Mike Brett, würden Sie sich als Fan der Natio­nal­mann­schaft von Ame­ri­ka­nisch-Samoa bezeichnen?
Das Wort Fan würde nicht aus­rei­chen, um unsere Ver­bin­dung mit den Spie­lern von Ame­ri­ka­nisch-Samoa aus­rei­chend zu beschreiben. Sie sind wie eine Familie für uns.

Wie viel Zeit ver­brachten Sie bei Ihrer neuen Familie, um Ihren Film Next Goal Wins“ zu rea­li­sieren?
Wir flogen zwei Mal für je zwei Monate in den Süd­pa­zifik. Beim ersten Besuch im Jahr 2011 spielte das Team noch um die Pazifik-Meis­ter­schaften. Aber auch dort schied das Team tor- und punktlos in der Vor­runde aus. Gegen Neu­ka­le­do­nien und Vanuatu, eben­falls nicht gerade die Groß­mächte im Fuß­ball, verlor die Mann­schaft jeweils 0:8. Als wir wenige Monate später das zweite Mal anreisten, hatte der Hol­länder Thomas Rongen den Trai­ner­posten über­nommen. Er hatte bis dahin vor­nehm­lich in Nord­ame­rika trai­niert, Teams wie D.C. United, Toronto FC oder die U20-Natio­nelf der USA. Er sollte nun den Samoanern helfen, end­lich mal ein Erfolgs­er­lebnis zu feiern.

Eine schwie­rige Auf­gabe. 
Absolut, schließ­lich hatte die Mann­schaft seit 1983 alle Spiele ver­loren. Nach dem 0:31 gegen Aus­tra­lien im April 2001 gab es Ergeb­nisse wie 0:11 gegen Fidschi oder 1:12 gegen die Solo­monen Inseln. Doch Rongen gelang es, der Mann­schaft Selbst­ver­trauen zu geben. Im November 2011 gewann sie sen­sa­tio­nell 2:1 gegen Tonga. Wenige Tage später schaffte sie ein 1:1 gegen die Cook Inseln.

Was ist er für ein Typ?
Im ersten Moment mag er ein wenig furcht­ein­flö­ßend wirken. Doch schnell merkten wir, dass er sein ganzes Herz der Ver­bes­se­rung des Team wid­mete. Das ist schon des­halb schwierig, weil die Mann­schaft kaum Erfah­rungen sam­meln kann. Das letzte Spiel fand etwa Ende 2011 statt. Freund­schafts­spiele kommen selten zustande, da die Reisen aus dem Süd­pa­zifik viel zu teuer, lang und kom­pli­ziert sind. Aller­dings wird die Mann­schaft an den Qua­li­fi­ka­ti­ons­spielen zur WM 2018 teil­nehmen. Los geht’s Ende August 2015, Ame­ri­ka­nisch Samoa ist in einer Gruppe mit Tonga, den Cook Inseln und Samoa. Nach den letzten Ergeb­nissen kann man sagen: Das ist machbar.

Ame­ri­ka­nisch-Samoa gilt trotz der letzten Erfolge als Lach­nummer im inter­na­tio­nalen Fuß­ball. Hatte der Ver­band nicht Sorge, dass Sie eine Comedy drehen?
Durchaus. Es gab in der Ver­gan­gen­heit ja schon einige Fil­me­ma­cher, die den Ver­band kon­tak­tiert haben. Doch dort herrschte immer sehr großes Miss­trauen. Wir hin­gegen konnten die Ver­ant­wort­li­chen davon über­zeugen, dass wir es ernst meinen. Dar­aufhin sicherten sie uns zu, dass wir den Film machen können.

Wie haben Sie es geschafft die Mann­schaft und den Trainer von den Dreh­ar­beiten zu über­zeugen?
Wir haben unseren Worten Taten folgen lassen. Zu viert sind wir in den Flieger gestiegen und haben 10.000 Meilen zurück­ge­legt. Ich erin­nere mich noch an die erste Nacht: Der Chef des Ver­bandes rief das Team zusammen, in einem Kreis sit­zend redete er auf samo­anisch auf die Spieler ein. Dann stand er auf, drehte sich zu uns um und sagte: Ihr Eng­länder liebt den Fuß­ball genauso wie wir es tun – ihr seid nun Teil der samo­ani­schen Familie!“

Sind noch Akteure aktiv, die bei der 0:31-Niederlage gegen Aus­tra­lien dabei waren?
Ja, der wich­tigste von allen: Tor­hüter Nicky Salapu. Er hütet immer noch den Kasten. Ein unglaub­li­cher Kerl! Mit seinen Paraden hat er in vielen Begeg­nungen eine höhere Nie­der­lage ver­hin­dert.

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Inter­view: Mat­thias Biesel
Die Doku­men­ta­tion Next Goal Wins“ ist heute und Samstag beim Fuß­ball­film­fes­tival 11mm zu sehen. Wei­tere Infos und Tickets bekommt ihr hier »