Seite 2: Im Zweifel konnte man den Roten sogar mal einen Erfolg gönnen

In der ver­gan­genen Woche machten es die Bayern allen Geg­nern leicht, wieder voller Wut und Abscheu auf sie zu bli­cken. Nicht genug, dass der gesamte Bun­des­liga-Spieltag in ihrem Sinne umstruk­tu­riert wurde: Um früh­zeitig zur Klub-WM in den Wüs­ten­staat Katar zu reisen, wurde das Match gegen Hertha eine halbe Stunde früher ange­pfiffen als üblich. An den Aus­wärts­sieg in Berlin schloss sich ein Eklat an, der in allen Schat­tie­rungen deut­lich machte, dass zumin­dest Vor­stands­boss Rum­me­nigge und Uli Hoeneß ver­in­ner­licht haben, dass für den Klub und seine Expo­nenten andere Regeln gelten als für den Nor­mal­bürger.

Zur Erin­ne­rung: Der Abflug nach Doha sollte um 23.29 Uhr erfolgen. Doch die Abreise ver­zö­gerte sich bis nach Mit­ter­nacht, wor­aufhin das Nach­flug­verbot in Berlin-Bran­den­burg griff und die Münchner sieben Stunden auf der Roll­bahn nahe der Haupt­stadt warten mussten, ehe sie abheben durften.

Vor­stands­boss Rum­me­nigge zürnte: Wir fühlen uns von den zustän­digen Stellen bei der bran­den­bur­gi­schen Politik total ver­arscht. Die Ver­ant­wort­li­chen wissen gar nicht, was sie unserer Mann­schaft damit angetan haben.“ Uli Hoeneß sprach von einem Skandal ohne Ende“ und einer Unver­schämt­heit der Ver­ant­wort­li­chen“. In seiner Brand­rede beim Baye­ri­schen Rund­funk wies er explizit darauf hin, dass der Klub ein Aus­hän­ge­schild des deut­schen Fuß­balls sei und diesen in Katar würdig ver­treten solle.

Eine Kako­phonie aus wirk­lich­keits­fernen Kom­men­taren

Dass es gel­tende Gesetze für den Flug­ver­kehr gibt, die Mil­lionen deut­scher Rei­sende so oder in ähn­li­cher Form schon zu spüren bekommen haben, reflek­tierte keiner der beiden. Auch nicht, dass Rege­lungen zu Nacht­flügen ins­be­son­dere Werk­tä­tigen dienen, die früh­mor­gens auf­stehen müssen, um ihren Lebens­un­ter­halt zu ver­dienen. Men­schen also, die unter ver­schärften Corona-Bedin­gungen ihren Dienst tun und dabei zumeist auf alle Pri­vi­le­gien der Bun­des­li­gisten ver­zichten müssen. Und davon abge­sehen aktuell auch keine Mög­lich­keit haben, einen Abste­cher ins Aus­land zu machen. Auch nicht in ein Land wie Katar, das bekannt ist für seinen mit­unter eher lachsen Umgang mit Men­schen­rechten. Und dessen Part­ner­schaft mit dem FC Bayern selbst vom eigenen Anhang stark kri­ti­siert wird. Dass Thomas Müller von dieser Reise in einem spe­zi­ellen Pri­vat­flieger nach Hause kam, weil er sich mit Corona infi­ziert hatte, warf einen zusätz­li­chen Schatten auf die Expe­di­tion.

Der epo­chale Erfolg, den das Bayern-Team in Doha erzielte, geriet in dieser Kako­phonie aus wirk­lich­keits­fernem Gehabe, Beharren auf Son­der­rechten und dumm­dreisten Kom­men­taren, fast zur Fuß­note. Dabei ist es Hansi Flick gelungen, den FC Bayern in 15 Monaten Amts­zeit von Platz vier der Bun­des­liga zu allen sechs denk­baren Titel zu führen. Mit einer Zurück­hal­tung und einer reflek­tierten Mode­ra­tion übri­gens, die gar nicht zu den Äuße­rungen der Bosse in den letzten Tage passt. 

Dass sich aus­ge­rechnet der nette Herr Flick im Nach­gang öffent­lich mit dem SPD-Gesund­heits­ex­perten Karl Lau­ter­bach anlegte, der bekun­dete, dass er es als Signal ver­hee­rend“ fände, dass die Mann­schaft nach Mül­lers Posi­tiv­tes­tung noch das Klub-WM-Finale bestritten habe, fügt sich in die Abfolge der Ereig­nisse. Flick zürnte: Der Herr Lau­ter­bach hat immer zu allem einen Kom­mentar abzu­geben. Wenn ich nicht in der Ver­ant­wor­tung stehe und mir nur das Ergebnis anschaue, kann ich das immer leicht bewerten.“ 

Das alte FCB-Rezept: Ihr seid ihr, mia san mia!

Und als wolle auch das Bayern-Manage­ment nach­weisen, dass es den Kurs­wechsel zurück zur Breit­bei­nig­keit mit­geht, wurde am Sams­tag­nach­mittag etwa zwanzig Minuten vor Spiel­be­ginn durch­ge­sto­chen, dass Dayot Upa­me­cano zur neuen Saison aus Sachsen an die Isar wech­selt. Was Julian Nagels­mann nur mit einem iro­ni­schen Lächeln kom­men­tierte, als seien die arro­ganten Sti­che­leien der Bayern für den jungen Leip­ziger Coach ein alt­be­kannter Hut.

Gleich­wohl holten sich die Bayern in Katar trotz sieben Stunden War­te­zeit den Titel als beste Ver­eins­mann­schaft der Welt ab. Sport­lich sind die Münchner über jeden Zweifel erhaben – und auch sonst haben sie sich clever durch die Corona-Krise laviert.

Doch unbestreibar ist, dass Rum­me­nigge und Hoeneß mit ihren affekt­ge­steu­erten Äuße­rungen das öffent­liche Bild des Klubs beschä­digen. Bis­lang ist von keinem der beiden Granden eine Ent­schul­di­gung in der Flug­hafen-Causa akten­kundig. Nicht mal das Ein­ge­ständnis, in der Sache übers Ziel hinaus geschossen zu sein. Was ange­sicht des Sex­tu­ples eigent­lich kin­der­leicht gewesen wäre.

Die beiden Geburts­helfer der Bayern-Arro­ganz können nicht aus ihrer Haut. Für sie gilt auf ewig das FCB-Mantra: Ihr seid ihr, mia san mia!