Was hat der FC Schalke mit einem Klub namens Cruz Azul zu tun, der 1927 in einer mexi­ka­ni­schen Klein­stadt gegründet wurde? Auf den ersten Blick: nada. Auf den zweiten Blick: cero. Auf den dritten Blick: Hm. Okay, da wären die Ver­eins­farben (Cruz Azul heißt Blaues Kreuz“). Auf den null­vierten Blick: Nun, wenn man genau dar­über nach­denkt… Am Sonntag musste Cruz Azul in einem sehr wich­tigen Spiel auf seinen Tor­wart ver­zichten, weil der positiv auf COVID-19 getestet worden war. Das ist die Art von Mal­heur, die gerade typisch für Schalke wäre, denn besagter Schluss­mann heißt José de Jesús Corona.

Die sehr wich­tige Partie war das Rück­spiel im Halb­fi­nale der mexi­ka­ni­schen Meis­ter­schaft. Genauer gesagt, die erste der zwei Meis­ter­schaften, die in dem Land pro Jahr statt­finden. Bei ihr qua­li­fi­zieren sich acht Mann­schaften für die Play­offs, die in Hin- und Rück­spiel aus­ge­tragen werden und für die in den ersten beiden Runden eine Son­der­regel gilt: Bei Punkt- und Tor­gleich­heit gibt es keine Ver­län­ge­rung, son­dern die Elf, die nach der regu­lären Saison besser plat­ziert war, kommt weiter. Im Vier­tel­fi­nale setzte sich Cruz Azul, der Tabel­len­vierte, gegen Tigres durch und erreichte so das Halb­fi­nale gegen den Zweiten, den Club Uni­ver­sidad Nacional, den man gemeinhin als die Pumas kennt.

Ein eigenes Verb

Cruz Azul wartet seit 1997 auf den Titel. In diesen 23 Jahren stand der Klub in sechs End­spielen, verlor sie aber alle. Jene unge­wöhn­liche Serie hat dazu geführt, dass man den Verein, der heute in Mexiko-Stadt behei­matet ist, als Inbe­griff des Ver­sa­gens betrachtet. Ja, Mexi­kaner haben inzwi­schen sogar ein Verb vom Namen des Klubs abge­leitet. Cru­za­zu­lear bedeutet so viel wie: Etwas gründ­lich ver­sem­meln, auch wenn das eigent­lich gar nicht mög­lich ist. Wie zum Bei­spiel einen 4:0‑Vorsprung aus dem Hin­spiel gegen die Pumas.

Bei jedem anderen Gegner wären die Pumas völlig chan­cenlos ins Rück­spiel gegangen, doch weil es sich hier eben um Cruz Azul han­delte, gab es tat­säch­lich Fans, die noch an ein Wunder glaubten. Sie wurden in ihren Hoff­nungen bestärkt, als die Elf in Blau über­ra­schend ohne ihren Kapitän Corona zum Rück­spiel auf den Rasen kam. Und als Ersatz­keeper Sebas­tián Jurado schon nach drei Minuten den Ball zum ersten Mal aus dem Netz holen musste. Und als die Haus­herren in der 37. Minute ein Tor aus klarer Abseits­po­si­tion schossen, das aber gegeben wurde, weil der Ball vom Gegner kam. Und erst recht, als schon in der 41. Minute das 3:0 für die Pumas fiel.

Es gibt Leute, die glauben, dass Cruz Azuls Nei­gung, Pleiten, Pech und Pannen magisch anzu­ziehen, reiner Zufall ist. Es gibt auch Leute, die an La Mal­di­ción de Comizzo glauben – den Fluch des Comizzo. Gemeint ist damit der argen­ti­ni­sche Keeper Angel Comizzo. Er hütete 1997 das Tor von Club León, als diese Elf die beiden Final­par­tien um die Meis­ter­schaft gegen Cruz Azul erreichte. Cruz Azul gewann daheim mit 1:0, im Rück­spiel führte Club León nach 90 Minuten mit dem­selben Resultat. Es ging also in eine Ver­län­ge­rung – mit der Golden-Goal-Regel.