Ein son­niger Sonn­tag­morgen an der Säbener Straße. Nach seiner Monu­men­tal­kritik am Fuß­ball-Sach­ver­stand der meisten Jour­na­listen lädt Bayern-Trainer Louis van Gaal zur Tak­tik­nach­hilfe. Dem Ruf folgen die Schwer­ge­wichte des Geschäfts. Wir haben dem geballten Sach­ver­stand gelauscht.



Säbener Straße, 11:45 Uhr:

Louis van Gaal (das Wort ergrei­fend): Hoi Jour­na­listen. Ich kenne einige von Ihnen noch nicht. Des­wegen schlage ich vor, dass wir uns alle kurz vor­stellen. Mein Name ist Louis van Gaal, ich bin Trainer, ein richtig goeder, von einer richtig goeden Mann­schaft, die selbst dann goed spielt, wenn sie nicht goed spielt. Der nächste, bitte. 

Beck­mann (forsch): Louis, dürfte ich Dir direkt mal eine Frage stellen? Ich stelle mir Deine Arbeit…

Van Gaal (strikt): Kennen wir uns? Ich sage auch nicht Du. Wir sagen Sie. Und jetzt vor­stellen. Keine Fragen.

Beck­mann (klein­laut): Hm, nun gut. Ich bin Rein­hold Beckman, das Gesicht der ARD, ran-Erfinder, Ästhet.

Töp­per­wien (dazwi­schen fun­kend): Rein­hold? Wird dein Vor­name nicht Reinold aus­ge­spro­chen, ganz ohne h? Nur so eine Frage.

Beck­mann (aus­ho­lend): Ich stelle mir meinen Namen immer so vor wie ein Boot, das ganz langsam auf einen See hin­aus­fährt. Mein Name ist dann wie ein langer Schleier aus Nebel und Wasser. Er duftet nach fri­scher Mor­gen­luft.

van Gaal (kurz ange­bunden): Ist gut jetzt. Also Herr Beck­mann, Herr Töp­per­wien. Fehlen noch zwei. Den Herren mit den blonden Haaren kenne ich vom Wochen­ende. Wie heißen Sie noch einmal, Ahnungs­loser?

Nickles (tro­cken): Nickles, Dieter Nickles, Herr van Gaal.

Reif (genervt): Freunde, wenn wir hier so anfangen, dann können wir gleich ein­pa­cken. Das hat nichts mit Fuß­ball zu tun. Also lasst uns anfangen. Ich soll hier arbeiten.

van Gaal: Sehr gut. Fangen wir an. Erstes Thema: Abseits­falle. Wir spielen auf einer hori­zon­talen Linie, der Vie­rer­kette.

Nickles (mur­melnd mit­schrei­bend): Vie-rer-ket-te.

Van Gaal: Im Zen­trum bestimmen Herr Demi­chelis und Herr van Buyten in der Regel wann Abseits gestellt wird. Es ist eine Frage der Raum­auf­tei­lung.

Reif (nuschelnd): Alter Hut.

Nickles (mur­melnd mit­schrei­bend): De-mi-che-lis. Raum-auf-tei-lung.

Van Gaal (pro­fes­soral): Wir rücken auf Kom­mando raus und dann kommt der Pfiff vom Schieds­richter.

Töp­per­wien (blitz­schnell): Zum Bei­spiel von Lutz Wagner vom SV 07 Kriftel. Der ange­stellte Fer­ti­gungs­leiter ist ein tadel­loser Unpar­tei­ischer.

Van Gaal: Ruhe bitte. Hat jemand dazu eine Frage?

Beck­mann (inves­ti­gativ): Mich würde inter­es­sieren wie sie sich fühlen, wenn eine Abseits­falle zuschnappt. Ich stelle mir das so vor, als wenn einer meiner Witze beim Publikum ankommt. Dieses sel­tene, warme Gefühl im Magen, die schwit­zigen Hände…

Reif (noch genervter): Freunde…

Van Gaal (stak­ka­to­artig): Eine Abseits­falle ist eine Abseits­falle. Mehr nicht. Kommen wir zum nächsten Thema: Ball­be­sitz. Unser Ziel ist die totale Kon­trolle des Spiels. Wir wollen den Ball so lange wie mög­lich in den eigenen Reihen zir­ku­lieren lassen. Dazu brau­chen wir goede Spieler wie Schwein­s­teiger, van Bommel und Tymoscht­schuk.

Töp­per­wien (ein­ha­kend): Inter­es­sant. Übri­gens Tymoscht­schuk wird ja oft falsch aus­ge­spro­chen, da muss man die Beto­nung hauch­zart auf das erste SCH legen und das T dann hart aus­spre­chen. Wird oft falsch gemacht. Kar­di­nals­fehler.

Nickles (mur­melnd-mit­schrei­bend): Ti – mosch- tschukk

Van Gaal: Wir spielen per­fekt, wenn wir 100 % der Zeit den Ball haben. Das ist das Ziel, wir müssen Kon­trolle haben vom Anpfiff bis zum Abpfiff des Schieds­rich­ters.

Töp­per­wien (alt­klug): Zum Bei­spiel von Peter Gagel­mann vom ATSV Sebalds­brück Der Ange­stellte im Ver­an­stal­tungs­ma­nage­ment ist ein Vor­bild an Dis­zi­plin und Ord­nung.

Reif (pol­ternd): Freunde. Was ist das alles hier. Wo ist der Sinn? Das ist meine wert­volle Zeit. Ich habe 1000 Spiele kom­men­tiert. Ich weiß, was eine Abseits­falle ist. Ich weiß, was Ball­be­sitz ist. Ich habe schon in Madrid kom­men­tiert, als vor dem Spiel das Tor umge­fallen ist. Wer will mir denn noch etwas bei­bringen?

Steht auf und geht.

Nickles (mur­melnd-mit­schrei­bend): Ma-drid.

Van Gaal (grol­lend): Dieser Mann hat keine Ahnung. Von gar nichts. Ist noch jemand der Mei­nung, er könne hier nichts lernen?

Beck­mann (ein­fühlsam): Herr van Gaal, was ver­stehen Sie unter lernen? Ich beob­achte Sie genau, kann Sie förm­lich lesen. Ich stelle mir vor, ich wäre Sie und gleich­zeitig wäre ich Rein­hold Beck­mann. Das ist ein­fach wahn­sinnig intensiv. Was meinen Sie?

Van Gaal (auf­brau­send): Ich finde das unglaub­lich. Ich meine, dass ich hier heute eine her­vor­ra­gende Leis­tung gezeigt habe. Als Fuß­ball­lehrer. Ich war viel besser als in die »Aktu­elle Sport­studio«, besser als gegen Nürn­berg, aber Sie hören nicht zu. Das finde ich unglaub­lich.

Töp­per­wien (applau­die­rend): Bravo Louis. Du bist der Größte. So wie Deniz Aytekin, der Betriebs­wirt vom TSV Alten­berg oder…
 
Van Gaal (plat­zend): Das war es. Ich habe gesagt, dass wir Sie sagen. Und knöpfen Sie mal ihr Hemd zu. Das ist ja uner­träg­lich.

Ver­lässt den Raum.

Beck­mann (ver­bes­sernd): Rolf, da hast Du zu viel gewollt. Warst zu nah dran. Ich stelle mir das so vor, als ob…

Töp­per­wien (abwin­kend): Lass mich in Ruhe, Du Schlau­meier. Ich geh in die Kan­tine. Hier an der Säbener Straße gibt es immer lecker Weiß­wurst. Und Weiß­bier für lau.


Mün­chen 18:00 Uhr, Handy von Dieter Nickles

SMS senden an: Töppi, Rein­hold, Marcel, Herr van Gaal

»Hallo Leute,
wollte mich für das Treffen heute bedanken. Hat mir echt was gebracht. Wann treffen wir uns das nächste Mal?«

Mün­chen 18:01 Uhr, Handy von Rolf Töp­per­wien

Ant­worten an: Blonder Dumm­kopf

»Hsd.zf.uzfgknv.mxhb,h«

Mün­chen 18:02 Uhr, Handy von Louis van Gaal

Ant­worten an: Blonder Dumm­kopf

»Löschen Sie meine Nummer und spre­chen Sie mich nie wieder an.«