Der Ex-Wolfsburger Thomas Kahlenberg hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Der Fall zeigt, dass ein einzelner Infizierter in einem Stadion eine gewaltige Kette an Konsequenzen auslösen kann – und liefert weitere wichtige Erkenntnisse.
Insgesamt 15 Mitarbeiter von Bröndby IF, drei Mitglieder der Lizenzspielerabteilung (darunter Abwehrspieler Joel Kabongo und Co-Trainer Martin Retov), denen Kahlenberg während seines Stadionbesuchs besonders nahe gekommen war, und außerdem gut 70 Tribünengäste, die während des Spiels in seinem Umkreis gesessen hatten, mussten vorsorglich isoliert werden.
Auch Familienvater Kahlenberg, der zwischen 2009 und 2013 insgesamt 39 Bundesligaspiele für den VfL Wolfsburg bestritt, befindet sich seit dem 2. März in Quarantäne: „Seit ich Symptome bekam und krank wurde, bin ich zu Hause isoliert und habe alles getan, worum ich gebeten wurde“, erklärte der 36-Jährige gegenüber „Eurosport Dänemark“. „Wir haben das Glück, ein Haus mit möbliertem Keller zu besitzen. Ich habe mich hier unten verbarrikadiert und bin dort seit letztem Mittwochabend isoliert. Meine Frau und unsere Kinder sind oben, sie kommen nicht zu mir herunter.“
„Es tut mir natürlich wahnsinnig leid, dass ich das Leben so vieler Leute so nachhaltig beeinträchtigt habe“
Das Leben, das Thomas Kahlenberg derzeit fristet, ist mindestens surreal: „Ich gucke die ganze Zeit durch das kleine Kellerfenster in den Garten, um zuzuschauen, wie meine Kinder dort spielen und herumlaufen. Aber sonst bin ich hier unten ganz alleine.“ Dass er, als derzeit prominentester von rund 400 Corona-Patienten in Dänemark, im Fokus der Öffentlichkeit steht, ist dem heutigen U19-Trainer von Hellerup IK vor allem peinlich: „Natürlich fühlt es sich seltsam an, bei dieser Show eine solch große Rolle zu spielen.“
Doch die Geschichte des Thomas Kahlenberg ist wichtig – auch und gerade mit Blick auf die (dänische) Öffentlichkeit. Denn sie liefert noch eine dritte und eine vierte Erkenntnis: Zum einen, dass das Virus offenbar nicht so hoch ansteckend ist wie etwa Masern oder Windpocken, denn von den besagten knapp 100 Menschen, die in Kahlenbergs Nähe gewesen waren, hat sich – Stand Mittwochmittag – offenbar keiner infiziert. Und: Corona wirkt sich auf Menschen jüngeren und mittleren Alters, die allgemein einen guten Gesundheitszustand aufweisen, in der Regel nicht allzu schwer aus. Kahlenberg erklärte, er fühle sich lediglich „wie bei einem grippalen Infekt“.
Und so ist der 46-malige dänische Nationalspieler in seinen Gedanken vor allem bei all den anderen Menschen, die sich nach seinem Stadionbesuch in die Isolation begeben mussten: „Es tut mir natürlich wahnsinnig leid, dass ich das Leben so vieler Leute so nachhaltig beeinträchtigt habe.“ Auch wenn Thomas Kahlenberg dafür, wie schon erwähnt, keinerlei Schuld trifft.