Fre­deric Graus, das Lud­wigs­park­sta­dion hat das letzte Spiel in seiner Urver­sion hinter sich – ein 4:0 in der Regio­nal­liga Süd­west gegen Stein­bach. Mit wel­chem Gefühl ver­lassen die Saar­brü­cker Fans das Sta­dion?
Mit einem lachenden und einem wei­nenden Auge. Einer­seits freuen wir uns, dass es in Sachen Sta­di­on­neubau kon­kret wird. In Saar­brü­cken wird seit 20 Jahren über einen Neubau gespro­chen, aber jetzt haben wir zum ersten Mal das Gefühl, dass tat­säch­lich etwas pas­siert. Ande­rer­seits sind wir Fans traurig, dass wir das traute Umfeld ver­lassen müssen. Wir haben viel darin erlebt, davon Abschied zu nehmen, war schon ein emo­tio­naler Moment. Aber man muss sagen: Tra­di­tion ist schön und gut, aber im Pro­fi­fuß­ball kann man sich auch in Saar­brü­cken nichts mehr davon kaufen.

Also sehen auch die Ultras ein, dass ein Umbau unum­gäng­lich ist?
Ja, ein Groß­teil der Fan­szene hat es ver­standen. Die Zustände waren teil­weise nicht mehr zumutbar, die Toi­letten sind noch aus den 50er-Jahren. Des­wegen muss da ein­fach mal was pas­sieren. Natür­lich wollen die Ultras den Cha­rakter des urspüng­li­chen Lud­wigs­park­sta­dions bei­be­halten, aber auch sie würden es wohl ganz cool finden, eine Tri­büne über dem Kopf zu haben, weil dann auch die Stim­mung besser ist.

Was macht den Charme des Sta­dions aus?
Sehr cha­rak­te­ris­tisch für den Lud­wigs­park sind die frei­ste­henden Flut­licht­masten, die teils schon arg ange­rostet sind. Nur die Haupt­tri­büne und die Gegen­ge­rade sind über­dacht. Wenn man im Fan­block steht und es regnet, dann steht man knie­tief im Matsch. Auch die Stehränge haben ihren Charme, die wurden aus dem Schutt des Zweiten Welt­kriegs erbaut. Im Lud­wigs­park­sta­dion hat sich ein kleines Biotop ange­sam­melt, es gibt überall Unkraut, das vom Verein nur noch selten ent­fernt wird. So etwas trägt zum Flair des Parks bei. Auf der Haupt­tri­büne gibt es Spre­cher­ka­binen mit ein­ge­schla­genen Wänden, die seit Jahren nicht repa­riert wurden. Da sind auch noch die Heiz­körper aus den 50ern drin. Auch ein paar Sitz­bänke auf den Tri­bünen sind noch von damals. Das gibt es in Deutsch­land in dieser Form nicht mehr oft.

Und all das fällt dem Umbau jetzt zum Opfer?
Nein, es gibt Über­le­gungen, dass einige alte Ele­mente erhalten werden sollen, zum Bei­spiel die Anzei­ge­tafel aus den 70ern und die alten Flut­licht­masten.

Wie war die Atmo­sphäre im Sta­dion?
Grund­sätz­lich ist es schwierig, mit 4000 Zuschauern und ohne Dach über dem Fan­block eine gute Stim­mung zu erzeugen. Beim letzten Spiel gegen Stein­bach war die Atmo­sphäre aber so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Fans haben gemerkt, dass es nochmal um den Lud­wigs­park geht und sie sich zusam­men­raufen müssen. Die Ultras haben ihren Boy­kott in den ersten 19:03 Minuten unter­bro­chen und die Stim­mung ist auf alle Zuschauer über­ge­schwappt. Die Haupt­tri­büne hat mit­ge­macht, es gab Anfeue­rungs­rufe, wie man sie zuletzt selten gehört hat.

Es waren aber nur knapp 3800 Zuschauer da.
Ja, das war für das letzte Spiel natür­lich mau und lag auch daran, dass die Fans unter­ein­ander ziem­lich zer­stritten sind. Das Fantum ist sich uneins. Es gibt einige Gegner der Ultra­gruppe, die deren Gesänge kri­ti­sieren und sie als ein­schlä­fernd und ein­tönig emp­finden. Diesen Ein­druck kann ich aller­dings nicht teilen.