Seite 2: „Oh Gott, ich bin eingekesselt“

Warum haben Sie trotzdem wei­ter­ge­filmt?

Die Polizei kam recht schnell und sagte mir, ich solle keine Ultras oder Hoo­li­gans filmen. Also habe ich wei­ter­ge­macht und darauf geachtet, dass ich nie­manden spe­zi­elles, son­dern nur die große Gruppe filme. Dann gab es auch keinen Ärger mehr. Selbst ein Typ im KSC-Block sah mich drehen und kam zu mir. Wir haben uns gut unter­halten. Er hat mir erzählt, dass er ein ein­ge­fleischter Fan sei und auch seine Kinder zu treuen KSC-Fans erziehe. Lus­tiger Kerl, man sieht ihn auch im Video: Er hält sein Rücken-Tattoo mit dem Karlsruhe“-Schriftzug in die Kamera.

Haben Sie viel mit den KSC-Fans gespro­chen?

Nein, über­haupt nicht. Ich war total nervös. Als ich reinkam, dachte ich nur: Oh Gott, ich bin ein­ge­kes­selt. Ich habe vor dem Sta­dion ein Ticket für den Gäs­te­block gekauft. In Ame­rika sind die Sta­dien aller­dings offen, man kann mit jeder Karte überall hin. Ich hatte nicht geahnt, dass ich nun zwi­schen zwei Zäunen ein­ge­zwängt sein werde. Ich wusste, wo ich war und dass ich nicht hierher gehöre. Aber als dann alle auf­standen und gesungen haben, war mir klar, dass das ein guter Tag wird.

Als die KSC-Fans Pyros zün­deten, sagen Sie in Ihrem Video It’s a good time.

Das war ein­fach ein geiles Gefühl. Fan­kultur ist auf jeden Fall lei­den­schaft­li­cher in Deutsch­land als in Ame­rika. Ich glaube, das liegt auch an den har­schen Secu­rity-Kon­trollen in den USA. Wenn du dich prü­gelst oder Pyros zünden willst, wirst du direkt ver­haftet. Des­wegen war es schon beein­dru­ckend, als die KSC-Fans so richtig los­ge­legt haben.

Sie fühlten sich also wohl im Sta­dion?

Total. Aber ich bin halt auch 24 Jahre alt und somit viel­leicht genau in der Ziel­gruppe“, wenn man das so nennen mag. So etwas wie Pyro pusht mich total, das macht ein­fach gute Stim­mung. Ich kann aber auch Men­schen ver­stehen, die das nicht gut oder beängs­ti­gend finden. Auch deren Mei­nung muss man respek­tieren.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich spiele erst einmal ein halbes Jahr Foot­ball. Ich bin Quar­ter­back bei den Stutt­gart Scor­pions. Und nebenbei drehe ich so viele You­Tube-Videos, wie es geht. Das würde ich gerne zu meinem Full-Time-Job machen. Ich über­lege gerade eine Serie zu starten, bei der ich durch ganz Deutsch­land reise und ver­suche, alle Fuß­ball­sta­dien zu besu­chen. Ich glaube das könnte den Leuten gefallen.