Der FC Schalke 04 kommt der­zeit nicht zur Ruhe. Nicht nur sport­lich hat der Klub in der Rück­runde einen veri­ta­blen Absturz hin­ge­legt. Auch abseits des Platzes geben die Schalker der­zeit kein gutes Bild ab. 

Am Mitt­woch war öffent­lich geworden, dass der Verein seinen Fans das Geld für bereits erwor­bene Tickets für die Geis­ter­spiele dieser Saison nur dann vor dem 1. Januar 2022 zurück­er­stattet, wenn diese einen eigens dafür ange­fer­tigten Här­te­fall­an­trag aus­füllen. Darin sollen sie begründen, warum sie das Geld schon zwin­gend jetzt brau­chen und im besten Fall gleich Belege dafür ein­rei­chen. 

„Unper­sön­liche und wenig empa­thi­sche For­mu­lie­rungen“

Bei vielen Fans sorgte der Verein mit diesem Vor­gehen für Empö­rung. Schämt ihr euch eigent­lich nicht?“, fragte etwa der Sup­por­ters Club bei Face­book in einem offenen Brief an die Schalker Ver­ant­wort­li­chen. Ihr seid nicht die Schufa, ihr seid keine Bank die Kre­dite ver­gibt, ihr seid nicht die AfA und zahlt Hartz IV aus! Wel­ches Recht nehmt ihr euch eigent­lich heraus? IHR seid die Bitt­steller! IHR seid die Bettler! Die Mit­glieder und Fans sind eure Bank, eure AfA, eure Lebens­ver­si­che­rung!“ Weiter kri­ti­siert die Fan­or­ga­ni­sa­tion, dass der Klub in der Ange­le­gen­heit nicht den Dialog mit seinen Anhän­gern gesucht habe. 

Am späten Mitt­woch­abend äußerten sich dann auch die Schalker zum Thema. In einer Mit­tei­lung auf seiner Home­page gestand der Klub Fehler im Umgang mit Ticket­rück­erstat­tungen“ ein und ent­schul­digte sich für unper­sön­liche und wenig empa­thi­sche For­mu­lie­rungen“. Gleich­zeitig ver­wies der Verein darauf, sich mit der Rück­erstat­tung in Form von Gut­scheinen am Gesetz zur Abmil­de­rung der Folgen der COVID-19-Pan­demie im Ver­an­stal­tungs­ver­trags­recht“ zu ori­en­tieren. 

Bei der kon­kreten Umset­zung der Här­te­fall-Rege­lungen ruderten die Schalker aber zurück: Es steht außer Frage, dass Schalke 04 jeden Antrag von Fans, die aus wirt­schaft­li­chen Gründen auf eine sofor­tige Rück­erstat­tung des Ticket­preises ange­wiesen sind, wohl­wol­lend bear­beiten wird. Es wird nie­mand Belege ein­rei­chen müssen.“ Es werde nie­mand kon­trol­liert“.

Nach­fol­gend der offene Brief des FC Schalke 04 Sup­por­ters Club e.V. im Wort­laut

Liebe Ver­ant­wort­liche beim S04!

Unserem Verein geht es finan­ziell nicht gut, das ist nicht erst seit oder wegen Corona so, son­dern wurde dadurch nur ver­schärft.

Das dürfte jedem Schalker bekannt sein.

Nun war es auch in der Ver­gan­gen­heit so, dass die Mit­glieder und Fans so man­ches Opfer für ihren Verein erbracht haben, oft­mals auch über ihre eigenen Ver­hält­nisse. Egal ob Tickets, Mer­chan­di­sing, Ver­zehr in der Arena, Zeichnen von Fan­an­leihen, Bau­steinen, etc. pp.

Nicht erst in den letzten Jahren, son­dern schon seit Jahr­zehnten, eigent­lich schon immer!

Auch jetzt ver­zichten viele Fans auf ihr recht­mä­ßiges Geld, auf Rück­zah­lungen, das ihnen wegen nicht erbrachter / zu erbrin­gender Gegen­leis­tung eigent­lich zustehen würde.

Sie schenken dem Verein das Geld, oder bekommen ein Trikot oder stunden dem Verein den Betrag zinslos bis er irgend­wann mal mit der neuen Dau­er­karte ver­rechnet wird.

Dass die Art der Auf­for­de­rung sei­tens der Ver­ant­wort­li­chen (eine Bitte war es ja nicht wirk­lich) dazu schon min­des­tens frag­würdig war – geschenkt! Es haben trotzdem unzäh­lige Mit­glieder und Fans gemacht! Dem Verein geholfen, ihn somit unter­stützt, so wie schon seit 116 Jahren!

Dass der­zeit aber nicht nur der S04 finan­ziell arg gebeu­telt ist, son­dern auch eine Viel­zahl seiner Mit­glieder und Fans, das scheint bei den Ver­ant­wort­li­chen im Verein nicht ange­kommen zu sein.

Erst auf Nach­fragen hat man Rück­mel­dungen bekommen, dass man sein Geld natür­lich auch im Rahmen einer Här­te­fall­re­ge­lung zurück bekommen kann.

Dass der Verein, bzw. die han­delnden Per­sonen es jetzt end­lich geschafft haben, offi­ziell eine solche Här­te­fall­re­ge­lung zu publi­zieren, ist somit grund­sätz­lich und eigent­lich ein guter und not­wen­diger Schritt.… aber bitte, was hat euch geritten, dies in dieser Form, Art und Weise zu tun?

Die Mit­glieder und Fans sollen vor euch ihre finan­zi­elle Situa­tion offen­legen, die Hosen vor euch runter lassen und quasi eine Art Offen­ba­rungseid euch gegen­über abgeben!

SCHÄMT IHR EUCH EIGENT­LICH NICHT???

Ihr seid nicht die Schufa, ihr seid keine Bank die Kre­dite ver­gibt, ihr seid nicht die AfA und zahlt Hartz IV aus! Wel­ches Recht nehmt ihr euch eigent­lich heraus?

IHR seid die Bitt­steller! IHR seid die Bettler!

Die Mit­glieder und Fans sind eure Bank, eure AfA, eure Lebens­ver­si­che­rung!

Ihr redet immer von Dialog auf Augen­höhe“!

Den gibt es dabei schon seit Jahren nicht mehr, aber das jetzt über­trifft alles bisher Dage­we­sene!

Wenn ein Ver­eins­mit­glied sagt, es möchte sein Geld zurück und zwar schnellst­mög­lich und nicht erst in Monaten, dann ist das sein gutes Recht und es muss euch gar nichts begründen!

Wenn es frei­willig angibt ich brauche die Kohle gerade selber“, dann ist das ja wohl voll­kommen aus­rei­chend! Aber selbst das müsste es nicht.

Dann dürft ihr diesem Fan/​Mitglied auch ein­fach mal glauben, ohne dass dieses sich vor euch nackig machen muss!

Dialog auf Augen­höhe!

Und glaubt es ein­fach: auch dann würden die aller­meisten euch wahr­schein­lich das Geld über­lassen! Augen­höhe – Ver­trauen!

Auf jeder Mit­glie­der­ver­samm­lung müssen wir euch ja auch diverse Geschichten abnehmen, ohne das ihr mal tat­säch­lich die Hosen runter lasst!

Nicht dass ihr die Hilfe der Mit­glieder und Fans in Anspruch nehmen wollt ist das Pro­blem, es ist mal wieder und wie so oft in den letzten Jahren die Art und Weise wie ihr mit diesen umgeht!

Viel­leicht solltet ihr dem­nächst mal VORHER das Gespräch mit euren Mit­glie­dern und Fans suchen, sie mit ein­be­ziehen, dann findet man sicher­lich auch einen gemein­samen Weg.

Über­legt mal, ob ihr nicht auf diesen Weg zurück kommen wollt. Die Mit­glieder und Fans haben sich einem offenen Dialog eigent­lich nie ver­schlossen.

Aber der Kumpel- und Malo­cher-Club exis­tiert bei euch seit län­gerer Zeit leider nur noch im Mar­ke­ting!

Die Leute schämen sich inzwi­schen, nicht für den S04, aber sehr wohl für die ver­ant­wort­li­chen Per­sonen in Vor­stand und Auf­sichtsrat!

Shame on you! Ihr seid nur noch pein­lich!