Dagur Sigurdsson, Sie haben als Jugend­li­cher sieben Mal für die islän­di­sche U17-Natio­nalelf gespielt. Waren Sie sei­ner­zeit davon über­zeugt, Fuß­ball­profi zu werden?
Ich habe damals über­haupt nicht an die große Pro­fi­kar­riere gedacht, weder im Fuß­ball noch im Hand­ball. Dafür hätte ich alleine ins Aus­land ziehen müssen, und das konnte ich mir mit 17, 18 Jahren nicht vor­stellen.

Sie schwärmen bis heute von einem Match mit der U17 gegen Eng­land. Warum haben Sie sich trotzdem für den Hand­ball ent­schieden?
Man darf nicht ver­gessen, dass Hand­ball in Island der grö­ßere Sport war. Die Natio­nal­mann­schaft erfuhr mehr Aner­ken­nung als die der Fuß­baller. Heute ist das anders, jetzt sind sie auf Augen­höhe. Aber tra­di­tio­nell sind die Hand­baller in Island die großen Helden: Sie spielen Welt- und Euro­pa­meis­ter­schaften, sie gehen zu Olympia.

Ihr Vater war islän­di­scher Fuß­ball-Natio­nal­tor­wart. Hat er nicht ver­sucht, Sie zu beein­flussen?
Null. Er hat meine Brüder und mich toll unter­stützt, aber nie die Rich­tung vor­ge­geben. Mein einer Bruder ist beim Fuß­ball geblieben und auch Tor­wart geworden. Aber meine Mutter war Hand­bal­lerin und mein Freun­des­kreis auch eher von der Hand­ball­frak­tion. Das hat bei der Ent­schei­dung eine große Rolle gespielt.

Warum?
Wir waren richtig erfolg­reich. Da waren Spieler wie Ólafur Ste­fánsson dabei, der später Tor­schüt­zen­könig bei der Hand­ball-EM wurde. Wir haben in der Clique von klein auf bei Valur Reyk­javik mit­ein­ander gespielt und sind bis zur ersten Mann­schaft zusam­men­ge­blieben. Die Hälfte von uns hat es später in die Natio­nal­mann­schaft geschafft.

Ihr Vater hat in den Sieb­zi­gern mit Island in der WM-Qua­li­fi­ka­tion gegen Hol­land gespielt.
Nicht nur das. Er war am viel­leicht legen­därsten Spiel in der islän­di­schen Fuß­ball­ge­schichte betei­ligt, einem 0:0 von Valur im Euro­pa­pokal gegen Ben­fica. Mit Eusébio! Über dieses Spiel wird noch heute gespro­chen.

Haben Sie als Junge rea­li­siert, dass Ihr Vater ein kleiner Fuß­ball­held war?
Er war kein kleiner, son­dern ein Rie­sen­held. Jeder in Island hat ihn gekannt. Und er hat gegen Eusébio gespielt, quasi der Messi der dama­ligen Zeit. Er stand auch gegen Nord­ir­land mit George Best im Tor. Glauben Sie mir, ich war lange nur der Sohn von Sigurdur Dagsson.

Kann man Hand­ball und Fuß­ball mit­ein­ander ver­glei­chen?
Es gibt viele ähn­liche Ele­mente, und es ist nicht schwer, vom einen zum anderen zu wech­seln. Ich habe das früher jeden Sommer und Winter gemacht. Und viele Hand­baller können ziem­lich gut kicken.

Was ist der größte Unter­schied?
Der stän­dige Kör­per­kon­takt.

Würden sich Fuß­ball­profis beim Hand­ball umgu­cken?
Im Fuß­ball gibt es auch schlimme Fouls: Tack­lings von hinten oder aus­ge­fah­rene Ell­bogen. Aber was für Hand­baller schlimm ist, sind die vielen Knie­ver­let­zungen, ver­ur­sacht durch unfrei­wil­lige Rich­tungs­än­de­rungen, wenn man hoch­ge­sprungen ist.

Gibt es eigent­lich Schwalben im Hand­ball?
Sehr wenige. Das ist eine Frage von Moral und Respekt.

Sind diese Werte im Fuß­ball ver­lo­ren­ge­gangen, weil es um so viel Geld geht?
Ein biss­chen ist das schon eine kul­tu­relle Geschichte. Außerdem spielt sicher eine Rolle, dass es im Fuß­ball viel mehr auf die eine Situa­tion ankommt.

Haben Sie sich als Hand­ball­trainer schon mal etwas vom Fuß­ball abge­schaut?
Wenn, dann unbe­wusst.