Eines vorweg: Natür­lich trifft Thomas Kah­len­berg keine Schuld an all dem Chaos, denn er konnte ja nicht wissen, dass er bereits mit Corona infi­ziert war. Ebenso wenig konnte er vor­aus­ahnen, welche Kon­se­quenzen sein Besuch des Liga-Derbys zwi­schen Bröndby IF und Lyngby BK nach sich ziehen würde. Fast 100 Men­schen waren betroffen. Sie alle befinden sich schon seit mehr als einer Woche in Qua­ran­täne. Und dort müssen sie noch ein paar Tage aus­harren. Zur Sicher­heit.

Der Fall Kah­len­berg“ zeigt zwei­erlei auf: Die erste, nicht ganz über­ra­schende Erkenntnis lautet, dass Profis und Ex-Fuß­baller auch nur Men­schen sind, vor denen ein Virus wie Corona nur bedingt Ehr­furcht zeigt. Die zweite Erkenntnis ist die, dass Geis­ter­spiele“ und Absagen ver­mut­lich unver­meidbar sind – denn schon ein ein­zelner Infi­zierter, der sich in ein voll­be­setztes Sta­dion begibt, kann eine kaum kon­trol­lier­bare Kette an Kon­se­quenzen in Gang setzen. Selbst dann, wenn er letzt­lich nie­manden ansteckt.

Die Tele­fone liefen heiß

Kah­len­berg, der sich ver­mut­lich wäh­rend einer pri­vaten Ams­terdam-Reise mit dem Virus infi­ziert hatte, besuchte kurz nach seiner Rück­kehr in die däni­sche Heimat das kleine Kopen­ha­gener Derby zwi­schen seinem frü­heren Arbeit­geber Bröndby und dem Lokal­ri­valen Lyngby (1:0). So wie mehr als 16.000 wei­tere Men­schen an jenem Sonntag, dem 1. März.

Nie­mand ahnte, dass sich ein Corona-Infi­zierter unter ihnen befand, denn zu diesem Zeit­punkt galt Däne­mark noch als weit­ge­hend COVID-19-frei. Der erste Däne, der sich ange­steckt hatte, war Jakob Tage Ram­lyng, ein Jour­na­list des staat­li­chen Fern­seh­sen­ders TV2. Das war Ende Februar, im Anschluss an einen pri­vaten Urlaub in Nord-Ita­lien.

Als Thomas Kah­len­berg sich am Morgen des 2. März schlapp und kränk­lich fühlte, riet ihm seine Frau, sich ein wenig hin­zu­legen. Als dann am 3. März Corona dia­gnos­ti­ziert wurde, liefen in Rekord­zeit zig Handys und Fest­netz­ap­pa­rate heiß: Jeder Sta­di­on­be­su­cher oder ‑Mit­ar­beiter, der vor, wäh­rend oder nach dem Spiel Kah­len­bergs Hand geschüt­telt, ihn umarmt oder sich länger als 15 Minuten mit ihm unter­halten hatte, sollte sich tele­fo­nisch bei Bröndby IF melden. Umge­hend. Der Klub ver­wies die Betrof­fenen dann weiter an die zustän­digen Gesund­heits­ämter.