lich mehr in dem Linksfuß als nur dessen Sta­tis­tiken. Er ent­deckte gewal­tiges Poten­zial.

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Unter Dome­nico Tedesco hat Jordan Larsson in Moskau zurück in die Spur gefunden.

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Tedesco ließ den spiel­starken und schnellen Larsson wahl­weise als offen­siven Mit­tel­feld­spieler, Halb- oder Mit­tel­stürmer auf­laufen und gewährte ihm unend­liche Frei­heiten. Der Dank folgte in der abge­lau­fenen Spiel­zeit 2020/21, als das ewige Talent“ end­lich hielt, was der Name des Vaters ver­spro­chen hatte: viele Tore. 15-mal traf Jordan Larsson in 29 Liga­spielen, zudem ver­buchte er fünf Assists und war ein ent­schei­dender Faktor für die Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion von Spartak, das die Saison als Vize­meister hinter Zenit St. Peters­burg abschloss.

Lars­sons plötz­liche Leis­tungs­ex­plo­sion mag für viele eine Über­ra­schung gewesen sein. Für Papa Henrik war sie nur die Bestä­ti­gung dessen, was er seinem Sohn immer gepre­digt hatte: Gib nie auf! Und glaub an dich. Er war wirk­lich gut diese Saison“, lobte Larsson senior den Filius vor einigen Tagen in der Sun. Er hat viele Tore geschossen und seiner Mann­schaft viele Punkte gesi­chert. Er hat gut gespielt. Ich habe so ziem­lich jedes Spiel gesehen und bin unglaub­lich stolz und unglaub­lich glück­lich über das, was er erreicht hat. Die Her­aus­for­de­rung besteht darin, genau so wei­ter­zu­ma­chen.“