Seite 2: „Champions League ist das Long-Term-Ziel“

Ihr erklärtes Ziel ist, mit­tel­fristig die Cham­pions League zu gewinnen.
Als Athlet muss ich mir Ziele setzen. Ich finde den Wett­be­werb span­nend, würde gern noch einmal den ganzen Pro­zess mit­er­leben, die Emo­tionen in der K.O.-Phase und im Zweifel auch den Cup hoch­stemmen.

Aber doch nicht mit dem PSV, oder?
Zuge­geben, es ist nicht der direkte Weg. Mir ist schon klar, dass viele Fak­toren zusam­men­passen müssen. Sagen wir so: Es ist das Long-Term-Ziel. Aber ich erin­nere nur an Ajax, das vor zwei Jahren plötz­lich die Cham­pions League auf­mischte.

Sie träumen schon wieder vom Gewinn der Cham­pions League. Wieso diese Fixie­rung auf Titel?
Wenn man so früh wie ich Deut­scher Meister wird und bald darauf Welt­meister, wächst man in diese Denke rein.

Aber machen einen diese Ziel­set­zungen nicht fertig? Beim PSV werden Sie bis auf wei­teres keinen Titel holen. Das ist doch Druck.
Aber ich komme doch nicht her, um hier ein biss­chen mit­zu­ki­cken, son­dern um wieder oben anzu­knüpfen. Hier arbeiten alle dafür, dass es mög­lichst schnell erfolg­reich wird, auch wenn der Erfolg sich nun mal nicht immer von heute auf morgen ein­stellt.

Aber es geht Ihnen doch auch um die Rück­ge­win­nung der Freude am Fuß­ball.
Natür­lich lag beim Wechsel der Fokus darauf. Aber jetzt reicht es doch nicht, nur zu sagen: Toll, ich habe mal wieder 90 Minuten durch­ge­spielt“.

Es gab es keine Per­for­mance­kultur, die aus­schließ­lich auf Leis­tung aus­ge­legt war“

Könnten Sie vor­zeitig aus dem Zwei-Jahres-Ver­trag raus, wenn Sie ein Top-Klub haben will?
Wir haben mit dem PSV ver­ein­bart, dass wir uns bei einem außer­ge­wöhn­li­chen Angebot zusam­men­setzen. Vieles steht und fällt für mich in Eind­hoven mit der Trai­ner­per­so­nalie. Würde Roger weg­wollen, würde ich mir Gedanken machen. Des­halb gilt unsere volle Kon­zen­tra­tion dem Errei­chen des zweiten Platzes in der Ehren­di­vi­sion, damit wir uns für die Cham­pions League qua­li­fi­zieren können.

Früher hieß Ihr Traum­klub: FC Bar­ce­lona.
Daran hat sich nichts geän­dert. Mit dieser Mann­schaft Ball­be­sitz­fuß­ball zu zele­brieren, an der Seite von Lionel Messi, das wäre ein Traum. Aber nicht mehr um jeden Preis!

Was ist heute anders?
Heute würde ich mir vor jedem Wechsel sehr genau Gedanken machen, auf welche han­delnden Per­sonen ich bei dem neuen Verein treffe.

2015 sagten Sie als Bayern-Spieler und frisch­ge­ba­ckener Welt­meister, dass Sie den Fuß­ball im Ver­gleich zu den frühen Pro­fi­jahren mehr als Job und als Arbeit emp­finden. Wie ist das jetzt?
Es ist ein guter Mix. Ich will pro­fes­sio­nell und erfolg­reich sein, kann Fuß­ball aber auch wieder mehr als ein Spiel sehen, das Freude macht und das man nicht zu ver­bissen sehen darf.

Ist Ihnen der Spaß zwi­schen­durch abhanden gekommen?
Nicht am Spiel an sich – den werde ich nie ver­lieren. Aber wenn ich wochen­lang nicht zum Ein­satz komme, hart trai­niere und trotzdem das Gefühl habe, keinen fairen Kon­kur­renz­kampf zu bekommen, nimmt mir das natür­lich die Freude an der Sache.

Was meinen Sie damit, Sie hätten keinen fairen Kon­kur­renz­kampf“ bekommen?
In den letzten beiden Jahren bei Borussia Dort­mund gab es aus meiner Sicht keine Per­for­mance­kultur, die aus­schließ­lich auf Leis­tung aus­ge­legt war.

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Unter Tuchel war ich ein­fach nicht in der besten Ver­fas­sung“

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Heißt: Lucien Favre hat Ihre Arbeit nicht gewert­schätzt?
Ich denke, dass die Leis­tung im Vor­der­grund stehen sollte und sich das dann in Ein­sätzen wider­spie­geln muss. Das war unter ihm nicht am Ende leider mehr der Fall.

Auch wenn Sie nicht der ver­bale Typ sind, haben Sie Ihren Unmut geäu­ßert?
Sicher. Wenn ich muss, kann ich meine Mei­nung schon deut­lich zum Aus­druck bringen.

Was hat Favre ent­gegnet?
Dass er nicht glaubt, dass ich der Mann­schaft helfen kann und er keine Posi­tion für mich hat, was für mich grund­sätz­lich wenig Sinn gemacht hat und eher Aus­reden waren. Im End­ef­fekt muss er es ent­scheiden, auch wenn ich denke, dass meine Trai­nings­leis­tungen diesen Schluss nicht zuließen. Die Phase hat mich aber auch besser gemacht.

Auch mit Thomas Tuchel kamen Sie nach der Rück­kehr 2016 zum BVB nicht so gut zurecht?
Unter ihm war ich ein­fach nicht in der besten kör­per­li­chen Ver­fas­sung.

Mit Peter Bosz lief es besser.
Er hatte eine Spiel­phi­lo­so­phie, die zu mir passte und er hat mir ver­traut.

Peter Stöger kri­ti­sierte Ihr Spiel sogar vor lau­fenden Kameras.
Aber er hat mich wenigs­tens spielen lassen, auch wenn es sonst nicht so zwi­schen uns gefunkt hat. Wissen Sie, wenn ich spiele und Kritik geäu­ßert wird, ist das kein Pro­blem. Dann habe ich die Chance, meine Kri­tiker auf dem Platz zu wider­legen. Aber wenn ich gar nicht spiele, geht es in die fal­sche Rich­tung.